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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-03-10 · N° 11. (10.3.1893) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 11. (10.3.1893)
Date
1893-03-10
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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Die Etymologie des Wortes ״Chemie״. Albert Bl00h, Prof, an der Handwerkschule in Paris, schreibt über die Etymologie, den Ursprung und das Vaterland der Chemie Folgendes: Forscht mau naoh der Etymolo.ie des Wortes Chemie, so findet man in allen wissenschaftlichen Werken die Angabe, dass es sich nicht mit Bestimmtheit behaupten lasse, wem wir die6eWissenschaft verdanken. Die Einen meinen, dieselbe sei aus Arabien gekommen und die ersten Chimisten wären Alchimisten gewesen; andere halten China und die Chinesen für die Erfinder derselben. Wieder andere glauben, ohne sichtbaren Beweis, dass Aegypten die Wiege der Chemie gewesen. Mir scheint, dass die Bibel und noch einige griechische Werke den Schlüssel zur Auffindung dieses Bäthsels geben. Einige Stellen des Pentateuch’s und die Werke Plutarch’s sagen uns, dass nioht rlleiu Aegypten die Wiege der Chemie war, sondern dass dieses Land sogar den Kamen ״Chimia“ trug. Genesis K. 6 10 heisst es: ״Noa hatte drei Söhne Sem, Cham und Japhet“. Kp. 10,6 erzählt die Kinder Cham’s waren: ״Rrsch, Mizraim, Phut und Kenaan“. Jeder dieser Söhne liess sich in einem andern Laude nieder. Kusch gründete Aschur oder Assyrien, Kenaan das Lant Kenaan oder Palästina, Phut gründete Kaphtor, von wo die Philister stammen, Mizraim ging nach Mizraim oder Aegypten, denn in der ganzen Bibel findet man für den Hauptnamen Aegypten stets Mizraim. Demnaoh war nach dem Pentateuch der Enkel Noa’s: Mizraim, der nach einer Gegend ging, welcher er .«einen Namen beigelegt. — Wir finden aber auch, dass Aegypten in der Bibel ״Cham“ genannt wird, P.«alm 105,23. ״Und es kam Israel nach Aegypten und Jaoob hielt sich auf in Cham.“ Vers 27. ״Er trug ihnen sein Zeichen auf und seine Wunder im Lande Cham.“ — Plutarch erzählt in seinem Buohe Isis und Osiris Kap. 03. dass die Aegypter ihr Land ״Chirnia“ nennen. ״Warum nennen diese ihr Land nun ״Chimia“? weil, sagt Plutarch, ihr Boden sohwarz ist. Im Koptischen, der Sprache der alten Aegypter, und im Hebräischen heisst ״schwarz“ ״oham“ z. B. Gen. 30,40. ובל“ חום בצאן לבן, hier bedeutet חום schwarz, im Sinne von ״verbrannt sein“ von der Sonne. Jetzt begreifen wir, warum Moses den Namen Cham dem Sohne Noa’s gegeben, dessen Enkel Mizraim bei der Vertheilung der Erde der Gründer des Landes wird, welches ■einen Namen trägt. Moses, welcher eine aegyptisebe Erziehung gehabt, gibt naturgemäss dem Gründer der Rasse die Bezeichnung des Landes, das, wie wir gesehen haben, bei David Cham, bei Plutarch Chimia genannt wird, das heisst, er nennt den Vater des Mizraim, den Eroberer der schwarzen Erde, Cham nach dem Namen des gleichnamigen Aegypten. Alexander von Humbold sagt uns in seiner Geographie Band II, S. 511, dass die Aegypter der von ihnen 80 sein gepflegten Wissenschaft deu Namen ihres Landes ״Chernia“ gegeben. Wir finden in der aegypiischen Mythologie, dass Aegypten seinem Gotte Hermes geheiligt war, eine zeitlaug ״Uermochemios“ genannt wurde. Die Aegypter waren die ersten, welohe ihre Todten einbalsamirt haben. Nach dem Tode Jacob’s ordnete Joseph an, dass die Weisen seines Landes die Leiche seines Vaters einbalsamireu sollten, eine