Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 35. (25.8.1893)
- Date
- 1893-08-25
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 138 — nicht entscheiden, bemerken müssen wir jedoch, dass noch heute im jüdisch• deutschen Jargon ein a prosthetikum vorkommt, und dass auch im Englischen das deutsche Adverbium weg (ursprünglich identisch mit der Weg) a way heisst. Das Seite 10 erwähnte Mislap ist die alte Bezeichnung für die jüdische Gemeinde Mislitz in Mähren; auf derselben Seite Zeile 6 von unten lesen wir gar von einem Beischi — risum teneatis amici —, während es doch ein unschuldiger bescheidener Feisch (aus Foibos-Phöbus) mit diminutivem 1 ist. Zu Seite 11 bemerken wir, dass die Juden nur von jüdschen Fleischhauern Fleisch kaufen durften und daher die verhältnismässig grosse Zahl jüdischer Fleischer. Seite 13 wird Beth din sutah mit ״Gerichtshof erster Instanz“ und Beth din rabba mit ״Gerichtshof zweiter Instanzübersetzt; wir wünschen zunächst eine sinngetreue Uebersetzung, die in diesem Falle auch wortgetreu sein muss, und zwar der ״kleine und der grosse Gerichtshof“. lieber Schreiber und Secretäre hat S H 0 c k in meinem Oentralblatt mehrere Aufsätze veröffentlicht, die die der Herausgeber ohne Schaden für seine Arbeit hätte berücksichtigen dürfen, sein Urteil wäre dann viel richtiger. Seite 20 finden wir wieder Bumsla, ich habe erst in Nr. 2 des diesjährigen ״Jüd. Literatur!)].‘‘ darauf hingewiesen, dass darunter Bunzlau zu verstellen ist. Seite 24 werden die בה הכלי זמרים erwähnt; ich bemerke, dass Klesmer, aus כלי זמר entstanden, auch als Eigenname sich findet, ja sogar in George Eliots Roman ״Daniel Deronda“ vorkonnnt. Seite 25 ist statt Teinsch zu lesen Tynisch. Sollte der Herausgeber weitere Hefte verüffentliehen wollen, so fordern wir von ihm eine strenge Selbstzucht und ein Eindringen in die jüdische Geschichte und Wissenschaft, wenn die Arbeit nicht wertlos sein soll. Dr. M. Grünwald. Wünsche, Prof. Di•. Ang., Midrasch Tehillim etc. Besprochen von Kabbiner Dr. 0 0 h :•-Burgkunstadt. (Fortsetzung von Nr. 30.) Ps. 16 Nr. 2. טמא דכלא משתוקא heisst: ״Die Hauptsache (cwpa) ist Schweigen.״ Es ist weder an סמא (Heilmittel) noch an סימא (Schatz) zu denken. — Nr. 6: ״An dem Steine schon, (len er berührt,.“ אבגא דהוא מתגושש bedeutet hier die Steinscheibe, den steinernen Diskos (Xtffo?), mit dem der Athlet den Wettkampf aufnimmt. האבק --- מתגושש ringen. — N. Josua b. Levi will Folgendes sagen: ״Aus Jer. 2.H, 24 könnte ich schliessen, dass Gott nur Himmel und Erde erfüllt; darum nennt der Psalmist den Himmel מעשה אצבעותיך, d. b. Gott ist überweltlich, und alle Himmelsräume betragen nur so viel, wie seine Finger berühren.“ Das Fragezeichen in Z. 13 ist dnreh ein Ausrufungszeichen zu ersetzen und ״Antw.“ zu streichen. — Nr. 9. ״Der Tag Josua's war die Bedingung für den Tag der Debora.“ Es muss heissen: Der Tag Josua's erzählt (מתנה) für den Tag der Debora . . . und der Tag der Debora und des Barak erzählt, wie viel Zeichen und Wunder an ihm geschehen sind. — Nr. 17: ״willst du sie mir vergeben?“ בעיגא דתשרי לי heisst: ״ich bitte, dass du sie mir vergebest.־‘ Ps. 20 Nr. 1. Der Satz יהיו משתתפי; כבודי עמהן ist sprachlich nicht zu rechtfertigen. Ich lese;ומשתתפי בכבודי (יהיה) בבודי עמה; nach d״n früheren Druckausgaben. — ln Nr. 4 ist מי בעגה אעת צדתי nach Jalkut und den früheren Ausgaben in מי שעגה אביכם בעת צרתו zu verbessern. Ebenso ist wohl in Nr. 5 die alte Lesart מציוגן של מצוות vorzuziehen. — Nr. 8: ״dass , die Geschöpfe Salz essen.“ Diese Uebersetzung entspricht der Conjectur: מלה אכלן. Aber ich glaube, dass an dem überlieferten Text nicht zu rütteln ist. Zu dem Psalmwort: ״Gedenken wird er deiner Speiseopfer“ bemerkt R. C'hama: (כל הקרבגות במלה (שני וכל קרבגך מנהתך במלה תמלח כאדש שאומי דברייתא מלהא פלן: d. h,: er wird deiner Opfer gedenken, weil diese mit Salz dargebracht werden, und Salz bekanntlich das Symbol der ewigen Dauer, der bleibenden Erinnerung ist. Die schwierigen Horte דכי מ׳ פ׳ sind vielleicht zu erklären durch Vergleichung mit B. K. 117b: ,מלה ליה לחמרא ושדייה לנה ״er salzte den Esel. d. 11. er stiess und schlug ihn und warf ihn (aus der Fähre) in den Fluss.