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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-03-17 · N° 12. (17.3.1893) · p. Seite 48

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 12. (17.3.1893)
Date
1893-03-17
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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.י— 48 Bit allein in dieser Rom. Kaiserl. und Königl. Stadt Prag, unter uns Juden allda, sondern auch in Pohlen, und allen anderen Orten mehr den 100, da mehrs• theils Juden gesessen, erhalten wird, und anderstens auch wieder unsere der jüdischen Oeremonien, die Oesätz Moysis und alle Jüdischen Recht wahren, also haben wir ein Solohes unter unserem gewöhnlichen Amtssiegel und Unterschrift verfertiget und hiermit urkhunden wollen. Weliches besohehen, in Prag den Tag nach Bartholomäi, stilo Nowo (25. August) 1610. נאום ירויתיאל נקרא קפמן בל אבי עורי םנל ו״ל, סופר דקק פראג בפקוד׳ הקציני• ראש״י טובים י״ש: d. h. Jekutiel, genannt Kaufmann der Sohn des (Verfassers vom Buche) AwiEsri, vom Stamme Levi, 8. A Secretär der heiligen Gemeinde Prag. Im Aufträge der vornehmen Vorsteher (die Gott beschützen möge). נאום משה בן החס־ ל יצחק וצל סופר לקק פראג: d. h. Moses Sohn des R. Jizchak 8. A. (2.?) Secretär der heilig. Gemeinde Prag.1) Litteratur bericht. Recensionen. Anerbach, B. H. Dr. תורת אמת, Lehibuch der israel. Religion tür höhere Lehranstalten und zur Selbstbelehrung Giwachsener nach den (Quellen bearbeitet. Dritte Auflage neu bearbeitet von Dr. Sg. Auerbach. Giessen. Verlag von Emil Roth. 1893. Es kaDn der Orthodoxie der Vorwurf nicht erspart werden, dass sie bei dem sonst so regen Eifer in der Verfechtung ihrer religiösen Anschauungen der Verbreitung dies besonders vom orthodoxen Standpunkt aus als ganz vorzüglich zu bezeichnenden Religionsbuches von Auerbach ein interesseloses Verhalten gezeigt bat, was wohl zum Theil darin begründet ist, dass trüher in jenen Kreisen der systematische Religionsunterricht nur geringe Anhänger fand.*) Aber im Laufeder Jahre haben ihreVertreterden veränderten Zeitverhältnissen Rechnung getragen und so wollen wiv sehen, wieweit es ihnen gelingt, dem genannten Religionsbuch Weiterverbreituug zu verschaffen. Hat doch das Herxheimer’sche trotz oder wegen seiner ״neologen“ Tendenz bisher über 30 Auflagen erlebt, während das Auerbacb’sche, vor 54 Jahren zuerst erschienen, jetzt erst in seiner 3. Auflage uns vorliegt, obwohl wir nicht anstehen zu erklären, dass wir, was di! ganze Anlage und die Durchdringung des Lehrstotles betrifft, dem Auerbach’schen bei weitem den Vorzug geben. So halten wir auch die didaktische Lehrform bei A. für puedagcgisch richtiger als die katechetischc bei H. Einem erfolgrennen!Mitbewerb steht nur der Umstand entgegen, dass das Cciamouielle, wenn es auch giösstentheils in das Unterhaus der ״Noten“ verwiesen ist, doch noch einen etwas zu breiten Raum entnimmt, denMittelpuukt unseres religiösen Lehrens u. Lebens, dicEthik, verdunkelt und dadurch zuirttbümlichen Auffassungen verleiten kann.**) Wer die gegenwärtige Zeit mit ihren unabweisbe 1111 Forderungen begreilt, muss das ,עול מצור zu erleichtern und nicht zu erschweren snehen; gerade in unsern Tagen ist 111 Bezug aut den Umfang unserer Ceremonialgesetze das Wort am Platze: ״!וחי בהמ ולא שימות בהםleben sollst du durch sie — nicht sterben“. Da waren die alten Weisen doch gelänterterer Anschauung, als ihre Epigonen, indem sie, das reme Judenthum darstellend, die 613 Ge- und Veibote aut eine be- ') Im Gemeiiidesiegel beliude: sich ein Mögen Dowid, in dessen Mitte eine Levitenkaune und in den Ecken die Buchstaben 2 מ ,1 ,ד ק ק als Abbreviaturen : für מושב וקנים לקק פלא" * b>er Rath (Sitz) der Eltisten der heilig. Gemeinde lhag. *) Ilat doch noch jungst ein Rabbiner dieser liichtuug »•!!>.alt, dass er ein rystematisches Religion .buch für überflüssig nulte, die Schill! 1 sollt! 