Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 28. (7.7.1893)
- Date
- 1893-07-07
- Page
- Seite 110 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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110 — »etbeu unternommen hatte und im letztjihrigen Bericht der Anstalt, an der er seit ihrer Begründung segensreich gewirkt, zu veröftentliehen gedachte, hat es Müller übernommen, die wissenschaftliche Arbeit für das Programm zu schreiben, lind wir dürfen dem gelehrten Verf., wie rar seine übrigen gediegenen Arbeiten — erst vor wenigen Wochen gab derselbe die zum ersten Male 1616 (t'onstantinopeh erschienen היינות פסוקות מ; הגאונים in verbesserter zweiter Auflage, mit Einleitung, 1'ommentar und Indei versehen, heraus — auch für die vorliegende recht dankbar sein, trotzdem wir gestehen, dass sie anf uns den Eindruck einer allerdings erklarlichen. zu grossen Beschleunigung macht, die sich auch in den sehr zahlreichen Druckfehlern zeigt. Doch, wie gesagt, die l'eber- Kürzung war mehr oder weniger durch die unerwartet eingetreteue Scliicksalswendung im Collegium der Anstalt geboten. Da uns iu der Publikation jedoch nur der erste Theil der eigentlichen Arbeit vorliegt, so dürfen wir mit vollem Recht erwarten, schliesslich ein in jeder Hinsicht abgerundetes Ganze zu erhalten. (Für die Leser der Arbeit glauben wir von vornherein bemerken zu sollen, dass die Notenziffer 5 im Texte in den Noten unberücksichtigt geblieben und daher zu streichen ist: für die Ziffern fi— II ist daher 5 - 10 zu lesen, die zweite Ziffer 11 bleibt dann bestehen.1 Unser R Mesckullam, der Sohu des Kalonymu» aus Lucca, war mit seinem Vater - darnach ist Cassel. Lehrb. d. jüd. Gesch. u. Litt , .)38, genauer 7.n bestimmen — auf Veranlassung eines deutschen Kaisers etwa um die Mitte des 10. .lahrhunderts aus Italien nach Westdeutschland (Lothringen Mainz) gekommen, wo er jedoch nicht lange gelebt zu haben scheint. Was seinen Beinamen הגדוי anlangt, so glaube ich aus ihm seinen Aufenthalt in Mainz mit. ziemlicher Bestimmtheit deduciren zu können: Z u n z, Literaturgeschichte, S, 10b :und ihm folgend Cassel a a. O.) übersetzen diesen Beinamen als Ehrenbezeichnnng durch -der Grosse“. Dem scheint aber nicht 80 zu sein. Wenn man in der Zeit der Amoräer Hillel I, dem Controversenten Schaminai’8, bes. zum Unterschiede von dem lange Zeit später lebenden Nachkommen 1;. .lehudah 1. gleichen Namens, mit dem präcisirenden Beinamen הזק)י ,der Aeltere״ belegte, gebrauchte man in der unter dem Einflnss der lateinischen Literatur stehenden Sprache für dieselbe Be- Zeichnung meist den terminns הגדוי, der gleichfalls nichts Anderes bedeutet, als ,der Aeltere“ 1 vgl. tnaior |natu11. Da es nun ohnehin, wie Müller dargethan (vgl. auch Note 17). wahrscheinlich ist, dass unser K. Meschullam in Mainz lebte, so werden wir für diese Annahme wohl auch darin eiue Bestätigung Sachen dürfen, dass er von einem nicht viel später als er gleichfalls in Mai n z lebenden angeseheuen Talimtdisten Mc schul lam (b. Moses) unterschieden werden sollte als ״R. Mescbitllam, der Aeltere“. (l.andshntb. Amude ha-aboda 2,2TB f., nimmt noch eh.cn jüngeren Mesch, b. Kalonym. mi. s auch Grätz, Gesch. Vll , Kl |M. h. K aus Narbonne z. Z. Kiincbi's 240]). — Aelmlieh wird auch bei Asulai 42 ועדb der Zeitgeuosse unseres Mescbullam, der bedeutende l’ajtan Simon b. Tsaac b. Abuu (vgl. Znnz, Litgesch. 