Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 23. (2.6.1893)
- Date
- 1893-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XXII. Jahrg M 23 Das J üdisdieLiteraturbl att Zur Beleuchtung *Iler Judenthum und Juden betreffenden litterarischen Erschei• mingen auf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte. Ethnographie. Theologie. Orien• talia. Exegesse. Homiletik. Liturgik, und Pldagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Moritz!lahmer. Magdeburg, den 2. Juni 1893. Bücher der einschtlgigen Littet atu r ,welche der Redaktion zugesandt werden. Anden in diesem Blatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis •Insertion. Das ״Jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungren lin Leipzig bei Robert!•’riest־) pio •1 ahrgang 8 Mark. Abonnenten der .,Israelitischen Wochenschrift.“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen S Mark zahlen, erhalten das ,..indische Literatur-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile. Beilagen mit 20 Mark berechnet, und sind an die Expedition dieses Blattes zu senilen. Buchhändler und Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 °/0 Rabatt. Irxlxa.lt: Dr. David Rosin. Zn seinem 70. Geburtstage, den 27. Mai 1893. Von Professor Dr. David Kaufmann in Budapest. Preisausschreiben: Der Eintiuss Spiuoza’s auf deutsche Denker und Dichter. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatie ist nicht gestattet. Dr. David Rosin. Zn seinem 7«. «ebarlslag. - Von Prof. Dr. Itatid Kanfnmin in Budapest. In dem eisernen Fonds neuer Institutionen, in denen das .)udenthum bei seinem Uebergange aus der Enge des Glietto’s in die Freiheit, der neueren Zeit seine Lebensfühigkeit bekundet und gehoben bat, stehen die Rabbiner-Seminarien obenan. Raid wird der Zeitpunkt gekommen sein, in dem eine zusammenfassende Betrachtung den Verdiensten wird gewidmet werden müssen, welche diese Pflanzstätten jüdischen Lebens und Wissens sich erworben haben. Dann wird wieder einmal in rückwärts gewandtem Gesichte der Geschichtsschreiber der alten Wahrheit inne werden, wie der Geist sich den Leib erschafft, wie das geschichtliche Leben unserer Gemeinsehatt in immer wechselnden Gestalten zum Ausdruck gelangt, und wie liier allgemach und unmerklicli Centren unserer Lebenskraft und unseres geschichtlichen Fortbestandes sich gebildet haben, die das werthvollste Vermächtnis* der Vergangenheit und die fruchtbarste Gewähr der Zukunft, in sich enthalten. Wunderbar und einer besonderen Retrachtung wiirdig ist die Förderung, die nebenher in diesen Rurgen unseres Glaubens die Wissenschaft des .Indeiitlmms gefanden hat. Immer noch nicht universitätsfahig. immer noch allein unter ihren Schwestern ohne Staatshilfe und ohne schützendes Obdach, hat sie in den Rabbinerschulen Heimstätten für sieh erstehen sehen, die der bescheidenen Zeltenbewohnerin gleich Palästen dünken mussten. Fliedern der kargen Müsse in Amt und Leben arg mitgenommener Männer anvertraut, verfügt sie da aut einmal über einen Stab von Arbeitern, die von Gemeinschaftswegen in den Stand gesetzt sind, willig und freudig ihr das Leben zu widmen. Wenn in dem Wettstreit der Wissensclmlten die unsere kühn es mit den übrigen atifnehmen kann, so gebührt das glänzendste l'apitel in der Geschichte dieser Restrebungen und Leistungen der Arbeit, die in den letzten Jahrzehnten von unseren Semiuarien beigestellt wurde. Nur nebenher, sage ich, hat sich das herausgebildet, wie ein Segen, wie ein Gotteslohn, der sielt von selber einstellt, gar nicht in der Absicht oder in der Vorhersehung der Stiftenden gelegen. Wie Titan des Himmels hat sich da auf die Anpflanzungen des praktischen Lebens diese ideale Segnung herabgesenkt; über die ursprüngliche Bestimmung hinauswaclisend, hat sich auch da wie so oft in menschlichen Schöpfungen das Werk grösser und weiser als der Meister erwiesen, von der unsichtbaren Gnadenhand der Vorsehung geleitet, die oft gegen den Willen der Erbauer im fertigen Rau ihren Pfleglingen das bergende. Nest bereitet. I'11 willkürlich hat die Huldigung für einen verehrten Seminarlehrer und Meister jüdischer Wissenschaft, dessen siebzigste Geburtstagsfeier der 27. Mai herautgefnhrt, zu diesem Ausbruch des Dankgefühles gegen die grosse Institution der Rabbinerbildungsanstalteu uns hingeleitet, deren Aufrichtung heute bereits zu den ständigen For- : derungen dev Entwickelung und zu den edelsten Aspirationell in der Judenheit der verschiedensten Länder gehört.. Bald werden zehn Anstalten in der alten und der neuen Welt von dem unaufhaltsamen Siegeszuge I dieser Einrichtung über die ganze Erde verkünden, aber immer wird sielt der dankbare Blick des geschichtskundigen Betrachters nach dem stillen Hause in der Wallstrasse vonBreslau zurückwemlcn, wo der führende Geist Zacharias Frankels zum erstenmalc eigentlieh das Vorbild und das stolzeste Muster dieser Pflanzstiitten erschuf. Kaum ist aber auch der Entwickelungsgaitg und die Wirksamkeit eines Mannes geeigneter, die Bedeutung der Semiuarien in unserer Mitte zu beleuchten, als dies bei Dr. David Rosin der Fall ist. dessen gesegnete Thätigkeit, am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau in die Tage zurückleitet, da noch Frankels Geist, persönlich über seiner Schöpfung waltete und di•■ Männer noch ihn umgaben, die mit ihm zugleich bei der Fntstelmng der Anstalt an ihr zu wirken waren berufen worden. Ros in ist noch einer der Glücklichen in Deutsch- . land, die durch die reine talnuidische Kost, hindurch-! gegangen sind, bevor sie zu der gemischten unserer modernen Bildung den Weg gefunden haben, und die daher in ihrem geistigen Gepräge noch eine Individualität aufweisen. Man mag unsere heutige Zeit darob preisen, dass sie nicht mein׳ jedem Jüngling unter uns das Problem stellt, seine Hrziehung und Ansbildung in hartem und gefahrvollem Kampfe sieh selber zu erringen, mail mag den frechen Spott gegen die Fabrik wann* abwehren, der es erspart, geblieben ist. die beste Kraft und Zeit, in tastenden Versuchen aufzuzehren, aber man wird : darum bekennen müssen, dass die beste Vorbereitung j für den rabbinisrhen Beruf nicht blos, sondern für jüdisches Wissen überhaupt jene für eine Zeitlang ans-; schliessende. Beschäftigung der Juden mit dem alten Sehriftthinn gewesen ist. die Muse Main!uni lind