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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-02-10 · N° 7. (10.2.1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 7. (10.2.1893)
Date
1893-02-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 7. Jüdisches Jahrg. XXII. Litteratur-Blatt. Zar- Belnchtn! 11)«r JidNthin «■4 Jaden hetreffeiden lltterariiehea Er• MhtitiRifei inf dam Gebiete der Phil«• aaphle» GM^hlcht«, Ethaoffraphie, Theo* lagie, OrleatalU, ExegeM, Homiletik, Litargtk a. Pädagogik. Herausgegeben Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Bieker Mr 1inetli|In1 llttmtw, wtlek• <v IMutlo■!■(••»kt wirk•(, ((de. 1■ klCM■ Bl(tU «(■(•hMk• Btsprwkai(. B*l Elamkm■( ro» drei BMmst•■•• Ixemplnre■ «rfklgt •!■■•II(• kim Qr*tl1-Ia1wrtUa. 9H.a^3eGux^׳, dzw 10. Sre&iuat 1893, Das ,^ttdlsche Lltteratur-Blatt“ erscheint w&chentlioh in 9inem halben Bozen. Preis bei allen Buchhandlungen, in Le ipzig bei Robert Friese pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der .IsraelitischenWochenschrift“ die vierteljährlich bei Ulen F ostansialten und Bachhandlangen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt" gratis. Inserate werden mit St Pf. tü! die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden. Bachhtndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. Inhalt: Wi ssenschattliche Aufsätze: SaadiaOaon. Vortrag gehalten am 10. Januar 1893 in Karlsruhe von Rabbiner Dr.Sch war z. (Forts.) — Weltliche und theologische Studien. Ein Wort über die Ausbildung unserer Rabbiner. Von Dr. Alexander Kohut, Rabbiner in New-York. — Die Zukuntt der jüd. Erzählangslitteratui. Von Ludwig Frank- Nonnenweiser. L i t teraturbericht•: Receusion: Wünsche, Prof. Dr. August. Der Midrasch Tehillim übersetzt. (Fortsetzung.) L itterarische Notiz. — Briefkasten. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Saadia Gaon. Vortrag, gehalten am 16. Januar 1893 im Verein für jüd. Geschichte und Litteratur in Karlsruhe, von Rabbiner Dr. Schwarz. (Fortsetzung). Nebeu seiner Bibelexegese hat Saadia die hebr. Sprachkunde als selbstständige Disiplin behandelt. Die verschiedenen grammatischen und lexicalischen Werke die er verfasste, sollten denSohliissel zu seiner Uebersetzungsmethode liefern. Die meisten dieser Arbeiten sind verloren gegangen, es ist uns jedooh immerhin soviel erhalten geblieben, dass wir uns über seine Leistungen aut diesem Gebiete ein Urtheil bilden können. Ein schöpferisoherGeist, wie Saadia nun einmal war, verleiht wohl Allem, was er behandelt, einen gewissen Reiz, aber so originell er auch im Einzelnen gewesen, wäre es dooh eine arge Uebertreibung, wollten wir ihn als bahnbrechenden Spraohforscher bewundern. Nicht blos weil er mit den Späteren, mit Chajugund Ibn Ganaob, keinen Vergleich aushält, sondern weil wir hauptsächlich seinen Versuch 70 Wörter in der Bibel duroh das Neuhebräisohe zu erklären, als einen verfehlten bezeichnen müssen, in• bofern er manches Wort von griechischer oder römi* scher Provenienz als nenhebräisches ansieht. Eines jedoch müssen wir ihn! auch hier als hohes Verdienst anrechnen, dass er nämlich der Erste gewesen, der die Sprachverderbniss des Hebräischen auts schmerzliebste empfunden und desshalb sohou im ersten jugendlichen Alter, wie wir heute genau wissen, in seinem 20. Lebensjahre, sein lggaron oder richtiger Aggron genanntes Werk verfasst hat, utn den syuagogalen Dichtern seiuer Zeit den Weg zu zeigen, aut welchem sie zur Höhe hebr. Classicität emporgelangen können. Man hat freilich bis auf die neueste Zeit nicht gewusst, wer denn die Dichter oder Dichterlinge gewesen, deren Sprachverderbniss der jugendliche Saadia, dem auch die Poesie manche schöne Blüthe verdankt, so heftig gegeisselt hat; seitdem jedoch die egyptisohen Papyrustünde, wie sie im Museum zu Berlin und in der Erzherzog-Rainer-Sammluag in Wien zu sehen sind, auch über die Juden des Niireiches neue Kunde gebracht*, wissen wir aufs zu verlässigste, dass im ehemaligen Pharaonenlaade di« neuhebräische Poesie lauge vor Saadia ihre Pflege gefunden, allerdings in einer Weise, die der Verbesserung nicht blos fähig, sondern auch bedürftig war. Indessen hat Saadia auch als Grammatiker im engem Sinne des Wortes bleibende Verdienste sich erworben; er ist zwar nioht, wie IbnEsra ihn nennt, der Erste unter den Aeltesten der hl. Spraohe gewesen, denn Juda ibn Koreisob, den die Karäer vergeblich für sioh reolamiren, hat vor Saadia grammatikalisch• Forschungen angestellt, aber Saadia’s Arbeiten über die Kehllaute, überWurzeluud Hilfsbuchstaben sind auf lange Zeit hinaus nicht allein mustergiltig, sondem auoh zuverlässige Wegweiser gewesen, und man kann demnach auoh von seiner Spraohkunde sagen, dass sie gleichfalls ein, wenn auoh nicht tiefer, Strom gewesen, der mit seinem klaren und reinen Wasser weite Strecken bewässert und befruchtet hat. Der 3. Hauptstrom der von Saadia begründeten Wissenschaft des Judenthums ist seine Talmudfor• schung. Es klingt zwar sonderbar die Talmudforschang einen Strom zu nennen, nachdem der Talmud selbst den Namen eines Meeres führt; aber man darf dooh nioht vergessen, dass es thatsäohlioh Meere giebt, welche aus den in sie mündenden Strömen und Flüssen sioh zusammensetzen, und dass die wissenschaftliche Behandlung des Talmuds eben in einer genauen Untersuohung und Sonderung der in ihm zusammendiessenden verschiedenen Bestandtheile, oder richtiger der in ihn mündenden Ströme und Flüsse und vor Allem darin besteht, dass man dieeigentlioheTradition als einen Meeresstrom, als einen Strom der noch im Meere selbst kenntlich ist, zu betrachten und zu verfolgen hat. Gewiss ist der Talmud ein Meer, aber soll er nioht trotz der vielen Ruderer, die ihn betahreu, zum todten Meere werdeu, dann muss er wie der Ooean die alte und die neue Welt initeiuauder verbinden, und nioht von einander trennen, dann muss duroh ihn die Tradition, im modernen Geiste for ׳entwickelt, zum Lebeusstrom der Gegenwart werden in demselben Sinne, wie sie es einst der Vergangenheit gewesen. Der eigentliche Unterschied zwischen *) Vgl. Haikavy Studien u. s. \v. V, p. 31 11.

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