Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 11. (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 — zum Opier gefallen Mein, die Burg ging wahrsoheinlieh durch einen Brand zu Grunde. Sicher ist aber die Zerstörung eine plötzliche gewesen und sicher hatte seither bis zum Augenblicke der Grabung keines Menschen Hand die Trümmer berührt. Beste aus derZeit nach Assarhaddon sind bei den Ausgrabungen nicht gefunden worden, es liegt also nahe, anzunehmen, dass die Zerstörung mit der Katastrophe zusammenhängt, durch welche um 606 vor Christi das assyrische Reich zerfiel. Hat uns der Monolith Assarhaddou’s die alte Burg und die Stadt, welche aus dem Schutthiigel von Sendschirli ausgegraben worden sind, als die Residenz eines assyrischen Statthalters gezeigt, 80 sind wir durch die vom Geheimrath Prof. Edü&rd Sachau entzifferte altsemitische Inschrift eines der in Sendschiili oder dessen Nähe aufgefundenen Steiudenkmäler in den Stand gesetzt, eine Reihe von Fürsten kennen zu lernen, welche zur Zeit Tiglatpileser’s in dieser Burg residirt und geherrscht haben. Wir erfahren von einer Revolution, welcher Bar-Sur, der Grossvater des Stifters der Inschrift, mit 70 Personen der königlichen Dynastie zum Opfer gefallen ist. Eduard Sachau nimmt an, dass die Empörung von einem Sohne des Bar-Sur, einem Bruder des Pauammu, angestiftet worden sei und der Sohn deu Vater ermordet und ein Blutbad in der königlichen Familie anrichtete, dem nur Pauammu entronnen war. Mau wird au die Erzählung im Buche der Richter, Capitel 9, erinnert, wonach Abimelech nach dem Tode Gideons (Jerubaal) die Herrsohatt au sich riss und seine Brüder, die Söhne Jerubaal’s, (Gideon) siebzig Mann auf Einem Felsen tödtete. Nur Jotam, der jüngste Sohn Jerubaal’s rettete sich. Ich möchte auoh noch an eine andere biblische Episode erinnern, die im 2. Buche der Könige, Cap. 10, zu leseu ist: Als der König Aohab von Israel es mit den Prophcteu Elijahu und seinem Jünger Elisa verdorbeu hatte, salbte Letzterer den Jehu, Sohn des Nimsi, zum König über Israel. Dieser ermordete Achab und liess auch die siebzig Söhne des Achab in Samaria niedermetzeln, deren Kopfe ihm wohlgezählt zugeschickt worden sind. — Es ist merkwürdig, dass bei diesen drei K&tastropheu sich die verhängnissvoile Zahl siebzig wiederholt. Wir dürfen daraus schliessen, dass au allen drei Stellen die Zahl nicht wörtlich zu nehmen und dass darunter die Sippe des Königs zu verstehen sei. Nach der Ermordung des Königs wütheten Bürgerkrieg und Hungersnoth im Lande, bis Pauammu, der Sohn des ermordeten Fürsten, mit Hilfe des assyrischen Königs die Herrsohatt seiner Dynastie wieder herstellte, aber in Folge dessen in Abhängigkeit vom Könige von Asur gerieth, dem er Heeresfolge leistete. Er starb (oder fiel) vor Damaskus. Mit grossem Prunke wurde die Leiche nach der heimischem Kesideuz geführt, daselbst bestattet und sein Sonn Rekübel, der Stifter der Inschrift, als Nachfolger vom assyrisohen König Tiglatpileser eingesetzt. Der Stifter der Inschrift war also ein Zeitgenosse Tiglatpileser’!■. Nun kennen aber die assyrisoheu Königslisten drei Könige dieses Namens, und mau musste nun zu bestimmen suchen, welcher Tiglatpileser gemeint sei. Darüber geben aber die assyrischen Inschriften sicheren Aulschluss; n&ok diesen konuteSauhau nun dieTkatsaoke teststellen: ״Pauammu ist ein Zeitgenosse von Tiglatpileser III., der von 745 bis 727 deu assyrischen Thron eiunahm; die ausgegrabenen Denkmäler gehören demnach der zweiten Hälfte des acliteD vorchristlichen Jahrhunderts, dem Zeitalter des Propheten Jesaias an.