111 Amu. 4) von einem שטעון הגדויי unterschieden Vgl. übrigens Znnz a. a. <1. א KOOf. — Was 1) Mesch.’s ileimath anlangt, so ist zunächst zu beachten,!lass sowohl ihm ivgl. Znnz a. a 0.1 als seinem Vater R. Kaloitymns (Mach». Vitry. ed. Berlin, rf. 293 ZI. 4: «׳ (׳0 יק־יוניטוס איים יונוcs, desgl. S. 51K ZI. 19) der Beiname איש יומי heigelegt wird. Dass sich die Ahnlterren der Kalonymiaden in Koiu aufgehalten haben, worauf der Ausdruck •א יוט zunächst führen konnte, ist nicht weiter nachweisbar, wenn er auch Schüler des Salomo ben 1! .lehudah habaldi (d b. des Kötner») gewesen!■ein soll. Z11 beachten ist jedoch, dass, wie der Veif. S K bemerkt, li Meschullam's Dichtutigen sowohl in die deut s dt-lothringische, wie iu die römische (.׳ebetorduung aufgeiiomine» winde — vielleicht, weil er in diesen Gegenden gelebt. Vielmehr leitet mau mehrfach die Familie aus Lucca ab ivgl. ausserdem ״Respp des Kalonymus au» L “ ». A. aiv-h Sal. I.urja nr. 20 bei Znnz a. a (). S. 101 Anm. 9). Mir will es nun scheinen, als sei א יומי eine Bezeichnung für 11 allen er überhaupt (gerade 7.11111 ('literschied von והבביי; vgl. •luda b. Mose Romano *1 Wenn man nun beachtet, dass das Ge- *1 Diese Annahme, dass איש יודי nicht unbedingt auf Rom schliesseu lasse, geht auch daraus hervor, dass z B. K Dhananel. der nicht nur von Raschbnin ivg! Berliner. Migdal chanauel XVI1. 'oudern auch v. A, wie 11:1 Machs. Vitry (p. 429׳. als י ־ איש יוטי ivgl. s. t'0111111. Sukk. 4411) bezeichnet, wird nicht aus Born stammte. .Man geht daher vielleicht nicht fehl, wenn man anniinim, dass die Bezeichnung איש דוגי bisweilen aus איש דיוטי (Mann des Südeusl entstanden ist und sich auf die Zugehörigkeit zu einer der 1iidl. (iegendeu (Italien. Spanien, Tütkei, Kleinas, Babyl , Africai bezieht, die ja südlich von Lothringen resp Deutschland liegen (Erwähnt sei hier nebenbei, dass der Name איטייא. von Juohasiii als Todesort des K. Todros. Bruders des älteren Kalonymus. genamit und in den Zusätzen zu Ahr. bei! Dav. |Seder 1 hakkab.. ed. Xjaili.. durch אישטיייה |iu Navarra|, Kstella näher bestimmt wird!Müller. Anm. 8|, auch sonst s״ (wohl nach einer andern Ausspr.j genannt wird: vgl. Grätz. Gesch Vll, 470. Note 1‘2.) biet von Lneca (in der mittelitalienischen Landschaft Toscana) durch Otto I. unter dentache Hoheit kam und zugleich auf die Nachricht hört, nach weicherein deutscher Kaiser (Karl?) R. Mesch.’s Vater uach Deutachland brachte, so liegt es nahe, daran zu denken, dass unter Otto dein Grossen die Familie des Kalonymus nach Deutschland iibersiedelte. Darnach hätten wir auch die Zeit unseres R. Mesckullam etwas früher anznsetzeu, als dies der Verf. thut, der seine Lebenszeit in die ersten Jahrzehnte des 11. Jahrhunderts verlegt und *war znm grössten Theile noch in das 10. Jahrh, die Regiernngazeit der beiden ersten Ottonen. Damit würde auch die Mittheilung übereinstimmen, die wir in Schib. hallek. 28 von R. Geraom aus Mainz erhalten: וי טשוים בנו ידענו שחכם גרו;1 היה. Fehlt hier auch, wie heim vorhergenaunten י קר׳ונימום, die ״Beifügttng von 1ז* ־ als von einem Gestorbenen, so fehlt diese auch bei "1;ריאאעזר בד ק und es ist daher gar nicht abgeschlossen, dass R. Meschnllam zu der Zeit, da K Gersom dieses Resp. schrieb, bereits nicht mehr zu den Tobenden zählte, worauf die Verhalfonn היה (statt הוא) wohl unzweifelhaft hindentet. Uebrigens ist ja der betr. Bericht eig. nur eine Kopie ans den Respp. des R Gersom. hei deren Ausführung das Wörtchen זונ׳יי verloren gegangen sein könnte. Auch der Umstand, dass R. Gersom sieh anf R. Meschullam als eine Autorität beruft, seheiut unsere letzte Vermuthung zu be- *tätigen. Es ist allerdings möglich dass sich והיה auf eine frühere Bekanntschaft bezieht. Doch würde auch dann wenn er lebte. הוא gestanden haben. Wenn es also nicht blosse Flüchtigkeit ist, so ist das Fehlen von S st bei K. Meschullam vielleicht daraus zu erklären, dass