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Das jüdische Literaturblatt · 1893-06-23 · N° 26. (23.6.1893) · p. Seite 102

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 26. (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
Seite 102 (sequence 4)
Language
German
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102 — Die erstell zwei Fragen beantwortet der Verfasser mit ״,ediegener Sa<11׳- mul Faclikemitniss. Kr erklärt!len Talmud für ein Sammelwerk, einen .,vielstimmigen Sjireelisaal", und bilden die Sittenweisbeiten und Sitten- Wahrheiten dieses Riesenwerks ein entschiedenes (legengewicht allen Anfeindungen der Gegner gegenüber, sofern jene staatliche und gesellschaftliche Ordnung, religiiise Veredlung in Haus und Welt. Familie und Gesellsei aft erzielen. Der edelgesinnte Herr Verfasser unterzieht sich auch der Midie. die Falschmünzereien Holdings gebührend abzufertigen und die Bodenlosigkeit der Behauptungen dieses Feindes der «luden und Protestanten, iiarh der Anleitung von Prof. Delitzsch und Dr. Kopp zu beweisen. Kr beleuchtet die Nichtigkeit der Blutbeschuldigung gegen .luden, die Rechtsvcrbindlichkeit der Sittenlehre des.Iudenthums allen Menschenkindern gegenüber, und die Wahrheit der bereits im .1 alire 188:1 vom Wiener Rabbinat öffentlich abgegebenen Krklärung, dass im Talmud und in den religiösen Schriften des .hulenthums Nichts vorgefunden werden kann, was Hass oder Verachtung gegen den Stifter oder die Religion des ('hristenthnms enthalten würde, im Indien <Jrade dankenswerth ist hierbei (Seite 45) die Auslegung der Stelle (Kiduschin 4!'a und l'agigah Dia), wonach jeder Mensch arbeiten müsse, seiner bösen Triebe Herr zu werden, zum mindesten aber, falls ihm dies selbst in Trauer und Vereinsamung nicht gelänge, sich davor zu hüten, den Namen Oott.es zu entweihen, denn was zum Schein (vor Menschen) verboten ist. ist auch im Verborgenen vor Oott verboten 1 Bezali bni. Die dritte Frage beantwortet der Verfasser mit der Stellung der (.'hristen zu den .luden aus der Krkenntniss heraus, dass die Wahl beiten der jüdischen Kehre der ganzen .Menschheit Wahrheiten sind. Wenn die Oleichstellung. wie im Königreiche Württemberg, eine vollständige sein wird, werden alle konfessionellen Missionen in Kiuträcht und Kinklang sich auflösen müssen. Der Herr Verfasser urtheilt nun freilich vom christlichen Standpunkte aus. Hier aber gilt mit einiger l'mstellnng das Kessing'sche Worl: ,.Was Knch mir zum ('linsten macht, das macht mich Kudi zum .luden״. Ich halte /.. 11. die grosse Abnahme der Kenntniss des Talmud und der jüdischen Literatur in Württemberg (S. til) durchaus für keinen Fortschritt nationaler und civilisatorischer Bestrebung der dortigen .Juden. Auch ei blicke ich. vom jüdischen Standpunkt aus. kein Heil darin für die israelitische .lugend, dass sie aus christliehen (lebet- und Liederbüchlein Klänge wie ,,Weil ich ,lesu Schäflein bin־', erbanungsvoll anstimmt (S. 07). de mehr in unserer Zeit die Stammestugend und das Sittenidea! des .Indentbums getrübt und verlästert wird, desto :!eiliger ist die Pflicht für düng und Alt unter uns. dass wir uns mit aller (Hut der Seele vertiefen in das Oottesbiich. welches die höchste Weisheit und Vernunft ist in den Augen der Völker, in die Geschichte und sittlich geheiligte l'eberlieferung des dudenthums und das Panier der unterdrückten Glaubensgenossen, welche um der Wahrheit willen leiden und gelitten haben, in der Tragödie der Weltgeschichte hoch tragen und in Khren halten. de dankbarer wir dem Herrn Verfasser für die gerechte Würdigung des dudenthums sind, desto weniger vermag diese durch einige Ausstellungen an Werth und Bedeutung verringert zu werden. Auf Seite ü4 spricht der sonst, so vorurtheilslose Herr Verfasser es aus: Pharisäer und Sadduciier hätten sich zum Tode Christi vereinigt. Das ist nun, mit Verlaub, ein historischer Irrthum. Die .luden haben wohl an den Messias und Gottmenschen Christus nicht geglaubt, 11. werden, bei aller Würdigung dieser historischen Persönlichkeit, an ihn niemals glauben. Die Juden glauben an Gott und sonst an kein W esen der \\ eit. Die Römer aber haben desnin gekreuzigt. Die auf Seite 4:1 angezogene Stelle aus dem Traktate Sopherim 15, 10: ״Hatob sehebeakiim liarog״ (den Besten unter den Götzendienern tödte), welche vom Verfasser geschickt auf die Zeit der Verfolgung Hadrian's angewendet wird. ist. wie es bis zur Kvidenz aus Tosaphotli (Abodah saraii 26a) hervorgeht, mit Caheg auf die Aegypter des Alterthums auszulegen, vor denen im Krieg(* Delien und Kigenthiiin nicht siche!