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Das jüdische Literaturblatt · 1893-06-02 · N° 23. (2.6.1893) · p. Seite 90

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 23. (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
Seite 90 (sequence 4)
Language
German
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enthaltenden Anmerkungen herausgegeben, von dem Kunststiicke eingeleitet, das in reinem biblischem Hebräisch es unternimmt, ohne Zuhilfenahme späteren Sprachguts den Stand der Raschbaniforschuiig darzulegen. Wie eine Musterwiitliseliaft im Eeberblick die Stufe zeigt, auf die der Ackerbau in einem ganzen Lande erhoben werden müsste, um den I lodenreicht hum aufznschliessen und liervorzulocken, so liefert diese. Arbeit wie an einer Probe dessen, was unsere mittelalterliche Literatur von einer wahrhaften Anwendung philologischer Wissensehaftlidikeit. zu erwarten hat. Dass in diesen der Geschichte der Exegese gewidnieten Studien aber nicht bloss der Text der alten Erkläret• Sichtung und Säuberung erfahren, dass vielmehr auch das Yerständniss des Bibelwortes selber schätzbare Bereicherung und manch' köstlichen Aufsschluss gewonnen hat. das zeigten 1884 die ״Beiträge zur Bibelexegese“, mit denen Kosin an seinem Tlteile an der Jubelschrift zu Zunz'ens 90. Geburtstage roitgearbeitet hat. Seit 1885 sehen wir die literarischen Hervorliringütigen Rnsin’s einem neuen Gebiete zugewendet, unserer mittelalterlichen hebräischen Poesie, •letzt liegt der erste Band dieser Arbeiten bereits vereinigt unter dem Titel vor: ,.Keime und Gedichte des Abraham lim Esra, gesichtet und gesammelt, übersetzt, und erläutert“. Wie im B011c|11et dos Weines alle Segnungen und Vorzüge seiner Heimath. seines Bodens und seiner Sonne, sich in abgeklärtem Dufte vereinigen, so sehweht über dieser Leistung ein Hauch der Vollendung, wie ihn nur die Vereinigung der seltenen Eigenschaften ihres Erhebers bewirken können. Eine Hingebung an das Dichterwort., die aus den entlegensten handschriftlichen Quellen ihr .Material sicli zurüstet, so!•ein und fertig, dass es alle Kennzeichen echter Provenienz, unzweifelhafter Alistanimuug aus Ihn Esra's (leiste gewährt, eine Meisterschaff, iu der Erkläntng, mau möchte sagen Aufsaugung mittelalterlicher hebräischer Poesie, die in ihrer eigenen Schule gewachsen und gereift ist. eine erschöpfende Kenntniss des Gegenstandes, des Hintergrundes, des .Milieus seines Poetelt, eine allen Sehwietigkeiten freudig entgegenkommende bildnerisehe Kraft lind Sehneidigkeit im Lebersetzen. vor Allem aber eine bemerkenswerthe Kunst in der Handhabung aller deutschen Yersarten. gehoben und geadelt von echter dichterischer Nachemplimlmig, das sind so einige von den Eigenschaften, die an diesem herrlichen Buche haben schatten und weben helfen. An schulendem Wert he, an vorbildartiger Bedeutung können sieh wenige der Hervorhringungen unserer Literatur mit dem Werke messen, in dem Dis jetzt die aiissergottesdienstliehe Poesie Ahraham Ihn Esra's. ebenso blank im Texte, wie in der l'ebersetzuug verliert, Oii es wahr ist, dass der Stil der Mensch ist. darüber lässt sich streiten. Dass aber im Stil, im t'haracier des Gelehrten der Menseh sich ottenhart, darüber kann unter Eingeweihten kein Zweifel bestellen. In ganz hervorragendem Grade trifft dies hei Kosin zu, dessen literarisches Charakterbild init dem des Menschen in ihm sich vollkommen deckt. Festigkeit, Zuverlässigkeit. Treue. Sel11icl1tl1e.it, Wahrheitsliebe — und wie könnte ich midi