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Das jüdische Literaturblatt · 1893-08-18 · N° 34. (18.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 34. (18.8.1893)
Date
1893-08-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 34 XXII. Jahrg Das JüdischeLiteraturblatt Zw 8*M11ehtw1| ■Har lufntoum und Judm k«tr«<lMd*n littw»ri*c*1«n Ergeh••• nunflwi •ut d*m •dkidta ddr H1lte»oght«, BdickicM«, Ethnograph!•■ ThMtogi«, Ortoi• tili«, EuguM, Headtttk, Liturgik, und Ptdigtgik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdeburg, den 18. August 1893. BOchtr d*r eintchllgtgtn Uttintur, ••Ich* dar Redaktion lugesandi werden, (Inden in diesem Hatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions- Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis-Insertion. Das ״Jüdische LIteratar.Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friesei pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatnr-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 85 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind au die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler und Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 % Rabatt. Inhalt: Wisaeuschaftliche Aufsätze: Unsterblichkeits- und Auferstebungpglanbe kein Hindemigs für Feuerbestattung Von Dr. A. Rothschild, weiland Rabbiner in Aliey. — Ueber die Aussprache des ע. Receusionen: Achena attah! Unser Bruder bist Du. Von H. Leszcynski (Fortsetzung.) — Kristofor Janson. Von der Dreieinigkeitslehre und der Gottheit Jesu. Uebersetzt von Ernst Bransewetter. Literarische Notiz. Unbefugter Naohdmok aut dienen Blatte lat nicht gestattet. Unsterblichkeits- und Auferstehungsglaube kein Hinderniss für Feuerbestattung. Von Dr. A. Rothschild, weiland Rabbiner in Alzey. Religiöse Anschauungen sind es hauptsächlich, welche der allgemeinen Einführung der Feuerbestattung hindernd im Wege stehen. Nicht in dem Unsterblich* keitsglauben an sich, in dem Glauben an das psychische Fortleben der Seele, liegt dieses Hinderniss, sondern in der Auffassung dieses Glaubens als eine Wiedererweckung des Fleisches, als eine Auferstehung des toden Körpers, als eine Rückkehr der geschiedenen Seele in ihre frühere leibliche Hülle, als ein persönliches Fortleben des Menschen nach dem Tode mit Leib und Seele. Diese Auffassung ist kein specifisch-christliches Dogma, sie ist dem Judentum ebenfalls eigen und von diesem in das Christentum Ubergegangen. Man erkennt darin eine Verwandtschaft mit der egyptischen Lehre von der Seelenwamlerung, die leibliche Auferstehungstheorie ist geradezu eine modifizierte Lehre von der Metempsychose; man hat sich nur über die Inkonsequenz zu wundern, dass zur Erhaltung des Leichnams nicht auch die egyptische Einbalsamierung und Mumifizierung eingeführt und üblich geworden ist, denn die Erdenbestattung giebt denselben ebenso der Vernichtung preis wie die Feuerbestattung, dort wie hier findet ein chemischer Verbrennungsprozess statt, der in beiden Fällen nur Staub oder Asche zurücklässt. In der That wehrt man sich gegen die Feuerbestattung als einen sichtlichen Vemichungsprozess und vermeint in der Erde den Körper zu erhalten und seine Teile zusammenznhalten, vermeidet deshalb die Zer- Stückelung (Secierung) des Leichnams, wie auch die Zerstrenung von im Leben amputierten Körperteilen. Die wahre Erklärung dieser auffälligen Abweichung liegt aber darin, dass die jüdische rund heidnische Auferstehngstheorie eine grundsätzliche verschieden ist. Bei den Heiden wurzelt sie in der Ansicht von der Ewigkeit und Un- Veränderlichkeit der Materie, woraus die Schöpfung, und also auch der Mensch entstanden sei; das Heidentum kennt nicht den dualistischen Gegensatz im Menschen von Geist und Körper, Seele und Leib, der ganze Mensch ist darum unvergänglich und besteht in seiner Induvidualität fort. Im Judentum ist nur Gott ewig, die endliche, von ihm aus dem Nichts geschaffene Welt aber vergänglich, ebenso demnach auch der aus der weitliehen Materie gebildete Leib des Menschen; nur die den Menschen belebende Seele gilt als göttlicher Art und Natur, als Gteist von Gottes Geist, also auch wie dieser als unsterblich nnd ewig. Hiernach leugnet also Moses den Unsterblichkeitsglauben nicht, wie vielfach irriger Weise angenommen wird, er lehrt vielmehr inplicite die psychische Unsterblichkeit des Menschen; er stellt diese Lehre nicht ausdrücklich als ein neues Dogma auf, sie ist bei ihm ein Axiom wie das Dasein Gottes, wofür sich bei ihm ebenfalls nicht ausdrücklich ein besonderer dogmatischer Ausspruch findet, sie ist bei ihm eine konsequente Folgerung seines Gegensatzes zur heidnischen Lehre von der Ewigkeit der Materie und seiner prinzipiellen Ansicht über die göttlich-geistige Natur der menschlichen Seele. Die Unsterblichkeitslehre, als ein Postulat dieser Teorie, fand auch keinen Raum in seinem Gesetzbuche, welches Lebens- und Moral- Vorschriften, aber nicht Lebens-und Morallehren, am wenigsten dogmatische Lehren enthält. Moses tritt sogar in seinem Gesetze über die Verunreinigung durch Berühruug der Leichen (Num. 19) dem egyptischen Todenkultus entgegen. Die Leichenberührung infiziert (verunreinigt), und das Gesetz ordnet deshalb zur Desinfiziernng Waschung und Besprengung mit Aschen- (Laugen-)Wasser an. Der Sinn und das Motiv dieses Gesetzes ist hygienischer Natur, beruht aber auf Moses psychischer Seelentheorie und dessen Lehre von der Bildung des menschlichen Leibes aus der vergänglichen Materie der Erde, zu welcher dieser mit dem Augenblicke wieder zurückkehrt, in welchem Leben und Seele ihn verlassen, zu welchem Leben und Seele aber nicht wieder zurückkehren können und werden. Denn der Leib bedarf der Seele, um zu leben, die Seele aber nicht des Leibes, um fortzuleben. Der irdische Leib lebt nur durch die göttliche Seele — und ist wieder Erde und nichts als Erde im Moment des Sterbens, wenn die göttliehe Seele ihn verlassen hat. Dieser Glaube an ein psychisches Fortleben beherrschte das Judentum von Moses an, er geht durch das ganze biblische Schrifttum, das kanonische und apokryphische. Erst im Exil unter den Heiden nahmen die Juden, mit anderen fremdartigen Sitten und Ideen auch den Glauben an die leibliche Wiederbelebung und Auferstehung der Toten auf. Dieser Glaube war dem Volke fasslicher als die Vorstellung von einem rein geistigen, psychischen Fortleben der Seele, und so fasste er Wurzel und wurde von der pharisäischen Volkspartei genährt. Nur die sadducäischen Priester hielten an der bisherigen Lehre Mose's von der

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