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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-11-12 · N° 46. (12.11.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 46. (12.11.1891)
Date
1891-11-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Lehrer• welche direct oder durch Robert Friese Inserate einenden, erhalten 25 jf Rabatt. Inhalt! WissenschaftlicheAafs&tze: Professor Dr. Cerson Wolf. Von Schweinburg• Eibenschiitz in Wien. — Jüdische?Mofto in der nu-’ernen Dichtung Vou Dr. pliil. Ludwig Jacobowski. Berlin. 1. Kahn! von Toledo. Litteraturberichf. Recensioneti: Bacher Dio Agada der pata>1inen> Amorä«*r. lUteprocheu von B. Konigsbergcr. Litterarische Notizen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet Professor Dr. Gerson Wolf. Von Sch.-Kil>en schütz -Wien. Mit dem Schuljahre 1891/’- vollendet. Prot'. Dr. Gerson Woli‘ iuWieu des 40 Jahr meiner Wirksam• keit als Religionslehrer der hiesigen Gemeinde und eiiien eben so grossen Zeitr.uuu als lleissiger, uneruiiidlicber Forscher auf dein dornenvollen Ptade der jüdischeu Geschichtsforschung in Oesterreich. Bei uns ist die Geschieh!störschung noch mit den rosigen Waugou der Jagend geschmückt. Gar wenige Freunde einer umfassenurii Benutzung des massenhaft vor• handeuen, prunar-n Quelleumaterial» findet man in unserem Staate. Mil Ausnahme des Saats- und BotkammerarcLiws kann mau thatsachlicli oft viele Wocheu vou Poutius zu Pilatus, wie die vulgare Redensart lautet, leuuen, bis einem der Zutritt zu einem andern k. k. oder Privatarchive gestattet wird, und selbst in diesen Fallen geschieht es nur in so beschranktem Masse, dass eine gründliche Geschichtelorschuiig viele 01>ter au Zeit und Mühe kostet, und schon dieses Umstandes wegen von vielen Geschicbts• freunden ganz und {.ar nicht angestrebt werden kaum Gerson W<11׳ war aucit in dieser Beziehung glücklicher, als die junge ״Gs.-chichtsforscliergeueration“. Die meisten Archivbeamteu sind seine besten Freunde und viele Mauuer, die ehemals gleichzeitig mit Wolt die >’cLriltsteile1wel1 betreten und nach Pre»s-, Denk* und Schrei blreiheit rangen, sind heute sei Ost Hüter art-liivalisclier Documente geworden. Wolf hat seine freie Zeit der jüdisch-.. Geschichtsforschung gewidmet, ln welchem Masse er diesem Zweige neue Schatze zubrachte, das beweist die grosso Zahl seiner Publicationeu tu FacLblattern und die stattliche Reihe selbstständiger Werke, die dem Gesclnolitsfrouude unentbehrlich sind. Die , Literaturgeschichte“ ueuut L. A. Frankel einen ,litteraiisi lieu Todtengraber“, der verschollene Dichter und Dicht ungeu ausgrabt, die Geschichte der Israeliteu in Oesterreich verdankt tbatsacblicii G. Wolf zahlreiche wichtige Documente, die er in den tiefen Schachten der Archive förmlich ausgrabe 11 musste, um sie allmählich der OefleiitlicLkeii zugaugheh zu macheu. Wie viele Mühe ilun diese Forschungen gemacht haben, dass kauu nur der begreif:•!!, der selbst im- Archivaren im Verkehr steht uu i Gelegenheit hatte zu b •obacliteu, wie die erprobtesten Arcliivbeaiuteu oft vieleTageeiu Actleiis'ück suchen müssen und dem veralteten Arcl11vges.-r*e entsprechend dem Gesohichlsfor-clier nicht• einmal gestatteii sollen, in den Ma'eriahencata'iOgeii, 111 lices und Kepeitoriuubüchcru Um-icht zu 11eh:u*n'1. Welch»; kostbare Augenblicke Gerson Wolt solchen Niietoiscliuugeu gewidmet habeu mag, in welche peinlichen Cnntiicle er sehr oft mit!lern liberal übertünchten Büreaukrai'-uihtun der Archive geratheu sein mag, dass alles dürften wir eins׳, aus .einen Memoiren entnehmen, dem! Wolt ist auch aut diesem Gebiete individuell. Die wichtigsten Moinelite seines Lebensweges schilderte er tius in seiner ״aelbst- ' biographie“. Es geschieht dies auf so einfache und i selbstlose Ar!, dass wir sie vieleu kleineren Grössen י zur Richtschnur und Dariiachaclitung empt-hleu j können. Wolt eriuuert uns durch »eine Svib'tbio- I graphie an einen bedeutenden Dichter der Neuzeit, ‘ der seine zahlreichen Werke selb'• 111 Iremde Sprachen I übersetzte, um dadurch vor Uebertreibungeii uud j Dichtungen Iremder Translatoren geschützt zu sein, j Dem Sicirmesser der historischen Kritik wolleu wir; Wolfs Geschichtsforschungen heute tun so •veniger! aus.setzeii, »,eil wir in seinen oft sehr geistreich j durchgefülirteti, historischen Skizze«! das Ge-tan :!.iss des Verfassers vorfiuten, ■dass er durch die Wurde , und Bürde seines Jleligioii'hdiramtes nicht immer iu der Lage war, die oft schwer zugänglichen Urkun len so zu lienutzcii uud zu publicieren, wie er e<s״lb»t uach den Antorder.iugeu «1er סש lerueu Gesciiiclitsforschuug gewünscht hält«*. Unbestrut*!! bleibt aber G. Wolf das Verdienst, eiu Apostel der jüdisceu Geschiohtslorschuiig in Oesterreich gewesen zu sein. Jj-tine hisiorisclieu Werke, sind der Palen uud die L;itsterue 111 dem Labyrinthe der österreichischen Aronive. Die österreichischen Juden siu 1 «lern Geschicbtslorscher Wolf zu grossem Danke verpflichtet; denn er war der erste in Oesterreich, der gemeinsam mit Joseph Ritter von Wertheimer die primären Quellen, die unverwüstlichen und glaubwur I1gs>n Zeugen der Vergangenheit, im Dieuste der jüdischen Geschichte verwer1hete,n0ch spate Getieralioueu werden iu Oesterreich-jüJischeu Kreisen liebevoll des Mauues gedenken, dessen pädagogisches uud scbnilsiellensche* Wirken bahnbrechend, mustergiltig uud autklureud Ili״ neue ZeiUtr״u1uu;{ hat auch da Wau de) gesuialiea Mau umgeht diese» lie-elz ■udUchwcigead, well die Archivhe.uuteu ott selbst eiusebeu, das da» llibelwort ״lilue Jwer lau ssitlen michschaul* »ich auch da vielfach bewahrt. S>־£.

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