Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 2. (7.1.1893)
- Date
- 1893-01-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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AS 2. Jüdisches iahrs. XXI!. Litteratur-Blatt. r«r *11«r Jadenthv« lad Jade» htlrtfTeaden lltterariaehea Er* •ebeluaaKCB auf dem (labtet« der Phile* •ophle, Gtatblcht«, Ethaograpäie» Theel#fiev Orleatalla, Ezrgeee, Homiletik, Litergtk a. PSdagoffik. Herausgegeben yOli Rabbiner Dr. Moritz Rahmer, Bacher der tiatehllgUen Llttcntir, «(Ich* der Bcd actio. iiiMudt werde. t fladea I. die.om Blatte elagehe.de Beapreehaag. B.I Elaaeadaag roa awel Bcecaaloaa* Exemplaren erroigt elaiaallge karae ti r e 11 a Iaaertloa. , den 7. ofanuaz 1893, Das „Jttdlsijie Litt erat nr-Blatt“ erscheint wö chentlich in einem halben Bogen. Preis bei allej Buchhandlungen ia Le ipzig bei Robert Friese pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der „Israelitischen Wochenschrift“ die vierteljährlich bei allen Postans alten und Buchhandlungen 8 Hark zahlen, erhalten das „Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. Inserate werden mi. 86 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Bla'tes zu sendent Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate uinsenden, erhalten 25)( Rabatt. Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Zur modernen Peutateuchkritik. Von B. Königsberger. — Weltliche und theologische Studien. Ein Wort, itber die Ausbildung unserer Rabbiner. Von Dr. Alexander Kohut, Rabbiner in New- York. — Eine alte Synagogenordnung. III. Das Buch des Propheten Jona. Von Rabb. Dr. old tu Im. Lit teraturbericht: Recension: The Jewisch Quarterlv Review. Li 11 et ar i sch e Notiz. —Litterari sehe Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Zur modernen Pentateuchkritik. Von B. Königsberger. Gar mancher der Leser wird missbilligend dem Titel meiner folgenden Ausführungen gegeuüberstehen — Das Wort „modern“ enthält wirklich ein Verdict über den Stand der heutigen Pentateuchkritik, und ich glaubte gut daran zu thuu, wenn ich in Kürze die Leser von Vornherein über die Richtung meines Pentateuch-Urtheils belehrte und ihnen erklärte: Ich vei werfe die Anschauung der Fachmänner über die Redaction des Ptutafeuchl Freilich, die Meisten der Letzteren werden mitleidig die Achseln zucken, dass es heut Jemand, dem an eimr wissenschaftlichen Forschung gelegen zu scheint, unternimmt, die Resultate anderthalbhundertjähriger Untersuchungen anzuzweifeln oder gar umzustosseu. Habeu doch hervorragende christliche Gelehrte, die ursprünglich an die „Authentie der Bücher Mosis“ glaubten, sich allmählich dem Machtworte der Forschung gebeugt und eine Quellenscheidung anerkannt, deren Grundlagen die „Quelle“ selbst enthalten soll, und auch jüdische Theologeu glaubten in denUuiversitätsprofessoren christlicher Confession die Meister der Bibeliorsohuug gefunden zu haben und anerkennen zu müssen! So Lat die eigentliche, wissenschaftliche Bibelforschung stark gelitten. Wäre man denke nur an die Rach Wirkungen uud Anregungen karäischer Anschauungen aut wissenschaftlichem Gebiete — von seiten der practischeu Theologen mit nüchternem, gründlichem Forschungsgeiste der Versuch erustlich gewagt und behauptet worden, die Authentie des Pentateuch zu vertheidigen, und hätten die Gegner dieser Anschauungen es nicht dabei bewenden lassen, die „positiven“ Arbeiten lediglich zu registrireu, ohne ihnen nachhaltige Beaohtung zu schenken, — die alttestamentliohe Wissenschaft stünde heut sicherlich aut einem andern Boden. Die „negativen“ Kritiker aber glaubten genug zu thuu, weuu I sie in Rezensionen die „Unhaltbarkeit“ der alten Au- I schaunng betonten und mitleidig dem betreffenden Verfasser d&sZeugniss auszustelleu, er habe obue vorein- I genommenes, fanatisches Wortgepräuge ruhig seine 1 Beweisführung (natürlich ohne Glück) versucht. Um die Theologen der Praxis nicht vor den Kopt zu stossen, gab mau ihnen das Beruhigungsmittel der weiteren praot is chen Bedeutung des Alten TeMameut^, nachdem die Einheitlichkeit der peutateuchisehen Gesetze theoretisch als — „über »len Hauteu geworfen“ galt. 1 Und obgleich auoh ich annehmeu mii-ste, dass auch meine Abführungen vou eiuem gleichen Schicksal bettoffen werden uud der Vergessenheit anheimfallen könnten, so stehe ich doch nicht an, au dieser Stelle wenigstens in Kürze bei der Besprechung etuiger neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der alitontaj mentlichen Litteratur uieiuon peuta'encii-kritisohen Standpunkt zu pracisireu. Möge di.se Rezension zugleich als S-dbstauzeigo meiner neuen Sohrit.: ’ „Zur [einheitlichen] Uedaction des Pentateuch“ betrachtet werden, in der ich eit.g hendore Untersuchungen über die berührten Fragen uud ausführlichere Beweise für meine Behauptungen zu bringeu 1 in der Lage bin, als an dieser Siede. Ich gestehe, dass man heutzutage mit etwas mehr Muth in die „positive“ Behandlung der peutateu- ] chischen Frage eintreten kauu, als uoch vor wenigen Jahren; denn wer die letzten einschlägigen Litteratur-! Erscheinungen im Auge behalteu hat, wird die Beobachtung gemacht haben, dass sich im Stillen nach i den gewaltigen, umstürzendeu Arbeiten Stade’s, E. : Meyer’s, Wellhauseu’s u. A., deren Auscha mug gegen- I über einer „Tradition“ auch Kittel in der Einleitung i seiner „Geschichte der Hebräer“, auf die wir nooh zu sprechen kommen, sohart bemängelt, ein langsamer; Zug nach „rechts“ zu vollziehen soheiut. Ich sehe 1 von der Nominirrng früherer diesbezüglicher Arbeiten ■ resp. der Hervorhebung der beir. Einzeln omente der-! selben an dieser Stelle ab und verweise nur mit 1 Genugthuung auf die jüugste englische Schritt von Prot. D. D. James Robertson, the early religiou of i Israel. As set forth by biblical writers and by modern criiical bistoriaus. The Batrd leoture for 1889. Elinburg 1892. Blackwood and Sons (XIV, 521 S.), in der es (nachStrack’s Besprechung iinLit.Ctbl. 1892, j Nr. 50) u. A. heissi: „Die „kritische“ Auffassung wird ] mit schnellen Schritten traditionell und wird von sehr! vielen auf keine besseren Grünte hin angenommen, I als die, aut welche hin die frühere Ausioht traditionell wurde. Es ist hohe Zeit, die jetzt überwiegend an-