R. Gersom keine vollständig verbürgten Nachrichten über seinen Tod hatte. Es ist nun glrieligiltig, ob R. Gersom das betr. Resp. noch in Metz oder in Mainz verfasst hat: jedenfalls dürfte Mesch, (vgl. Müller S. 5 ob.) auch in Frankreich gelebt haben, vielleicht gar in Metz, wo R. Gersom von ihm hone. Dass R. Meschullam aber erst nach R. Gersom's Tode nach Mainz gekommen sein soll (von Lothringen resp. Frankreich aus), ist nach Obigem kanm haltbar. Kr muss wohl unbedingt als Vorganger desselben angesehen werden. Zur Zeit Rasehi’s war eine seiner Pijutim [1. Pijutam2. Pessachtage. אםיק| bereits eingeführt, (s. zn Baba mezia (19b t — Hinsichtlich der literarischen Thätigkeit 1L Meschullam’s registrirt Müller zunächst den Commentar zn Aboth und bezeichnet M. als den Vorläufer aller derer, die sittenhücher schrieben. (Bekanntlich lmt auch das Machsor Vitry einen höchst interessanten und wichtigen Dommentar zu A.: ebeuso hat Maimoiiides einen solchen vetfasst und ihm eine philosophische Betrachtung in ״acht Abschnitten“ als EiuleitUDg vorangehen lassen, vgl. Kaiieth in Dr. Hildeshe.iner's .)ubelschrift: und weiterhin begegnen wir im IK Jahrbdt. einem sonst ziemlich wenig gekannten Abothmmmentar. den das römische Machsor aufgenommen hat vou Obadja ans Sefonio (auch Dassel nennt denselben iu s. Lehrb. 43 .א(! nicht), den uns eine ausführliche Biographie in nicht zu langer Zeit näherliiliren wird.) Man darf aber vielleicht auf die Talmndstelle in Baba kama 3(>a hinweisen, nach welcher (uach der Lesart des Alfasj) Rabina zur ethischen Ausbildung des Meusclini טי•1• דאבות emptiehlt, worunter das Studium und die Beachtung der im Tractat Aboth enthaltenen Lehren zu verstehen sein soll. (R. l'hananel, der gleichfalls ובינא liest |so auch Halach. gedol., ed. Berlin, •S. 147 unt.j bemeikt ausdrücklich: דירי /*דאבות טס' אבות משה קיבי וגוי Von jenen [הסידיס היאשונים wird nun auch erzählt, dass sie vor jedem Gebet (und auch nach demselben) eine Zeitlang (vgl מעדני י צ z. St.1 warteten ׳Berach. V, I 11. 32a). Da inan mm gern vom ruhigen Studiren zum Gebet überging, so hat tnan späterhin vielleicht vor dem Beginne der Andacht den Tractat Aboth seihst dnrehgesehen nud späterhin vorgetragen So seltsam diese Vevmnthnng auch sein mag. zumal wir sonst nur hören, dass mau am Sahbuthnachmittug Aboth las, 80 wird sie in. E. durch eine Notiz im Machsor Vitry gestützt. Das. S. 4KI heisst es Eingangs der Abothconmicntirung ודי; פימנהו; בשאוט' ננקד :ניאשית ובו es ist also davon die Rede, dass der Tractat des Morgens -dnrohgelernt“ wurde. Für diesen Zweck, d. h. da8 Selbststudium, mögen die ausführlichen ('onunentnie geschaffen worden sein. Späterhin, als das Volk wohl uiclit mehr frühzeitig erschien, hat tnan aus den im Machs. Vitry, S. 112, S 143, angegebenen Gründen den Spätnachmittag Glicht Sabbathabend, wie dev Verf. nach Sidd. Amrams angiebt; vgl. auch Raschi, Pardes S 4 u. A.) des Sabhaths 1'ür diese Vorträge über ethische Kultur gewählt.. — Darnach wäre also Note 23 (hei Müller) zu ergänzen. (Schluss folgt.) *) Ist. das an derselben Stelle genannte ברבות (Tos. Saldi. 13,4: Sabb. Klb u. Il.'ib) vielleicht mit dem hei Zuckerinandel, Krf. Ildsch. d. Tos.. S. K4 f. besprochenen Citat in Zusammenhang zu bringen? Sonst kann es auch durch;דרך איי erklärt werden, dessen Bedeutuug mau siel! gleichfalls vor der Andacht klar zu machen haue. Vielleicht siud jedoch die im Tractat ביכות enthaltenen, auf das Gebet bezüglichen Vorschriften gemeint, die mau sich täglich ins Gedäehtnias rief. Ver.intwortl. Kcdacteur Dr. Rahmt-r. Magdeburg. Druck Friedrich Kasche & Do.. Magdeburg. Verlag Kob. b riese. Leipzig.