so arm machen, die verehrte Liehrgestalt des trefflichen Mannes ihrer Eigenschaften tüftelnd und zerlegend zu entkleiden! — alle, die, .Mannestugenden, die Jeder erkennt und schätzt, der jemals verständnissvoll dein seltenen Manne sicli genähert hat. sie linden sieh alle in seinem literarischen Schatten wieder, /um Spreche» ähnlich 11ml ausdrucksvoll. Da ist kein Prunken und Sdicinenwollen. nirgends eine ],ose, überall eine Geradheit, und Sachlichkeit, die nur die Wahrheit, sucht, an diese aber ganz und ohne Rückhalt sicli hingiebt, eine Zuverlässigkeit, die jede Prüfung aushält, eine Festigkeif und Treue in der Führung, die jedes Vertrauen rechtfertigt Eine Wissenschaft voll Tugenden kann, da alle Tugend vom Tangen herkommt, in ihren Ergehnissen nur Tüchtiges, nur Bleibendes zu Tage fördern. Eine mehr intensive als extensive Art zu schaffen hat in die Leistungen Kosin's eine Summe fruchtbarer Arbeit hineingelegt, die sie, in einem modernen Bilde zu reden, zu Accumulatoren, zu Kraft<1uellen ihres Faches macht, Bei einem so vollkommen, dem Lehren und Lernen, dem Wissen und der Wissenschaft gewidmeten Leben kann der 70. Geburtstag nur die Bedeutung eines Festes haben, das die Liebe und Vereinung von Schülern und Freunden mehr sich selber und ihrem Dankesbedürfniss eingesetzt hat: er kann kein Tag blosser Erinnerung und l.eberschau sein, der von Rast und Abstieg spräche. Wo so viel Arbeiten über sich selbst liinausweisen und nach Fortsetzung rufen, gilt es von ferneren Hotthungen, von Erwartungen und Yerheissuugen, von Zukunft und Aufstieg zu reden, von glücklicher Bergfahrt zu neuen Zielen, zu steileren Hochpunkten! Haben wir doch aufrichtend und ermiithigend das Wort, der Alten für uns. dass das Alter dem Gelehrten die Klärung des Geistes bringe, ein Keifen, kein Welken, Entwickelung, niclil Rückbildung! Literarische Anzeigen. Stiftung tu. Preisausschreibungen. Das 1'omite der von Dr. Jacob Kappa port zum Andenken an seinen Vater Dr. Moriz Rappaport erricliteten Stiftung veröffentlicht hiermit folgende Preis• frage zur Lösung: ״Einfluss Spinoza’s auf deutsche Denker und Dichter.4‘ Die Preisselirift soll nicht bloss den bereits ausgeübten und noch fortwirkenden Einttuss S p i n o z a's auf deutsche Denker nnd Dichter auf Grund der eigenen Forschungen des Verfassers nachweisen, sondern auch die Ansichten von Schriftstellern in den letzten zwei Jahrhunderten über diesen Punkt den Lesern mittheilen. Als Preissuinme für die beste Schrift wurden fi. 1000 — Eintausend Gulden ö. W. bestimmt. Diejenigen Herren, welche um diesen Preis zu concnrriren beabsichtigen, werden ersucht, die Preisschritt bis längstens!11. Dezember 1HÖ4, Mittags 12 Ulir, an das S e e 1׳ e t a r i a t der israelitischen t ultusgemeinde in Wien, I Seitenstettergasse N'o. 4 ohne N'ameiisfertigung mit einem Motto versehen, einzusenden, und in einem Couvert, welches dasselbe Motto trägt, versiegelt Namen und Adresse anzugebeii. wobei bemerkt wird, dass stiftbriefgem GSS dem Autor das Rei ht des Eigeiithums bleibt, dass jedoch die Pnblizimng der Preisschrift, falls dieselbe vom Autor nicht voranlasst wird, von dem Vorstände der Wiener israelitischen ('ultusgemeinde über Vorschlag des Unterzeichneten t'omites vorgenonnneii werden kann. Wien, am IN. Mai 189:1. Das Coite ier Dr. fflam Rappaport-Slii. Vt r;111t«1״tl. lie'buteur I>r. Kahmei׳, Jlagilelmr״. Pruck Friedlich Kasche & י'!*., Magdeburg. Verlag liob.!•'riese, Leipzig•.

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