Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 25. (16.6.1893)
- Date
- 1893-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XXII. Jahrg .25 ״«. 11'* Zur Beleuchtung a‘1er Jufifrthjm und :•jden betretfenden!ייזו1:>18זגז€!!ו Erschei* nunqen aul denn 6ebiete der Pr:'?sophie. Geschichte. Ethnographie. Theologie. Or»en- «aha. Exeqess*. Homiletik. Liturqik. und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Ralnner. Magdeburg, den 16. Juni 1893. Bdchcr dereinschläqtgen Littcratur. welche der Redaktion zugesandt werden,!Inden m diesem Blatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt einmalige kurze Grat! s-Insertion. D;1' ,..1 iitli^cli•׳ Uteratur-Blalt•• erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen in Leipzig bei Hob.■זח Kries■•1. <<!׳! ׳ alirgang א ■Mark. Abonnenten der ..Israelitischen Wochenschrift", die vierteljährlich bei ח pci.ran'taltt-n und Bnehhandlungen :1 Mark zahlen, erhalten das ,.Jüdische l.iteratur-Blatt" gratis. Inserate werden mit 2׳.'» PI', für die gespaltene Petitzeile. Beilagen mit, 20 Mark berechnet, und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler und Lehrer, welche dire׳ t oder durch Robert Friese Inserate einseuden. erhalten 2.1 ״/״ Rabatt. Ini1a.lt: V>" is s eiiscbaft liehe Aufsätze: Renan über die grieehiselie liibelübef'ptzmig. — Kin neues Suffix v. B. Königsberger. Literatnrberieht. Recen-Jnnen: Schwarzfeld, M., Aimar jientr« israeliti. eil 1m *11]׳li1nem calendaristie jie amd 5t>53 1S02-1H03. Von Dr. lhivsn. — Die Bekämpfung der Sozialflenmkratie diireli den ,)iiil. Religionsunterricht. Von H. Renss, Neustadtgödens Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Renan über die griechische Bibelübersetzung. / Als Renan starb, war bekanntlich die Vollendung seines Lebenswerkes, die Geschichte der Urantange des Christenthums, gesichert. Von der letzten Abtheilung der Geschichte des Volkes Israel, waren bereits drei Bände ausgegeben: die übrigen zwei waren int Manuskript• fertig. Der eine, der vierte Band, ist soeben erschienen*!; der fünfte wird ihm bald nachfolgen. Hass Renan tot ist, sieht man nur daran, dass dem Bande die übliche Vorrede fehlt, in der der Verfasser einen l'eherblick über den Inhalt des Bandes zu geben und ein paar interessante Betrachtungen daran zu knüpfen pflegte, die. in dem Bande selbst nicht gut ihren l'latz linden konnten. Mehrere dieser Vorreden zählen zu den! Feinsten, was Renan geschrieben hat. Der vorliegende. Band schliesst sich eng an den dritten an, in welchem Renan ein so ergreifendes Bild vom Kampf zwischen dem patriotischen und dem prophetisdien Element gezeichnet hat. Dieser Kampf rieb Israel innerlich auf und musste uothwendig zu dem Ergebniss führen, das er in der ׳]'hat hatte: die Fremdherrschaft. Aber das Prophetenthum hatte gesiegt, und darum erwuchs dem Volke Israel, als es seine nationale Selbstständigkeit verlor, eine geistige Aufgabe: die Aufrechthaltung und Verbreitung der Idee eines Reichs der Gerechtigkeit. Diese Idee nahm Israel mit in die Gelüngenschaft, befestigte sie dort und nahm sie wieder mit in die Heimath. Der Wiederaufbau des Tempels vollzog sich unter dem wohlwollenden Auge der den Heimkehrenden vom Hof von Susa gegebenen Gouverneure, fast lauter Leviteii, die natürlich gegen Israel weder Hass, noch Misstrauen hegten. Der wiedererstehende Tempel versprach ihnen das Widererstehen der Opfer. Alles war auf dem Wege. Die Erinnerung an David und seinen Stamm verwischte sich. Zerubabel, der diesem Stamm angehörte, verschwand, ohne den damaligen Juden mehr gewesen zu sein, als den zeitgenössischen Franzosen der Graf von Chambord. Nach dem Tempel wurden die Mauern Jerusalems gebaut, unter der Leitung von N’ehemias, der *) Paris 18H3. Caltnan, Lew. niiteur. persischer Beamter, aber von Religion Jude war. Das jüdische Lehen, jedes nationalen Elements beraubt, •strebte in seiner Entwickelung eine rein religiöse, lein ritualistische Einrichtung zu werden. Allmählich schloss die Thora das jüdische Leben in eine Reihe von Praktiken ein, die bis in die geringfügigsten Einzelheiten vorgeschrieben und geregelt waren. Wir können Renan nicht ausführlich in der Dar- Stellung dieses Entwickelungsganges folgen. Wir heben aus dem zweiten Theil des vorliegenden Bandes das interessanteKapitcl heraus, das von der sogen. ״Septuaginfa1׳, der griechischen Uebersetzung der heiligen Schriften, handelt. Renan schreibt darüber: ״Der Gebrauch der hebräischen Sprache verlor sich in der jüdischen Gemeinde von Alexandrien sehr. Das Lesen des Gesetzes in der Ursprache wurde schwierig und wenig erspriesslich. Das Griechische war die Sprache der Kolonie, und wurde eitrig gelernt. Es war unvermeidlich, dass eine Uebersetzung allgefertigt wurde, und diese bedeutsame Arbeit scheint in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts v. Clir. vollzogen worden zu sein. Die hebräische Sprache war noch nicht wie später der Gegenstand einer abergläubischen Verehrung, kein Bedenken hielt die Uebersetzer zurück und sie glaubten kein kühnes Werk zu verrichten. Die Einheit des Stils lässt vermuten, dass der Pentateuch von einem einzigen Uebersetzer stammt. Die Sprache ist der gemeine griechische Dialekt , wie er nach der Eroberung Alexandriens im ganzen Orient sich verbreitete. Eine Reiiie von Besonderheiten sind egyptisch und würden den Ursprungsort des Werkes verrathen, wenn man ihn sonst nicht ktn;:en würde. Die Idee, dass Moses der Urheber der ganzen Thora sei, hatte das alte Buch der heiligen Schriften sehr verkürzt. Bei ihrer letzten Verwandlung hatte die Kaul- <1uappe den Schwanz verloren. Es war unannehmbar, dass Moses auch das Bucli Josua geschrieben habe. Mau schloss also die Thora mit den Zusätzen ah, die früher dem Codex des Josias beigefügt waren. Der Uebersetzer gab den fünf einzelnen Stücken, in welche die Thora get heilt, war, l'eberschrifteii; er bezeichnete sie mit griechischen Worten und nannte das ganze Pentat euch, d. i. die fünf Bände. Diese fünf kleinen Bände wurden die Unterlage der Vorlesungen in den Synagogen. Bald verehrte man sie wie das Original. Philologie und Kritik waren nicht. Sache des Alterthums. Eine Lebersetzung zu dem Zwecke, den wirkliehen Gedanken der Urschrift widerzugeben, passte nicht in jene Zeit. Dazu hätte man das Original griindlieh verstehen müssen, aber dieses Verständnis* war damals unmöglich. Eine Menge Stellen, namentlich in den poetischen und prophetischen Büchern, waren zweitel-