Operation, welohe naoh dem Berichte der Bibel 40 Tage dauerte. Nach der gegenwärtig der Academie der Wissenschaften in Paris von Dr. Falkoni unterbreiteten Methode braucht ein Körper, um vollständig einbalsamirt zu werden, 40 Tage und dass er duroh schnell gesäuertes Zink und Soda seine natürliche Farbe erhält. In seiner allgemeinen Gesohiohte Band II, S. 86 erzählt Herodot, dass es in Aegypten eine Seote gibt, welche 8ioh mit dem Einbalsamiren der Todten ba* sohäftigt; dieselben wenden verschiedene Methoden an, die am verbreitesten ist kohlensaure Soda zu- 8ammengesetzt mit verschiedenen aromatischen Krautern, welohe aus Cedernöl et3. gewonnen werden. Der Preis für diesen chemischen Prozess beträgt ein Talent Silber (2880 Mark) und 1200 Mark Supplement, wenn der Körper bis zur Mumifioation gebraoht werden soll. Auch erzählt uns Herodot, dass die Aegypter ein Mittel erfunden hätten zur Conservirung des Fleisches und der Fisohe. Dr. J. Blumenstein-Luxemburg. Litteraturbericht. Recensionen. Frank, W. ״Der Zweifler.“ Ein Roman. Commissiousverlag von J. Kauffmanu, Frankfurt a. M. So hätte ich mich denn endlich durch das 297 Seiten fassende Buch hindurchgearbeitet! Es war zu dieser Riesenarbeit aber auch ein Heroismus erforderlieh, der nur bei demjenigen Reoensenten au zu treffen ist, der es ehrlich mit der Lösung der ihm über- | tragenen Aufgabe meint. loh möchte mich demVerfasser, der bereits mit mehreren anderen Romanen | und Erzählungen vor die Oeffentlichkeit getreten ist, möglichst wohlwollend gegenüberstellen, doch werde ich leider mehr zu tadeln als zu loben haben. Der Verfasser zeigt sich in einer ganz besonderen Eigen- | art, die seinen Arbeiten keineswegs zum Vortheile! gereicht. Schon die Sprache zeigt einen Bombast,! der an’s Unnatürliche grenzt. Ueberall tritt das : Haschen nach ungewöhnlichen Aus!rücken und Rede- | Wendungen hervor. ״Thränen“ kennt der Verfasser I gar nicht, sondern fast nur ״salziges Nass“. Eine | Fensterscheibe lässt er dadurch, dass sie zertrümmert wird, und klirrend zur Erde fällt, zu einer ״Alarm-; kanone der Gefahi “ werden. (S. 102.) Den Eiseni bahnzug lässt er nicht einfach halten, sondern ״das j geflügelte Rad von der Anstrengung (!?) ausruhen“. (S. 115.) S. 141 stellt Jemand ״eine nach Galle schmeokende Frage“, und 6. 157 wird eine ״rosenfiugerne Reohte“ erwähnt. S. 16 ״erwacht Jemand j aus ״derGeistesuacht,“; S 56 wird von einer ״tagen- I deu“ Schwurgerichts Verhandlung gesprochen und S. 93 I treffen wir ״deu Silberblick der Hoffnung“ an. S. 170 | lässt der Verfasser ״dem Augenblick des Da- | seins das Leben rauben“ und Seite 224 begegnen | wir ״weingezeitigieu“ Melodien. Wir gewöhnlichen Sterblichen sprechen von dem Erblassen der Lippen. Dies scheint dem Verfasser jedenfalls zu trivial. Er sag׳ daher: ״sie (die Lippen) büssten für einen Moment, den ungleich grössten Theil des Purpurs ein“. ״Gleissnensche“ Busen (S. 230) und ״sangeskundige“ Schnäbel (S. 197) lassen tief blicken. Ungewöhnlich ist es zum mindesten, von dem, der traurig erscheint, zu behaupten, ״sein Auge ver- ׳ hülle eiu aus Webmuthsfäden gewebter Schleier“ (S. 155 ן); geradezu geschmacklos aber ist es, den Himmel! ״blauweiss, wie abgerahmte Miloh“ erscheinen zu lassen und einen Fluss ״als eine iehmfarbene Thräne im Auge der Natur“ zu bezeichnen. (S. 235.) Dieses Pietiöse in der Ausdruoksweise, diese Phrasendreohselei ertüilen den aufmerksamen Leser

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