11 Ke.igiiii aus den l.eluuisciien t^ eilen leinen. )Red.; , **) liier hat der gesell. Herr Kecousent etwas zu ״schwarz“ 1 gi sehen, wir timleri 111 diesem Buch auch das Et bische unserer R״iigion ausreichend und gut behandelt. (Red.) deutend geringere Anzahl herabsetzten. Man könnte diese Auffassung auch aus dem vorliegenden Lehrbuch — sicherlich ohne Absicht des Herausgebers — dedneiren. Bei der Behandlung des 2. Gebotes z. B. heisst es Seite 58 Note 1: ״Des Israeliten Pflicht ist es, zur Vernichtung des Götzendienstes auf alle Art und Weise beizutragen. Hier werden nun unter a bis n die verschiedensten Vorschriften gegen Götzendienst autgezählt, u. a. aber auch unter 1.: ״Wedor das Haar der Schläfen noch das Barthaar mit dem Scheermesser abzunehmen“, unter m: ,,kein Schaatnes zu tragen“, unter n: ״Fleisch und Milch nicht zusammenzukochen“. Nun könnte mit vollem Rechte gescblnssfolgert werden, dass, davon einer״Vernichtnng desGötzendienstes“ in der Gegenwart nicht die Rede sein kann, nach dem Grundsatze cessante causa cessat efiiactus, auch die aufgetührten Vjkschritten ausser Kurs gesetzt werden könnten!! Auf Seite*1 Note 1 kaDn auch das Citat aus More 3,2V zu irriger Auffassung Anlass geben: ״Da jedoch kein Gesetz der heiligen Lehre der wahren Vernunft widerspricht, so sagen wir mit Recht, die Lehre Gottes entspricht der Vernunft, da die meisten Gesetze ihr entsprechen und keines eich findet, das man tür vernunftwidrig oder nachtheilig erklären könnte.“ Trotz unserer Ausstellungen müssen wir sagen, dass das Lehrbuch in der Hand eines Lehrers im Stande ist, erfolgreich aut Geist und Herz der Schüler einzuwirken ob es aber seiner scharf ausgesprochenen religiösen Tendenz nach in den weitesten Kreisen sich Bürgerrecht verschaffen wird, ist doch sehr fraglich. Die Ausstattung ist, das sei beim Schulbuch besonders hervorgehoben, eine vorzügliche■ M. Sp. Bamberger, Nathan. Distriktsrabbiner. Leitfaden tür den Religionsunterricht in der israelitischen Schule. 2. Auflage 1892. Kommissions-Verlag von J. Kaiitfmanu, Frankfurt a. M. Der vorliegende Leitfaden, vorzugsweise für jüdische Volksschulen bestimmt, athmet ebenfalls, dem Standpunkt des Vertassers entsprechend, den Geist strengster Orthodoxie. Es darf darum nichtWnnder nehmen, wenn bei Behandlung des 2. Gobotes (S. 6) als verboten hingestellt wird: ״Eine Bildsäule, welche das menschliche Angesicht in erhabener Arbeit zeigt, auch nur als Gegenstand des Schmuckes auizustellen.“ Seite 46 wird sogar in den Kap. ״von den Pflichten gegen uns selbst“ in die Beantwortung der ganz allgemeinen Frage: ״Was heisst zweckmässige Kleidung und Wohnung?“ das Schaatnes-Verbot hineingezogen. Die Uebersetzung der Worte ואין ל1 שום דמיון כלל im 3. Glaubensartikel mit: ״dass Er Seinesgleichen 11 ich‘ hat“, ist nicht genau, es muss vielmehr heissen: ״dass er gar keine Gestalt, oder: m't nichts Aehnlicbkeit hat“. — S. 20 wird das mündliche Gesetz in Mischna und Talmud eingetheilt, riehtiger ist doch wohl die Bezeichnung Mischna und Gemara; diese geben zusammen den Talmud. Daselbst ist die Erklärung, dass das mündliche Gesetz ״mündlich von Gott an Mose initgetheilt wurde“ eine nicht richtige Wiedergabe des Begriffes Inspiration, der nichts weiter bedeutet, als vom göttlichen Geiste eingegeben. Die bekannte Legende von dem Krüglein reinen Oels darf doch wohl nicht als geschichtliches Faktum hingestellt werden. Wir erwähnen nur noch, dass in einem Anhauge einige deutsche Sprüche, Gedichte uud Schulgebete sich befinden. Das ganze Büchlein ist schliesslich doch ein Beweis dafür, dass auch in den orthodoxesten Kreisen das Bewusstsein von der Nothwendigkeit eines systematischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache erwacht ist. M. Sp. Litterarische Notizen. Exegetisches L'uriosam. In Th. Kroner’s ״Gebetuud Religions-Buch“, das, wie der Recensent in dies. Bl. (im vor. Jahrg) nachwies, von fehlerhaften und curioseu Ueber- Setzungen wimmelt, fand ich auf fast jeder Seite grössere und kleinere Uebersetzuugsfehler, aber gauz entsetzt war ich über folgende Uebersetzung eines Bibelverses, die den erhabenen Inhalt des Gotteswortes vollständig um kehrt. Bei den Trauergebrauchen (S. 526. Z. 9 v. 0.1 werden die herrlichen Worte, mit welchen Moses seinen Bruler Aron im grössten Schmerze tröstete: (3. B. M. 103): בקרובי אקדש, unter völliger Verkeimuug der Passivfonn und Entstellung des Inhalts wie folgt übirsetzt: .Das ist, was ׳irr Ewig» gesagt hat, die mir irtbe stehen, wcril״ ich 11 e 11 1 g n.' Nein! Herr Sn1u1׳..n\lire;to1־, das hat der Ewige nicht gesagt, vielmehr müssen die Schlusswort« lauten: ״Durch die, welche mir nahe stehen, will Ich geheiligt werden 1“ — Welcnes Unheil kann dieses fohlerhatte Bucli bei unserer Jugend aurichteu! Ein Lehrer. Ve! auiwoitl. Reilai.teur In׳. K11 h in er, Magdeburg. Druck : BeudixÄ iluliu (lr. D. L. Wolff) Magdeburg. Verlag: Roo. Friese, Leipzig

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