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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-11-19 · N° 47. (19.11.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 47. (19.11.1891)
Date
1891-11-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Jährg. XX. itteratur-Blatt. Zn BtlMchta■. •11« Jilntb■■ »»i Ma!•treffe■(!«• lltterkrtielie• Er- NlullliKn Mf dem OiMtU der Philo• MpU* StMhlehte, Ethto*r»phle, Theo• M|l• OrleatelU, Ezeaeee, Homiletik, Llttrrfk 1. Pidagogtt. Herausgegeben ▼on Rabbiner l)r. Moritz Kalimer. STLcnjSetwtcp 19 QfLovtYn&w 1891. Naher der e nMkllffl««!• Mttereter, weicht der 8«lul:1» ai.eeeadt werdet, Mtdet 1■ dl 1.1■ RIatU elt.eheed• Beepreehtar. hei Uaeendea. rea awel RMtaelaae• Kxeuplarca erftlrt elaoiali.e karie U r 11!•■ertloa. Das ״Jldlsehe Lltteratnr-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandlungea (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. 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Von Heinrich Bruesch. ״Er ist der Urheber des Krautes, welches die Heerde ״rährt, und vier fruchttragenden Bäume tür die Menschen. ״Kr giebt den Fischen des Stremes ihre Nahrung und ״den Vögeln unter dem Himmel, und schenkt den Athem allem, ״was aus dem Ei enf steht. ״Er nährt die Heuschrecken und schafft wovon die Ta- .,rantel lebt, und was da krieont und hupt׳ nach seiuer Art. ״Er bietet Speise den Mäusen in ihren Löchern und nährt ״was da Biegt in allem Gehölz ״Heil dir! der du alle die geschaffen hast, du Einiger ״und Alleiniger mit reicher Hand.‘׳ Die seltsame Entstehung des Menschen aus den Zähren des Gottesauges beruht auf einer Wortspieierei, wie sie der Sprache des ägyptischen Priesterthums zu allen Zeiten seiner einflussreichen Maoht eigen war. Würde ich im Dentsohen statt des Wortes ״Und Gott machte den Menschen ans einem j ״Erdenklose, und er blies ihm י׳ >n lebendigen ״Athem in seine Nase Und ןד... <*rd der Mensch ״eine lebendige Seele.“ Diese beatmten Worte der Schrift lassen den ersten menschlichen Leib’ vOn der Hand Gottes aus Erdenstaub entstehen und durch den in die Nase eingehauchten Athem seines Schöpfers zu einem lebendigen, beseelten werden. Dieselbe Vorstellung war auch den ägyptischen Priestern eigen, nur durchsetzt von heidnischen . Ansichten, die mit der Götterwelt im engen Zusammen- ' hang standen. 1 Der höchste Inbegriff des Göttlichen wurde in | einer Neunzahl aufgefasst, welche die einzelnen Theile \ des Weltkörpers und die bewegenden, alles zur Wieder-! kehr in den Jugendzustand nöthiger Kräfte versinnbildlichten. Ihre Gesammtheit bildete das von dem göttlichen Geiste beseelte All. In der Erscheinung irdischer Mensoheu, die nach ihrem Ebenbilde erschaffen wurden, durchwandeln sie die Welt, um nach dem Rechten zu sehen und das nach den ewigen Gesetzen der Natur Bestehende zu erhalten. In diesem Sinne, eine Einheit in der Mehrheit, entsprechen sie den! ״Elohim“ der Schrift. Neun und dooh nur Einer. ■ Nach vielen Stellen in den Papyrus- und Stein-! iuschriften gingen die Mensoheu aus den Thränen des Gottes hervor, welcher als der Urheber der Welt ’ gepriesen ward. Sein Auge weinte (rimi) und aus i seinen Zähren entstand das Menschengeschlecht (rome), wie die Götter aus seinem Munde. Ich will es au einer Beweisstelle nioht fehlen lassen, um auch für diese Vorstellung ein Zeugniss zu liefern. Sie ist einem langen Hymnus, thebanischeu Ursprunges, entlehnt, in welohem Amon mit den folgenden Worten augerufen wird: ״Er ist der einige Gott, welcher alles machte, was da ist; ״der Einzige und Alleinige, welcher schallt, was da sein wird. ״Die Menschen treten aus seinen Augen hervor und es ,entstehen die Götter aus seinem Munde. ״Men80h“ den Ausdruck ״Zehrer“ eiusetzen, so würde der Satz: ״Die Zehrer gingen aus den Zähren Gottes hervor“, in der verständlichsten Weise die ägyptische Vorstellung wiedergeben. Ganz anders entwickelte sich auf Gruud neuer ägyptischer Quellen in Bild und Wort die Lehre von der Schöpfung des Menschen. Danach erscheint er als Gebilde eines vorher schon genannten Gottes, dessen Name Chnum soviel als den ״Baumeister oder Bildner“ bezeichnet. Der Gott baut, bildet, formt, oder wie immer mau das Zeitwort der Handlung: chnum übersetzen mag, mit eigener Hand aut einer Töpferscheibe. Mit seinen Füssen, wie es die Abbildungen zeigen, dreht er die Töpferscheibe, auf weloher sich eiu eiförmig abgerundeter Erdenklos befindet, und ein menschliches Bild geht unter seinen Händen hervor. Aber dem Bilde fehlt das Leben. Die Inschriften vergessen es nioht hinzuzufügen, dass der göttliche Thouküustler seinen Athem in die Nase einbläst, um ihm das Leben zu sohenkeu und in ein seelenhaftes Wesen umzuwandeln. In diesen Fällen erscheint das erschaffene Wesen ohne Ausnahme iu Gestalt eines Kindes, dass unter den Händen des Meisters seiuer Entstellung entgegen sieht. Auch die Götter gehen in dieser Weise und iu jugendlicher Gest.ilt auf der Töpf-rscheibö des Meisters hervor. Ein König, um es an Beispielen nicht fehlen zu lassen, naht sich im Bilde dem Schöpfer der Welt und aller lebenden Kreatur, und reiet ihn mit deu Worten an : ״Ich nahe mich dir, heiliger Baumeister,!Schöpfer der ״Götter, Bildner des Eies, der seines Gleichen nicht hat. ״Nach deinem Willen ward dir die Töpferscheibe gebracht und ״deine Majestät modelte die Götter und Menschen aut' ihr. Da ״bist der grosso erhabene Gott, der am Anfang diese Welt ״zuerst baute.“ Neben einer Darstellung, iu welcher Chnum als Schöpfer des jungen Horus, Sohnes der Isis, wiederum

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