Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 44. (29.10.1891)
- Date
- 1891-10-29
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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derVerf. in einen argen Widersprucb. Es heisst daselbst beziiglichdes AchtzehDgebetes: 1 .״אבות Israel besteht nur durch das Verdienst seiner Väter.“ (??!) Wenige Zeilen weiter aber heisst es wieder: ״Auf eigene Verdienste kann sich der ohnmächtige Mensch nicht berufen;; Das Verdienst der frommen Väter reicht aber nicht aus, (!) denn sie selbst haben gefehlt und Gott hat schon oft gelohnt.“ Wir wollen weder anmassend sein und auf unsere eigene Verdienste pochen, noch die unserer Väter schmälern, aber das muss betont werden, dass die Behauptung, ״Israel bestehe nur durch das Verdienst seiner Väter“, denn doch etwas zu weit geht. — Im Abschnitt VI , ״Die Festzeiteu“ werden unter d. die erhabenen Feste, ימים נוי־א־ם, genannt, aber welche Feste zudiesen gehören, und wie sie heissen, suchen wir hier vergebens, obwohl alle anderen Fest* und Feiertage, sogar die sogenannten Halbleiertage, resp. Gedenktage namhaft gemacht werden. Bei Besprechung der Bedeutung des Sabbaths begegnen wir einigen recht zweifelhaften Sätzen. So 1 heisst es: Nur (?) ein freier Herr kann ruhen. Ferner heiss׳, es: An dem Sabbath hört jede Knechtschaft aut Erden auf, (?) Der VII. Abschnitt (S. 236) handelt von der Pflege der Thora (Kindererziehung und Lehrer- Verehrung.), Bei Darstellung der Thora-Vorlesung und speziell des Aufrufen« dazu, fehlt die Erwähnung d-r Bezeichnung des בהן ,לוי ,ישראל, auch hätte die Bedeutung der sogenannten חיובים neben so manchem anderen erwähnt werden können. Endlich müssen wir einen!Satz hier wleJergeben, der pädagogisch als nicht gerechtfertigt erscheint. Es; heisst S. 237: ״Der Unterricht hat die Aufgabe und | den Zweck, die Kinder so zu erziehen, ita*» sie die j Gebote Gottes beachten und befolgen.“ Dieser Unter* richtszweck ist entschieden zu eng begreuzt. Nicht die äussere Beachtung und Befolgung der Gebote Gottes i.-t das Endziel der Erziehung, sondern den Menschen zu befähigen, dass er seiner Bestimmung hier aut Erden gerecht werde. Und dies vermag er, wenn wir dahin streben, ein echt religiöses Gefühl in ihm zu wecken, damit es sich immer mehr entfalte und endlich zur festen, innigen Ueberzeugung sich entwickeln, 11 ie wieder eine Liebe zu und eine Ehrfurcht vor dem ewigen Schöpfer reiten lässt, aus di-m heraus eine treue Pflichterfüllung erwächst. Die Darstellung des Verf. lässt auch die Annahme zu, dass | das stiikte Befolgen der Gebote aus Furcht vor der 1 Strafe, nicht aus Liebe zum Gott, zu erzielen sei. Uebrigens muss darauf hiugewiesen werden, dass nach den heutigen Anschauungen Unterricht uud Erziehung nicht von einander zu trenneu siud; die ,Schule soll erzieliend unterrichten und durch Unterricht erziehen. Fassen wir nunmehr unser Urtheil über das hier besprochene Buch zusammen, so müssen wir einerseits anerkennen, dass der Verfasser aut einem noch wenig bebauten Felde 1 üchtig vorgearbeitet bat. Andrerseits aber muss es auch gesagt werden, dass das Buch nach verschiedenen Hichtuugeu hin seinen, vom Verl, ihn vmdioirten Zweck niclr' ertüllr. Es ist, tun es kurz zu sagen, nicht das, was die jüdische Letirerweit eigentlich gebraucht, eine wirklich praktische Anleitung zur Ertheilung eines verbindenden Gebet- L'elier.setzuugs- und Iteügions-Unterrichts. Als Sohulbuch ist seine Einführung attoh insofern mit Hiiulerinssen verknüpft, als es nach eigener Intention des ihnen täglich aR Speise diente, was aiu Sabbath jedoch nicht 1 /.11 linden war, u. s. w. — das war ״Manna“. Nach all den I angeluhrteu Beispielen weiss aber das Kind noch immer nicht, wass denn eigentlich Mauna war, wie es aussah, ob es Thier, l’tlanze oder etwas anderes gewesen ist. il. Verautwortl. Redacteur Dr. Ra Inner, Magdeburg. Druck: Bendixi) Verfassers, neben dem bisher üblichen Siddur ge* braucht werden soll. Der Preis des Buches wird sich mindestens auf 2,SO Mark stellen, was aber für ein Schulbuch als zu hoch bezeichnet werden muss. — Litte rar i sc he Notizen. Thurmban zu Babel. Der babylonische Thunnbau ist historisch, denn es existiren noch die unvollendet gebliebenen Reste: die biblische Erzählung (Gen 11) ist eine Legende mit allegorischer Tendenz. Die Frage, ob die Völkerzerstreuung eine