• war. Die Wiener Talmud-Ausgabe (Jacob Schlossberg 1868) hat auch die Leseart שבמצריים (Aegypten für שבענוב (Götzendiener). Was nun die auf Seite 51 angeführte Lehre der Dreieinigkeit aus dem niuthmasslieh von Mose de Leon verfassten Sohar lietrifft. so hin ich der Ansicht, dass diese durchaus nicht im Sinne des christliehen Dogma's, sondern alst)nellpm1kt der spinnzistischen \\ eltweisheit von der Substanz und den Attributen des Gedankens und der Ausdehnung aiifzufassen ist. Die menschliche Individualität stammt aus der Substanz Gottes, der in die leibliche Hülle gesenkt hat den göttliciier Thathamllung fälligen Geist*). I •ie Arbeit ist sehr schätzens- und cmpfehlenswer! 11. populär gehalten und der weitesten Verbreitung würdig. Dr. X. Literarische Notiz. Aut' ilie Anträge in der Nr. 24. wesshalb die Gemeinde heim Soldussverse des Leclio-Dndi-Lie.'es sich umwandet, möchte ich Folgendes erwidern: Das Lied au die ״Sabbatli-Brunt" sehliessf hekaum lieh den Namen des Verfassers Salomo Halevi in der Form eines Akrostichons ein und halte wohl so in den Älteren Gehethilchcrn Aufnahme gefunden Der Schlussvcrs sramnit offenbar au״ einer spateren Zcir und möchte einmal zur Begrüs.sung der Landesheriiu gedichtet, von der Gemeinde gesungen und aus piatätsvolGr Erinnerung durch Anschluss an die Saldiath-l 'autare verewigt woiden sein. Dies wiire nun meiue Ansicht Uber das lithurgische laed dass aber die Gemeinde beim Recitirei. dieses Verses sich nmwandte. hatte darin seine Begründung, dass der Schlusssatz dadurch, dass er im (iebctbuclio ursprünglich nicht testirt war. nach aller Sitte, au. einer grossen Tafel au der Tlihre .־.ufgeschriehen ward, damit die Gemeinde ilm an jedem Freitag-Abend von du ablesen könne. So erklärt sich der Gehranch*), dass die Gemeinde sich auch noch heutzutage nach der Thiire zu uniwemlct. obsch.m der Veis jetzt in j-dem Gebetbuch bereits stehr. Diese Antwort isr nicht 11• 11. ich habe sie vor vielen Jahren in Löw'a . llen (’hanarjaii" gele-en So humoristibc.h sie auch erscheinen mag, so scheint sie mir denuoeli erwälinenswerih. Ich habe etwas Aehnliehes in ln chkonservativen Kreisen Prag's erzählen gehört. Dort haue jahrelang die Sitre bestanden, dass alle frommen Theilnehmer an der Prozession am Laiihhüttenfestein der Alt-Neu•• vnagoge in riefgebückter Haltung den Feststrauss trugen. Auf die Anfrage nach dem rituellen '.runde dieser Haltung, erhielt ein Wissbegieriger die Antwort, es wäre der hohe liabbi Löw s. A. auch so mit dem Lulaw gegangen. Nun war aber der Kubbi liocligewachsen und lullte befurchtet, die liiedrighängenden Lampen mit dem Lulaw zu streifen, wodurch diese׳ unbrauchbar hätte werden köuneu. So hat oft Gewohnheit und Nachahmung Sitten und ITisitten auch im svnagogalen Leben hervorgerufen. — Dr. N. ■׳. Bei der vom Herrn Verfasser vorgenomnieiieu Aufzahlung der talnmd'Sehen Traktate ׳S. 88 und :(41 möchte ich folgende (Übersetzungen Voranschlägen mir erlauben: '10|,07 ד::א; Pöbel. (Nichtvcrzchrtes Getreide, das vom Gesinnuugapöhel stammt 1. Makoth-Strafreeht. Horajoth-Entscheidiingen. Krirhoth-Todesstrafe (durch das himmlische Weltgericht). **1 Dies hat übrigen* Reinen Stützpunkt inJoseph Kara's lütual- Codex Druck ('Itnjiiu Absih 2(12, :( und Commentar Beer heteb Absatz wo vom Empfang der ״Sabbath-Brnut“ die Rede ist. Vorauf worrl. l!׳ola« t.oir Dr. Kuhmcr. Magdeburg. Drink Friedrich Ka«cl1e 'V. Magdeburg. Verlag Kob. Friese. Leipzig.

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