Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 42-43. (17.10.1891)
- Date
- 1891-10-17
- Page
- Seite 168 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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168 — gäbe des Inhaltes des jeweiligen Gebetstückes, die 1 Angabe des inneren Zusammenhanges der e׳nzelcen ן Gebete untereinander, wie es im שלם X“U"!i-?ndüur ge• : schieht, sowie endlich ein einfacher Auszug aus dem ״Ornch chajim״, noch immer keinen eigentlichen Religionsunterricht.*) Unter Anlehnung des Religions- Unterrichts an die Gebete ist denn doch etwas ganz anderes zu verstehen. Der Unterrichtsstoff soll nicht als eine äussere Hülle um den Gebetstoff erscheinen, 1 sondern ersteres muss aufs Innigste mit letzterem ver- ' schmolzen sein.** *) Die vorznfuhrend?n Begriffe und Lehren müssen in katechetischer Form aus einem bestimmten Stücke selbst herausentwickelt werden. Zu diesem Zwecke sind geeignete Stücke auszuwählen.! Nach der Methode, wie es das vorliegende Buch be- 1 folgt, ist es erforderlich, den ganzen Inhalt des Gebetbuches zu traktiren, will man auch den ganzen Religionsunterrichtsstoff bewältigen. Dies kann unsere Schule heute nicht mehr leisten. Bezüglich des Religionsnnterrichtsstoffes, der uns; dargeboten wird, muss bemerkt werden, dass Manches | recht gut zur Darstellung gebracht ist, namentlich : die Einleitung, dass dagegen Vieles theils überflüssig, i theils lückenhaft, theils für die Schule ganz ungeeignet , ist. Manches ist sogar incorrekt und sich widersprechend. Aut S. 3 heisst es: ״Der Zweikampf ist nicht nur Selbstmord, sondern auch Mord, wenigstens die Absicht zu beiden, oder zur Beschädigung des Körpers.“ Wir fragen hier: Ist denn Selbstmord nicht auch Mord? Ferner ist wiederum die ״Absicht zur Beschädigung des Körpers“ kein Mord. Die Be- Stimmungen, dass ״ verheirathete Frauen ihr Haupt nicht unverhüllt lassen sollen“, dass ״Männer sich die ficken ihres Haupthaares gar nicht abscheeren lassen sollen“, halten wir für den Schulunterricht wohl nicht geeignet. Letzteres berechtigt zu der Frage, was eigentlich unter ״Eckeu des Haupthaares“ zu verstehen ist. (Schluss folgt.) Litterarische Notizen. 1.•מדבי.. Dieser biblische Ausdruck für den Aufenthaltsort Israel auf seinem Zuge von Aegypten nach Kanaan wird gewohnlich mit ״Wüste״ Übersetzt. Dass Israel die Sandsteppen des ״wiisteu“ Arabiens durchzogen hat, ist gewiss. Die alten Geographen unterscheiden nur zwischen arubia felix (glückli'.hes und fru ■htbares Arabien) und arabia deserta (wüstes und unfruchtbares Arabien), die spateren unterscheiden auch arabia petraea (steiniges oder felsiges Arabien) von der Stadt Petra <םלצ) in Idumiia an der Südgrenze Palilstina’s benannt. Es ist damit der nördliche Theil der Wüste, die smaitische Halbinsei, gemeint und diese war es, welche Israel durchzog, und in welcher er lagerte. Dieser Theil der sogen. ״Wüste“ war auch nach biblischen Uerichten, wenigstens in der alten Zeit, nicht so wasserarm und unlriichtbar, um als Wüste bezeichnet zu werden. Ausserdem waren