“ In noch ältere Zeit aber weist uns die auf dem j Hügel von GerdschiD, eiDe halbe Stunde von Sendschirli entfernt, gefundene Inschrift in altsemitischen Charakteren Schon während der ersten Expedition im Jahre 1888 erzählten die Einwohner von einem ״ ןgrossen steinernen Kamee]“, welches im Schilfe bei . Gerdschin daliege. Thatsächlich fand matt im Schilfe ein grosse.- Stück einer menschlichen Colossalstatue, und auf der Anhöhe von Gerdschin einen walzenförmigen Stein, die, wie die Untersuchung ergab, zusammeiigeliöten. Die beiden Bruchstücke derStalue, von denen das grössere 90 Ceutner schwer ist, wurden in zwei aufeinanderfolgenden Tagen aut Schlitten, von 80, beziehungsweise 100 Arbeitern gezogen, von : Gerdschiu nach St-udschiri gebracht. Sie bilden zusammen, wie die Entzifferung der darauf befindlichen sehr alten >en.i ischen Inschrift ergab, die Statue des Gottes H ad a d, welche von Pauammu, Sohn des Karal, König von Ja’di, erlichtet worden ist. Die Statue, aus sehr teil!körnigem Dolerit, hat jetzt uoch eine Höhe von 285־ Metern und dürfte ursprünglich 4 Meter hoch gewesen sein. Sie stellt einen stehenden bärtigen Mann dar, der durch seine mit■ ^tierhörnern geschmückte Kopfbedeckung als Gott bezeichnet ist. Fast unuuttelbai unter dem Gurte beginnt das Inschrift und nimmt die ganze Vorderflache des Bildwerkes in einer Höhe von 140־ Metern und einer von oben nach unten zunehmenden Breite von 090־ Metern bis 1*30 Metern e,n. Die Inschrift besteht aus 34 Zeilen einer zierlichen, reliefärtig gemeisselten Schrift und steht, was die Alterthümlichkeit der Formen betrifft, d!em Mesa-Deukmale (850) am nächsten. Die Abfassung der Inschrift setzt Saohau in den Anfang des neunten Jahrhunderts') Es drängt sich nun die Frage von selbst aufj was für ein Volk im Norden Syriens gelebt und was für gprache dasselbe gesprochen habe. Halivy, der die Inschriften in Berlin prüfen konnte, hat eine interessante Publicatiou darüber veröffentlicht, und darin die Vermutkung ausgesprochen, dass die Einwohner dieser Burg und dieses Landes mit deu Hetitern der Bibel und den Hatti der assyrischen Inschriften identisch seien. Bis jetzt liegt meines Erachtens kein directer Beweis für diese Behauptung vor. Was die Sprache der Denkmäler betrifft, so zeigt dieselbe merkwüidige dialektische Eigeuthümliohkeiten. Man theilt bekanntlich die nordsemitisohe Spraohgruppe in zwei Unterabteilungen: die hebraeophönikische und die aramäische. Die charakteristischen Merkmale der beiden Gruppen, die bis jetzt als uuverrückbar gegolten haben, sind hier in bunter Weise durcheinandergewürfelt, und wir stehen vor einer ■ Reihe von sprachlioken Räthseln, die erst wissen- | schaltlick gelöst werden müssen. Es ist hier nioht | der Ort dazu. Hier sei nur betont, dass der aramaische Charakter der Sprache mir ausser Zweitel zu stehen scheint. Hierin stelle ich mioh aut den Standpunkt Sachau’s, wenn ich seiuer Unterscheidung vonaltem und jüngeremAramäischauchnichtzustimmeu kann. Gerade aber die Eigenartigkeit der Spraoke 1 verleiht den Denkmälern von Sendschirli ihre hohe i Bedeutung und einen unschätzbaren Werth. •) Da diese Inschriften nur ein palAo graphisches Interesse j haben, das nur durch ein i'aeaimile befriedigt werden könnte, I halten wir die Wiedergabe der zudem sehr lückenu. rathsei- ' halten Ueberse tzung-in uns. BL ihr zwecklos. )ited.)