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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-03-03 · N° 10. (3.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 10. (3.3.1893)
Date
1893-03-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Buchhändler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalt! n 25 1ן Rabatt. Inhalt: Wi ssenscliatt liehe Aufsätze: An Dr. Leopold Caro, Verf. der Eisenmengeriade ״Die Jadenfrage eine ethische Frage“. II. Von Rabbiner Dr. Singer-Coblenz. — Jüdische und Christliehe Armeelieferungen zu Ende des 30jährigen Krieges. Nach Originaldocumenten der k. k. Archive in Wien. Von S■ Schweinburg-Eibenschutz (Schluss.) Lit teraturbericht: Receusion: Brann, M., Dr. Geschichte der Juden und ihrer Litteratur. — Wünsch e, Prot. Dr. August. Der Midrasch Tehillim übersetzt. (Fortsetzung.; Li tterari s che Notizen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nioht gestattet. An Dr. Leopold Caro. Terf. der Eigenmengerinde ״l>le Judenfrage eine ethische Frage“. Von Rabbiner Dr. Singer-Coblenz. II. Kennen Sie die Gesolnohte von dem guten Manne, welcher in einem Streit zwisoheu Mann und Weib intervenirto? Beide machten Front gegen ihu, wiesen «eine Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten zurück und jagten ihn mit Schimpf und Schande von dannen! So uugefähr geht es ihnen, da Sie ohne Maudat das Wort ergreifen, auch Sie wurden laut Ihrer Behauptung von antisemitischer und ״ultrajüdischer“ Seite zurückgewiesen, denn die Gesohiohte , geht Sie niohts an, wie wir unsern inneren Bruder-! zwist in Deutschland austrageu — denu mag der | Kampf nooh so erbittert von der einen Seite geführt, j noch so energisch von der andern Seite zurtiekgej wiesen werden, es ist und bleibt eine innere An-; gelegenheit, diese wird sich schon mit der Zeit wie der Zwist zwischen dem erwähuten Ehepaar aus- ■ gleichen; wir haben überdies mächtige Bundesgenossen 1 im eigenen Innern, eine gerechte Regierung, erleuohtete auserwählte Mäuner in allen Berufszweigeu und schliesslieh den gesunden Kern des deutschen Volkes, das wohl irregeführt werden kann, mit der Zeit aber auf «eine Pflicht sich besinnen, auf deu Boden geordneter Keohtszustände wieder zurüokkehren wird. Dann werden Sie in Ihrem Schmollwinkel stehen und sich nioht wundern dürfen, dass man Ihre Mithülfe, weil von sehr problematischer Natur, hüben und drüben abgelehnt hat; ich traue sogar deu Antisemiten den gesunden Sinn zu in Momenten der Selbsteiukehr, di• wohl auch bei ihnen nicht ausbleibt, von Ihrer, des Juden, entgegengebrachten Mithilfe sioh angewidert zu fühlen. Falsch ist übrigens ihre Entschuldigung, mit der Sie sioh einführen, dass in Deutschland gegenwärtig ein heftiger Kampf zwischen Juden and Antisemiten entbrannt sei — falsoh insofern, als der Kampf von Antisemiten gegen die Jaden geführt wird, nicht aber umgekahrt, Letztere sioh vielmehr lediglioh auf die Defensive beschränken — falsch aber auch, weil die Besten der Nation von ohristlioher Seite diesen Ausfall an der Schwelle des neunzehnten Jahrhunderts als einen Sohlag ins Gesichts gegen alle Errungenschaften der Kultur und der Ethik empfinden und viel erbitterter sich in das Kampfgewühl stürzten, als die Juden selber, von denen sie eigentlich nur seoundirt werden. Falsoh ist auch Ihre Ansioht, dass Sie — als Ausländer — hier den angeblioh Unparteiischen spielen müssen, denn Sie haben genug vor Ihrer eigenen Thür zu fegen. Bei dem Kampf der Antisemiten gegen das Judenthum, sind Sie durchaus kein neutraler Ausländer, da auch bei Ihnen der Kampf wüthet, und deshalb hätten Sie es vermeiden sollen, duroh Ihre Sohritt unsern Gegnern unsere Blossen zu zeigen, Blossen und Wunden an unserm Körper, die polypenartig an uns festgesaugt sind und soviel Sohleim absetzen, dass wir selbst zur Zange greifen müs3en und unsere Arme zur Vertheidigung nach Aussen nioht frei haben, woduroh der erlahmende Muth unserer Angreifer zum Ausharreu neue Belebuug erfährt. Missverstehen Sie miob nioht, ich tadle Sie nicht, dass Sie über Fehler innerhalb der Judenheit sioh auslassen, über innere Berechtigung dieser Rüge spreohen wir noch weiter unten, sondern über den jetzigen Momeut, der nioht ungeschickter hätte gewählt werden können. Inter arma sileut leges; bei geordneten Reohtzuständen könnte mau mit Rahe Ihre Ausstellungen und Vorschläge prüfen, und wenu sie für recht befunden, Sie als woblthäter preisen — heute verdient IhrVorgehen einen andern weniger lieblioh klingenden Namen. Sie gestehen jetzt dem Angreifer das Recht zu, Spitzbuben uud Mörder in | seinen Reihen zählen zu dürfeu; Sie helfen ihm zur ׳ Entlastung seines Gewissens, das ihn vielleicht warnen , köunte, den ersteu Stein auf uns zu werten, indem | Sie ihm mit der unzuverlässigen Dirne ״Statistik“ schmeicheln; Sie gestehen ihm das Recht zu, ׳" unsere Fehler zu Gericht zu s־.׳tzeu, ja die Um׳ deu Einzelner in unserer Mitte der Gesammth Last zu legen — uud erwarten noch ein wollende Beurtheilung Ihrer unzeitgemässer Wer zu solchem Werk sich hergiebt, d׳

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