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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-11-26 · N° 48. (26.11.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 48. (26.11.1891)
Date
1891-11-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jaimr. XL Jüdisches Li tteratur-Blatt. /■v!!•!•■cht**fr «Iler Judeuthum ו מי betreffende■ lltUrarinrb•■ Ft* MhelBiBfea ■■f den Gebiete der Philo* •ophle Geschieht•♦ Ithiographlr, Theo» Ugle OrluiUlU, Exegese. Homiletik, LItmnrik 1. i'i'Urogik. H erausgegäben von Rabbiner l)r. Moritz Kahnier. 2)(Z.avjdein*־t<j,, 26. 0towm1801 ^6׳. BScher der •iiiMhllgigiL Mtterntur, weich•!4er ttedsrt on suress««lt werde■, tUle■ 1■ Sie— Blatt« eingehende Heaprechsn/• Bet Einsendung ▼0■ 1 w e I Ree-imio■••• KxempUrie erfolgt einuisUee her*« H r e 11 - Insertion. Das ״Jüdische Litteratur-Blatt* erscheint wöchentlich m einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robort Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich hui allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit tt Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buohhknaifcr n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 % Rabatt. Inhalts Wissenschaftliche Aufsätze: Das jüdische Weib. — Wo lag das Paradies? Von H. B rüg sch. — Miscellen aus der jüdischen Alterthumskunde. Von B. Königsberger, Kattowitz Li tteraturbericht. Recensionen: Friedmann, M., Commentav zu ״Richter“ — Die Agada der palästinensischen Amoräer. Von Dr Wilhelm Bacher. Anzeigen — Briefkasten. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Das jüdische Weib. Die Geschichte zeigt es au einer Fülle von Beispielen, dass der Verfall der Völker und der Staaten mit jdatja-Verfall de« häuslichen Lebens beginnt; wenn das Haus seine Weihe und Ehre einbüsst, wenn die Sittlichkeit sohwiudet, wenn das Weib erniedrigt, und entwürdigt wird, dann ist auoh kein Halt mehr für den Staat; nicht gerade, dass der Zusammenbruch rasch ein tritt; Völker und Staaten sterben meist laugsam und schwer; dem Tode gehen oft Jahrhunderte nationalen Siechthums voran; ein B&üm stürzt nioht sogleioh, wenn die Wurzel morsoh ist, aber der Kuu* dige weiss, dass es mit diesem Stamm vorbei ist. ״Das Haus aber das ist die Frau;tf dieser Satz des Talmud, den Frau Nahida Remy ihrem treffliehen Baohe über das jüdisohe Weib voranstellt, enthält für die alte und die neue Zeit eiue uuautast• bare Wahrheit. Frau Remy sioht mit Recht in der Strenge des sittlichen Lebens, in der Achtung und Ehre, deren das Weib von jeher innerhalb der jüdisehen Gemeinschaft sich zu erfreuen hatte, in der Treue, mit der sie ihre Pflicht erfüllt hat und naoh dem Sohriftworte dem Manne eine ״Helferin“ gewesen ist, gleichsam den Lebensodem des jüdischen Stammes, die Erklärung dafür, dass er allen Stürmen Stand gehalten hat. Die Ehre, die den Frauen gezollt wird, äussert sich nicht in verhimmelnden Liebesliedern; die Ge* müthstiefe des Weibes offenbart sich nicht in roman* haften Schwärmereien; aber wenn am Freitag Abend der jüdisohe Gatte aus dem Gotteshause heimkehrend in seinem von Sabbatliohtern erhellten Heim das Lob des ״tapfern Weibes“ anstimmte, so lag darin mehr Innigkeit und Wahrheit, als in so vielen Minneliedern, die nur die Sohönheit des Weibes priesen, die es anschwärmten, um es zu entehren. Unsere Grossmütter haben wenig Romane gelesen und nooh weniger erlebt, aber in der Keusohheit und *) Das jüdisch« Weib von Nahida Remy. Leipzig, ä. Laudien. 1803. 328 S. Reinheit ihres Einpfinuens haben sie dooh von der Liebe etwas mehr verstanden als all die phantastisehen Romanheldinnen. Es ist ein Zeugniss für den hohen uud edlen Sinn der Frau Remy, dass sie die echte Poesie des jüdischen Familienlebens erkannt hat, dass sie sich von dem äussern Anschein prosaischer Nüchternheit, nicht hat verwirren lassen. Wenn wir es täglich sehen wie mächtig die Vorurtheile gegen Juden und Judenthum sind, wie selbst hoohint elligente und durohaus redliche Mensohen nicht völlig davon frei sind, so werden wir Frau Remy, die Christin dem Bekenataiss und der Abstammung nach, um so höher achten, dass sie erhaben über alle diese Irrungen dasteht, die so manohem das Urtheil trüben; sie ist auoh nioht voreiugouotdtueu /.a Guasteu der Juden; aber allerdings ist sie erfüllt vou einer heiligen Begeisterung für die Bibel, für iss grosse Martyrium der Judeu im Dienste der Religion, für die jüdischen Frauen, die die Wahrheit mehr als ihr Leben geliebt haben. Und darum hat sie einen nioht minder heiligen Zorn für diejenigen, die dem verächtlichsten Schacher ergeben sind, indem sie ihre Religion opfern, am die Freuden oder die Ehren der Erde dafür einzutausohen; sie wird nioht geblendet duroh den Glanz des Geistes, den diese Abtrünnigen ausstrahlen; dieser Fran, deren Wahrheitsgefühl unverrückbar ist, sind diese ״getautten Jüdinnen“, die ohne Glauben, ohne Treue, die Gemeinschaft, in der sie geboren sind, verlassen, Lügnerinnen, die sie auf’s schärfste braadmarkt. Wir kennen darum kein anderes Buch, dass 80 sehr geeignet ist, in den Schwankenden und duroh schlechtes Beispiel religiös Irregeleiteten der jüdisohen Gemeinschaft das Ehrgefühl zu wecken und sie zum Verharren bei der allen Fahne zu ermuntern, als dieses Buch einer Christin. Freilioh muss es wohl um das Judenthurn uioht so sohlimm bestellt sein, als Manche glaubeu oder sich zuglauben einreden, um ihren Abfall zu beschönigen, wenn ein solches Buch möglich ist, wenn unser Glaube, unser Grundbuch, uusere Geschiohte 80 viel treue Theiluahme in einem Herzen erregt, das nioht in jüdisohen Ueberlieferungen erzogen ist. Wir leben der frohen Zuversioht, dass dieses Buoh Segen stiften wird, wohin es kommt. Dem religiösen Juden und besonders der religiösen Jüdin wird das Judenthum nur um so lieber werdea in der Beleuohtung dieser Frau, deren Strahl tief eindringt; dem irreligiösen und zum Abfall geneigten Juden zeigt sie den Abgrund, in dem er za Grunde gehen würde; wenn es ein Christ liest, so wird er, und wäre er nooh so tief im Sohlamooe des Judenhasses, empor-

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