die Lagerstelleu Israels, die sogen. Stationen, nicht Sandsteppen, sondern mehr oder weniger fruchtbare Oasen und diese sind mit מדבר bezeichnet und werden als solche von den Steppen und von eiuander durch Namen unterschieden, wie Midbar Sinai, M Zin, M. Kadesch etc. Das hehr Wort stammt von ״ לברtreiben“, nämlich das Vieh zusammentreiheu für den nächtlichen Aufenthalt oder zum Zweck dss Wehlens; davon abgeleitet ״ דברHürde, Pferch“ (Mich. 2,121 und ״ מלברWeideplatz, Trift“. So wird auch die ’J’rift, Oase am Sinai bezeichnet., auf welche Moses die Schafe Jetro's zu Weide trieb, im nördlichen Theile der sogen. Wüste in der Nähe Mulians, wo Jetro und Moses wohnten, gelegen. Vom Sinai merkt auch die Bibel aut dein Zuge Israels durch die Wüste schon Wasser- und baurareiohe Oassu au; die dortigeu Quellen führen heute noch den Namen ״Moses-Quellen“. Die *) Derartiges linder! wir schon in bei weitem Übersichtlieberer und vollständigerer Darstellung in dein tretflichen Dessauer’sehen Buche: מפהח להפליה! ein Buch, das dem Lehrer nicht genug empföhle! werden kann. H. **) So haben wir’s auch in unserem Vortrage auf der Confcrenz der mitteldeutschen Cultusbeainteu 1iu Magdeburg), welcher Herr Director Kroner auch beiwohnte, dargoiegt und mit Beispielen belegt. (Red.) Verantwort. Kedactcur Dr. Halimer, Magdeburg. Druck: Bendi Israeliten rechneten für ihre Wanderung durch die Wüste auch aut solche Oasen, denn sie führten Vieh mit sich ans Egypten und führten es in Palästina ein, wie ausser anderen Beweisen auch aus den Reden der 2 ., Stämme hervorgeh», die um ihres Viehhesitzes und ihrer Viehzucht willen das transjordanische Wiesenland begehrten und besetzten. Mit der Viehzucht wird auch wohl-Ackerbau verbunden gewesen sein, wenn auch beides in nicht immer genügendem Masse Oasen finden sich ja auch in anderen Wüsten, in der veischrioneu Sahara sind sie sogar zahlreich und gross Oase! sind gleich Wasen, Ras°n durch Wasserreichthum grün gewordene und erhaltene Plätze, oft von grossen Umfang, zu Tritten, Wohnplätzen, Ackerbau und Obstzucht benutzbar. Bäume, fruchtbare Palmbä'tme, findet Moses auch an den Quellen des Sinai; es ist dies die Gegend, welche von den Amalekitern ständig bewohnt wurde. R-A. 2. Die Besp:ech;1ng des ״Gebet- und Religionshuches•‘ von Dr. Kroner seitens des Herrn Herzberg iu Nr 1׳(• des Littbl. veranlasst mich zu folgender Mittheiluni־: Ich kam vor kurzem aut den Gedanken, das לשבוי ביבה• uu .1 “üb zu erklären, wo סבות בנות (Kön. 17,30) durch ר״וענולת erklärt wird. Die beiden Worte sind dem ישכל בינה lautverwandt. Mein geehrter Freund, Herr Dr. D Fett c 111 w ang in Wien, theilte mir nun aut meine diesbezügl Antrag• Folgendes mit: ,es ist ohne Zweifel an einen babylon Götzendienst zu denken, zir- ׳ bänit (בנית hat, es zu lauten, nicht בנות)■ Sukkot ist, nach Delitsch, Paradies 21f>, Sakkuth: dies ist ein Beiname des Gottes Merodach. כנוית versteht Delitzsch als benCltu: Die T Schöpfung (binü ברא mit Wechsel von ב und ר, wie Barth nacligewiesen. 