Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 14-15. (1.4.1893)
- Date
- 1893-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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•m 1415 Jüdisches mw״«. Litteratur-Blatt. Iw BdHrMui •Um Jntnlt» aad /•dt» Mribidw lltttrarlwlm Ei* •r)1tlu«»1rt« 1»f dm Ciblft« dtr P11II0• ■opklt, Otnrhltlitc, Ethaographl», Theo- 10*1 •, OrltnUII•» Kargt••. Homiletik, i. Litargtk ». Pidagogtt. Heraasgegeben VOÖ Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 3et* 1. £JptvC, 1893, Bicher dar •laMhIlgUM UUoratar, waleka dtr Badaetloa aa*M«adt werde», flada» (a die••■ Blatt» rlagrhtnd« Beepreekeaf Bai EfaMadaag TO■ a w I Bett■•)•••• Bxmplaraa erfolgt •laiaalig• karat וגי flratta-Iamtloa• Das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis hei allen Bachhandlungent n Leipzig bei Robert Friese pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift■4 die vierteljährlich bei allen Fostanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 86 Pf. für die gespaltene Peiitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expelicioa dieses Blattes za senden. BuchhSndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenlen, erailt י n 25 ן( Rabatt. Inhalt: Wissenschaft liehe Aufsätze: Juden bei der Erwerbung Tirols. Nach Ori 'inalurkuudeu der k. k. österr Archive in Wie . Von S. Schwoiubur ,-Ei*enschitz. — Zar modernen Pentateuchkritik. IV. Von B. Königsberger. Keiiscl rift in Bibel und Talmud Von Rabbiner Dr. M. Hoffmann ־ Der Gaon von Wilna als talmudischer Forscher. Von Dr. S. Na sc hör. Li tteratnrberi011t: Recension: Bannes, Dr. L., Dos Averruös Abhandlung ״lieber die Möglichkeit der Conjuuetion etc. Litterarische Notizen. — Anzeigen. UnbefuQter Nachdruck aus diesem Blatte 18t nicht gestattet. Juden bei der Erwerbung Tyrols. Nach Originalurkunden der k. k. öst. Archlr« in Wien. Von S. Schweinbarg-Eibenschitz. Herzog Rudolf IV. hatte bei der Erwerbung Tirols weder rauchloses Pulver, noch eine tüchtige, schlagfertige Armee zur Verfügung. Ein kluger Kanzler in Verbindung mit mehreren jüdischen Hofgawersehen bewirkten bei den damaligen Machthabern Tirols mehr als alle Soldaten der Welt. Die Ehescheidung und Neuvermählung der Markgräfin Margarethe von Tirol förderte solche Zerwürfnisse zu Tage, dass nioht weniger als drei mächtige Fürstenhäuser um die Gunst der Tiroler werben konnten. Die Luxemburger und Wittelsbacher wetteiferten da mit den Habsbürgern um den Vorrang. Der Domherr Johann von Brixen, der mächtige und einflussreiche Rath Herzog Albrechts, beobachtete stillschweigend das zügellose Treiben dar verschwenderischen and leicht• sinnigen Markgräfin von Tirol. — Er setzte daher im Vertrauen auf die Machtstellung des Brixeuer Bisthums alle Hebel in Bewegung, um 80 rasch als möglich das Haus Habsburg in Tirol zur Herrschaft zu bringen. Den unermüdlichen Bemühungen des Hofkaplans Johana ist es auch zu dankeD, dass die sonst unverlässliche Markgräfin dem Hause Habsburg treu blieb. Herzog Rudolf IV. belohnte die diplo• matischen Kunststücke seines Hofkaplans mit der Verleihung des Bisthums Gurk und Brixen und er* nannte den Bischof Johann zum Kanzler und Geheimx&th seines Hofes. Die sonst sehr misstrauische Markgiäfin fand es aber sogar für selbstverständlich, dass der berühmte Kanzler Rudolf IV. ihr und dem Grafen Meinhard als Beirath zugetbeilt wurde; denn er vertheidigte ja das Laad vor mneren und äusseren. Feinden, die damals in Tirol wie Pilze aus der Erde hervorkamen. Nach dem Tode des Grafen Meinhard iess man die lebenslustige Markgräfin noch 13 ganze i Tage in Tirol regieren, eine kurze Spaune Zeit, in j der die ausschweifende Margarethe fast das ganze Land an ihre Günstlinge verschenkt hätte, weau nioht rechtzeitig ihre Absetzung und Verzichtloistung durohgeführt worden wäre. Am 26. Jänner 1363 wurde ' diese Urkunde ausgestellt, aber erst au! 29. Sept. 1363 ' konnte die lebenslustige, alternde Margarethe naoh! Wien expedirt werden, wo sie von jetzt angetangen in aller Seelenruhe schulden- und -orgeutrei ihre Jabrespensiou von 6000 Berner Goldguldea verjubelte. Die vielfach noch vorüaudeuen Urkunden und Rechnungen des Kanzlers Bischof Johaun führen uns das damalige Geld- und Finanzwesen in interessanten Bildern vor. Der Kanzler Rudolf des IV. war als Finanzmann ebenso glüoklich und vorsichtig, wie er es als Diplomat und Staatsmann zu sein beliebte. Als Berather des Grafeu Meinhard und seiner R'gierung schloss er grossartige Vertrage mit den Edelleuten und Heerführern der Nachbarländer ab. Vom äussersten Ende Steiermarks bis hinauf zum Rhein gab es nur wenige Grafen, Ritter und Edelherren, die nicht mit ihren Reisigen im Solde des österreichischen Kanzlers gestanden hätten. Die vielen Kämpfe um and in Tirol verschlangen aber ungeheuere Gelesummeu. Die Jahresreute der Markgräüu Margarethe, die immer grösser werdenden Forderungen der Miethstruppen und die sonstigen diplomatischen Arbeiten braohten den sonst sehr energischen Kanzler gar oft in arge Geldverlegenheiten. Er nahm deshalb Darlehen auf, wo er sie finden konnte. Bauern, Gastwirthe, Juden und die hervorrageudsten Edelherren figuriren auf seinen Rechnungen und Urkunden mit sehr namhaften Beiträgen als Gläubiger. Ein Darlehen war aber im Mittelalter mit vielen geriohtliohen Formtlitäten verbanden. Die Zeugen, Siegler, der Urkandenanssteller und die Geriohtspersonen mussten separat für ihre Wirksamkeit entschädigt werden. Der kluge und pfiffige Bisohof kannte auoh die Geld- und Zinsverbote der Kirohe. Er sobuf daher in Oesterreich eine eigenthümliohe Institution, die weder kirchlichen, nooh weitliohea Chikanen ausgesetzt war. Es siud dies die sogeuaunt. Normen für die ״Gawersohen“, Geldwechsler und Bankiers, die alle erdenklichen Geldgeschäfte für den Staat, für das Land und für Private zu übernehmen hatten und für ihre Bemühungen Verzage• und Conventionalzinsen an rechnen, durften, falls der Schuldner das Darlehen nioht am festgesetztenZahlungstermine retournirte. Die über den Abschluss des Geschäftes ausgestellte Urkunde bildete aber mit der