“ Die vulgäre Ausdrucksweise scheint demnach ״salzen“ für ״schlagen, durchprügeln“, ״einen Denkzettel geben“ gebraucht zu haben. — In No. 9 sind die Worte: ״R. Chilphai versetzte“ zu streichen. — In Nr. 10 ist im Sinne des Midrasch zu übersetzen: ״Aber in Zukunft wird es nicht also sein. d. h. da wird es keine Stammesunterschiede geben, sondern dann werden wir alle nur ein Panier mit dem Namen unseres Gottes haben.“ (cfr.) r. 98 zu 1 M. 49, 8.) (Fortsetzung folgt. Liierarische Notiz. Xeitlticli. Uebcr den Ursprung und die Bedeutung dieses Wortes lmt dieses l.it. Bl. bereits verschiedene Ansichten der Gelehrten!ungeteilt. F.ntgegen allen Deutungen glaube ich nun, unumstüsslich nachweisen zu können, dass das quest Wort rein deutschen Ursprungs ist. In ״Joanne Pi stör 18“ ״Anatomae Lntheri“ (Cöln 31 D. XCV. S. 154) oben findet sich folgende Stelle: ״dann nichts desto weniger die ein Fraw die Haussfraw sein und ■ die rechte Erben ziehen, die ander aher nebig und doch Ehfraw sein können.“ Hiernach ist das Wort ein von der Proposition ״neben“ gebildetes Adjektiv wie ״widrig“ von ״wider“ in Bedeutung von untergeordnet, bedauerns - oder bemitleidenswert und entspricht in jeder Beziehung dem jüdisch-deutschen nebbich nebig. L. 0 oben -Rees a. Rh. Wise Jsaac 51. Rabbi. Three lectures the Orgin of Christianity;3 Vorlesungen über den Ursprung des Christentums) 75 S. in 8' Cinncinati. Bloch & Co.. Publishers. — ' Dr. J. Wise ist Direktor des habbinerseminars in Cincinnati und schon deshalb sollten seine Arbeiten in Deutschland mehr bekaunt sein, als sie es thatsä'dilich sind : aber auch inneren Wert heben sie. So sind diese 3 Vorlesunges wert, ins Deutsche über־ setzt zu werden. Die erste handelt über Christus und sucht den Nachweis zu bringen, dass Christus durch und durch Pharisäer ■ war. und dass er eine neue Religion zu stiften nicht gewillt war. Die 2. führt den Titel: Die Apostel und die Essäer, und verweisen wir auf unseren Aufsatz ..über den Urspranr der Essäer" im Jüdisehen Centralblatt 188H 56 ff. Die 3. Vorlesung handelt über Paulus und die .Mystiker und ist ein Jleisterstiic.: in jeder Hinsicht. G. Das Jaiiiiar-Märzhet't 1893 der Revue des ötndes juives enthält in erster Reihe den hochinteressanten Vortrag des Professors S. Jac(ju:8 aus Brüssel, flher jüdische Typen. Es wird daselbst der Nachweis erbracht, dass nicht das Ghetto dem jüdischen Stamm seinen Typus aufgedrückt hat, sondern dass derselbe sich schon im Altertiune findet. Ausserdem ist ein Aufsatz ״Geographische Untersuchungen über Palästina, Th. Reinach's: Quid Jndaeo cum Verre, M■ Lambert's Studie über dass Waw couversivum J. Leri's: ״Ob die Toden wissen, was hienieden geschieht? A. Epsteins Kritik Uber Gasters Arbeit über den Jalkut ha-Machiri; D. Kaufmanns: ״Die Familie des Jechiel aus Pisa (wo zu Seite 89 die Auflösung des תמא in תנויך מנשים אס hinzuzn ügen ist.) und der Anfang der interessanten historischen Arbeit: Die ,.Juden des türkiseben Reiches im 19. Jahrhundert" — zu erwähnen. Berichtigungen In No. 31 d. Bl. S. 129b Z. 3 v. u. ist st. Chajim z. 1 Cbanoch. In No. 32 S. 126a Z. 3 v. 0. ״Dichter‘‘ 8t. Rithter. Z. 6 v. n. R. st. G. Z. 3 v. n. dem st den. u. .,dass" st. das; S. 126b Z. 15 v. 0. ist z. 1. ״fügt“, Z. 27 v. 6. ״Mischnijoth.“ — In Anmerk. 13 ist hinzuzufügen: vgl. R. Jehnda b. Barzilai aus Barcelona, ('ommentar zum Sepher Jezira u Halberstam (Berlin 1885) S. 4 — In No. 34 S. 139b Z. 4 v. 0. ״mächtigen" st. mutigen. — In der ״lit. Notiz“ Z. 9 v. u. 1. ״ermangelt" u Z. 9 v. u. רצוי תמים Verantwort!. Redacteur Dr. Rahmer Magdeburg. Druck Friedrich Kasche &. Co., Magdeburg. Verlag Rob. Friese, Leipzig.