Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 52. (24.12.1891)
- Date
- 1891-12-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit W Pf. filr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Fr'ese Inserate einsenden, erhalten '25 % Rabatt. Inhalt: WisaeusctnUlliche Aulsätze: Cbanuka. Von Dr Rothschild. —Tempelweihe und Weihnachten. Von M. Silberstein, Breslau. — Die .Judenviertel in Marrokko. Von ■J. F Budgatt Meakin. L; t teraturbericht. Recensionen: Pestalozzi: 3. Der Antisemitismus ein Krebsschaden, der am Marke unseres Volkslebens trist. Li tt er ar ische Notizen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestaltet. C h a n u k a. bis ist bekannt, dass die geschichtliche Bedeutung des Ohanuka-Festes und dessen Beziehungen zum Makkabäerkriege im Talmud kaum, wenigstens muhe vollständig, erwähnt wird. Erst das spätere צל הנסים• Gebet spricht mit grösserer Deutlichkeit hiervon; die Genauigkeit der bezüglichen geschichtlichen Data war aber damals schon sehr eutsohwunden, das’s fälschlicher Weise dabei Johann Hyrkau (יוחנן כהן הגדל), der Enkel, mit Johann dem Grossvater, als Vater des Matathias (כותתיהו), verwechselt wird, welcher nie Hohepriester in Jerusalem, sondern einfacher Priester in Modin gewesen. Lin Talmud wird als Grund der; Feier uur das Lichtwuuder augegeben. Nach dessen wahren! Verstäuduiss und richtiger Deutung ist zwar darin verdeckt und versteckt; das geschichtliche Ereiguiss enthalten, aber daraus geht um so deutlicher hervor, dass die Feier uud Bedeutung des Festes verheimlioht um! unterdrückt wurde, dass mau nicht offen uud öffentlich hervortreten durfte. Eine heilige! Urkunde über Cbanuka, wie über Purim, haben wir nicht oder nicht mehr; eiue Erzählung des geschiohtliehen Ereignisses (מגלת אנטיוכום), welohe in den Synagogeu vorgelesen wurde, ist unterdrückt worden . und verloren gegangen, deuu wir besitzen sie nur in ׳ Uebersetzuugen, nicht im Original. Selbstverständlich, ן dass dadurch die luuigkeit uud Feierlichkeit des Festes eingebüsst und verloren hat; die heutige Generation weiss kaum, dass das Fest ein wichtiges und bedeutungsvolles, die Feier eine heilige und nothwendige ist. Daduroh ist es um so leichter geworden, das jüdische Chanuka-Fest duroh das christliche Weihnachtsfest, welches ebenfalls als Lichterfest, (freilich mit anderer Bedeutung) an die Stelle getreten ist, zu verdrängen, in dem Lichtwuuder, sagten wir, ist das historische Festereiguiss verdeckt und versteckt enthalten. Das Wunder ist nämlich keiu geschichtliches Ereigniss, sondern eiue Parabel, eine allegorische Er- Zahlung nach biblischem Vorgaug uud orientalischer Art; es soll dadurch bildlich die Aüslösohung des Religiousliohls und dessen Wiederauzündung, das historische Ereigniss unter Antioehus Epiphanes, weloher das Religiouslicht in Israel auslöschte, und unter Judas Makkabäus, welcher es wieder anzündete, dargestellt werden. Das Eine Krügleiu Oels deutet auf Matathias, den Hasmouäer, in dessen Haus und Brust allein noch das heilige Licht der Religion Nahrung fand; alle anderen Krüge heiligen Oels waren entweiht, d. h. bei den Anderen faud das Licht der Religion keine Nahrung mehr. Das eine Kriiglein hielt an, ״is alle dichter des heiligen Leuchters, welcher Sinnbild von Israel, dem Träger des heiligen Religionsliefcts, ist, wieder brannten, bis das Religion«- licht wieder für ganz Israel angezündet war. Alle Tagt brannte 1 Lioht, mehr am Leuchter, alle Tage mehiien sinn uie Suhaaren der in heiliger Begei.sterung neubekehrten und zurückkehreudeu Fromtneu. Wir haben sebou bei einer andern Gelegenheit nachgewiesen, dass der Grund für diese Unterdrükung des Chauukafestes und die Versinnliohuug seiner Feier in der politischen Stellung der Juden bei deu Römern zu suchen sei, welche duroh die mit der Festesfeier verbundene Erinnerung an die Makkabäer die Kampfeslust und den K, pfesmuth der Juden nicht angefaoht sehen, welche es vermieden haben wollten, die Juden auf frühere Empöruugskriege gegen politische und religiöse ünterilrückuug hinzuweisen, um neue Aufstände niont zu erneuern, zu welchen tu jenen Zeit- Verhältnissen Veranlassung genug vorlag. Wir fügen heute hinzu: Nicht nur die Römer waren es, welche solche Erinnerungen uud Bewegungen zu unterdrücken suchten, denn diese folgten darin nur einem berühmten, vorliegenden Muster; sondern bereits Her ödes war darauf bedacht und ging darauf aus, das Andenken an die Makkabäer und die Eriuueruug an ihre Heidentiiateu und Verdienste um das Volk in deu Hintergrund zu drängen und vergessen zu machen. Bekannt ist ja, dass Herodes aus dynastischen Gründen einen Vernichtungskrieg gegen die Hasmouäer führte und die Anerkennung ihres Ruhms, die Erinnerung an ihre Heidentiiateu uud Verdienste nicht anfkomraen liess. Die ihm wohlgesinnten Parteien kamen ihm zu Hülfe, uud Diejenigen, welche den Hasmonäeru verwandt waren, oder zu ihnen uud ihrer Partei hielten, hatten allen Grund, schon um ihres Lebens sicher zu sein, die Verwandtschaft mit oder auch uur die Zuneigung zu dem I lasmouäischen Hause zu leugnen oder wenigstens nicht öffentlich zur Schau zu tragen. So ist es zu begreiteu, dass die Feier des Ohanukafestes und die Rü 11 mutig der Uasiutmaisclien Heldenthaten unterdrückt war le, uni der Verdienste der Makkabäer beim Volk tue!!• öffentlich