Folge der Sprachverwirrung, oder die Sprachenmenge eine Folge des Auteinandergehens, der Zerstreuung der Menschen sei, ist selbst dem biblischen Erzähler gegenüber miissig, denn das vorangehende Capitel 10, die sogen. Völkertatei, spricht schon von den verschiedenen Völkern, deren Wanderung und Wohnsitzen Die Bibel ist sich also des historischen Zusammenhanges der Völkerwanderung und der folgerichtigen Entstehung der Sprachenmenge und -Verschiedenheit bewusst: das darauf folgende Capitel 11, der Thurmban zu Babel, die Sprachenverwirrung und Völkerzerstreuung hat demnach keine historische, sondern eine religiöse Tendenz. Cham. Noah’s Sohn, bewohnte wie sein Name (חם) andeutet und dessen Abkömmling iJTQ (Aethiopion) bezeugt, den ״heissen“ Süden. Kenaan, der Sohn Ohtm’s, ging nach Nord-Palästina, und Nimrod. Cham’8 Enkel, ging noch nördlicher und besetzte Babel. Von Nimrod heisst es: ״Es war!du gewaltiger Jäger vor dem Herrn“, d. h. ein gewalttätiger Mordgeselle und Eroberet, Gott, der es nicht so wollte, gegenüber. Aach Kenaan trat erobernd aut, und beide, Kenaan und Nimrod, verbreiteten mit und in Folge ihrer Gowaltthätigkeiten, wenn auch ohamitisebe Bildung und fortschrittliche Cultur, doch auch .Sündhaftigkeit und Unsitte und rieten dadurch Uneinigkeit Widerstand uud Empörung hervor. Kanaan war daher ein Eindringling in Palästina; das Land war Sem und Eber zugehörig, d e vor lv uaan hatten weichen müssen, es war also den Nachkommen Eber s zage lacht, ein den Israeliten ״gelohtes Land“. Mit Nimrod war die Tyrannei und menschliche Ueberhebung Gott gegenüber typisch in Babel geworden : die Klagen und Weissagungen aller Propheten, von Jessia bis Daniel sind voll von Zeugnissen darüber Die Bedeutung von נבל, als Bezeichnung Nintrod’s, wird aus Cap. '> deutlich. Die dort geschilderten ״Gewaltthätigkeiten״ und ״berühmte Männer“ (שם) hielten sich für mehr und besser, als die gewöhnlichen Menschen, und wollten für Göttersöhne (בני אלד,ים) gellen. Von Nimrod ist erwähneuswerth, dass er nicht ציד גבר, sondern נבר ציך genannt wird, um ihu als einen der berüchtigten Gewaltigen zu bezeichnen,*) von denen ״Vergewaltigung und Unsittlichkeit“ (*1,1) und sonstige ,,Ungereontigkeit und Gewalttätigkeit“ ausgiug (חמם), welche nach wie vor der Suudflutli, die Erde erfüllt und verderbt hat (<*,11 u. 1a). Auch Nimrod und das babylonische Geschlecht strebte wieder nach solcher Ueberhebung uud Vergötterung: dies bedeutet der himmelhohe Thurm, den sie sich erbauen wollten, befestigte Burgen uud Schlösser,'1'*; worin sie sich abschtossen, und der ״Name (שם), den sie sich machen uud beilegen wollte!! (11,4) (vgl. 6,41 אנעי שם deutet vielleicht daraut hin, dass die anderen unterjochten Solavenmenschen keiueu Namen, wenigstens keinen Faiutliennameu hatten, sondern zur Unterscheidnag irgendwie anders, etwa mit Zilleru oder durch Merkmale bezeichnet und unterschieden wurden. Solchem sündhaften Abfall, solch frevelhafter Ueberhebung gegenüber zeigt sich Gott auch jetzt, beim Thunnbau, wieder in seiner Allmacht und Gerechtigkeit. Die Menschen sollen ihre Ohnmacht erkonnen denn Gott vereitelt die Pläne der Gewaltigen uu.t steh: den Unterdrückten bei, die sich gegen ihre Unterdiicker empören und sie!erlassen Uneinigkeit mit ihren bisherigen Herren, vielleicht auch Uneinigkeit unter einander, dem irühern Eiaveratäudniss gegenüber (שפה אלת) trieb sie auseinander uud der Bau blieb unvollendet, als e u typisches Zeugnis* meuschlioher Auinassuug und Ueberhebung Gott und seiner Allmacht egeauber. Dafür ist der Name der Stadt ״ בבלVerwirrung“ emonstrativ geworden und, obwohl mau denselben in ששך spater umgeaudert, bis heute und litt׳ alle Zeit geblieben. R.-A. *) Vgl. auch v. «: - .היא החל להיות גבר בארץ גברים heisst im späteren Staatsleben Israels die starke Kriogerscbaar, stark and gewaltig an riesiger Körperkratt und tapferem Geistesmuth. Vergl Gen, G,4: ״Sie sind die Gewaltigen (הגברים), von jeher (altersher מעולם) Männer von Namen (אנשי (צם), die alten berühmten Geschlechter. Von jenen Gewaltigen stammen die Ries״o (הנפלים), welche später auch ״Recken" (□,עגלן) Ain mit dem S-Iaut und metathesis literarum) geuanut wardeu, germauisch-״adlige Ritter“ (״ ,(א{עןי עםJunker“ ®,״ בני ענלןjüuge ״Recken“.) **) Vgi. zu שם ו״!!! בגדל Pro!-. 1* »מודל עז שם ה־:״. 11 u h«, (tr D. L Wollt; Magdeburg. Verlag:Roo Pries«, Leipzig.