1 Das Ganze aber ist zweifelhaft und ich vermutlie eine Korruptel, deren Corrsctnr noch zu ergründen ist. - נרגל nir-gal bedeutet. ״Löwe“; es ist an den betreffenden Stellen der assyr. Schritten, wo dieses Wort vorkommt, nicht von wirklichen Löwen die Rede, sondern von den Löwenkolossen, welche den Löwengott darstellen. Dass thatsächlich Nergal (Löwengott 1 i!1 Kütha verehrt wur le, bestätizt, deutlich und klar eine Inschritt, wo Nirgal als Gott von der Stadt Kütha bezeichnet Das Alles hat Schräder in KAT. p. 333 bereits nachgewiesen und es ist nichts dageg n emzuwenden.“ — Soweit dio Worte meines Freundes. Man vgl. aber noch Hildesheimer, Beiträge zur Geozr Palästina’s S 42 11'. Gleichwohl enthüllt die Kroner’sche Uebersetzung: ״welcher gegeben dem Verstände die Einsicht“ keine ״sonderliehe Iiee“ und ist auch nicht gegen die Tradition Baer hat zur St. iu seinem herrlichen Sid lu■• Ust alles Material zusammengetragen und es sei liier ganz besonders aut Ijob 38,27 verwieseu, wo ישכל nichts anderes he ׳euten k.!nn, als ״Herz, Verstand״ und dort lieist es deutlich: מי נתל לשכר בלה; vgl. Rasclii und מצודת ציון u A Auch in dem Mussaph-Pijut von Rosch haschanah אהה אלן וכר' komm שבוי*' in di69er Bedeutung (Herzi vor. Es ist auch — und das sei ausdrücklich hervorgehoben — gar nicht einzusehen, was hei den Lohsprächen für die göttliche Ausstattung dss Menschen der Hahn zu thun haben sollte*) B K ö n ig s b erge r. 3 Soweit ich in den mir zu Gebote stehenden Siddurim und Machsorim nachsah, fand ich den Schlussworte des אלדים היים durch ״Gott des Lebens“ übersetzt - und das ist grundfalsch! Die vorhergehenden parallelen Ausdrücke dürften zu dieser irrigen Auffassung der Stelle Veranlassung gegeben haben. Es müsste in der stat. const. Forti): אלדי חיים lauten. Die Worte sind nur durch: ,,(ewig-) I e ben de r Gott“ wiederzugeben. Vgl. Deut 5,13 (nicht 5.21! wie Concord. ed. Baer); 1. Sam. 17,2>i, 30; Jerein. 10,10; ib. 23,30 (nicht 23,35). Das phiiosopnische Räthsel, das in dem Fehlen des Ausdrucks אלדי חיים liegt! antzuhellen, ist hier nicht am Platze B. K. *)Dies, lässt sieb mit dem Hinweise auf den letzten Lob- Spruch המעכיר שנה וכל! der jaaucii eine ״göttliche Ausstattung“ des Menschen enthält, sehr gut erklären : Der Hahnrut kündet den beginnenden Tag an, darum wird die Reihe der Morgenlob- Sprüche damit eröffnet. (Red.) _l.itterarjwcher Anzeiger. Die hcltr. Schulbücher von Dr. H. Raluner: 1. Mehr ScUreiblesellbel. 2. Teftllah kezarah, Cor? I u. II, in den neuesten Auflagen hei J. kauHismni. Frankfurt a.!V. Soeben erschien die 1. Lie-j ,11 ן uitjcrem ®erläge ijt joebeu ferung von : [öl 10 crjctjicncn: Der Midrasch Tehlllim j (Scbanfrtt zum erstsn Mule iu’s Deutschrfellica jit&ifcbetl (?Mltiiäbtamtf tt. übertragen von Dr. theol. 3t phil. von ')(. ilein 1t־Xilfit ®reid 60 ®f., lug. Wünsche, ln ungefähr sechs ,)11 bcjictjen burd) alle ®ud)f)ant>* Lieferungen 4 Mk. 2. — Durch;11t1tgen [5095 alle Buchhandl. zu beziehen. Alfred H. Fried dt Öle., i Trier. Siegintiud Mayer. [ ®erlitt ©., 35. Huhn(tr.D.L.Wclil)Magdeburg. Verlag:Roh.Friese,Leipzig.