Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 41. (8.10.1891)
- Date
- 1891-10-08
- Page
- Seite 162 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 162;— ungeachtet findet sich auch hier eine grosse Anzahl soloher Incorrektheiten, ▼on denen wir hier die hervorstechendsten folgen lassen. שכר wird auch hier mit ״Verstand“ übersetzt, doch findet sich hier eine An- . merkung, die lautet: ״Manche übersetzen: dem Hahne“. 1 Richtiger wäre es wohl gewesen, wenn diese Anmerkung lautete: ״Alle Anderen übersetzen.“*) S. 10, ואחרי ככלות wird übertragen: ״und in Zukunft, wenn das : All aulhört“, richtiger wäre: ״und r.ach dem Vergehen des Alls“. D'T ״ נטילתdie Hände zu begiessen; נטילת ist doch kein einfaches Begiessen, sondern eigentlich: ein ״Nehmen“ zum Waschen. S. 15. ״ בסתרim geheimsten Innern“. Dieses Textwort wäre richtiger mit״selbstimVerborgenen“wiedergegeben,da hieruicht von einer Gottesfurcht in uns die Rede ist, sondern von einer solchen, die wir selbst dann bewahren sollen, wenn wir, ungesehen von der Mitwelt, uns selbst überlassen sind. (Forts, folgt,) Litterarische Notizeii. Magdeburg. Anknüpfend an die in der Receusion des Kvoner’sclien Bnches gemachte Bemerkung über den Begriff ״segnen“ möge lolgendes hervorzuheben gestattet sein Das Wort stammt vom lateinischen signare; noch heute bedeutet ״sich segnen“ in der römischen Kirche : das Zeichen des Kreuzes mit den Händen vor sich machen Dann hatte ״segnen“ die Bedeutung• durch das Zeichen des Kreuzes und mit Hersagung gewisser Formeln übernatürliche Wirkungen hervorzubringen suchen (Feuersegeu, Viehsegen, datier früher Segner tür Zauberer!. Nacli Adelung (siehe dessen ״Grammatisch kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundirt‘ Tlieil 4, S 20) bedeutet das Wort weiter ,.mit dem Zeichen des Kreuzes und Anwünschung alles (tuten von Jemand Ab-chied nehmen“ und als Belegstelle hierzu liilnt Adelung Hieb 2,3 au: בר|ל אלה'ם ומרן. Der gute Adelung meint schliesslich, dass ״segnen“ auch Böses wünschen, fluchen, lästern“ bedeute, schreibe sich ״vielleicht“ daher, ״wsil man dazu ehedem das Zeichen des Kreuzes missbrauchte ‘ und weist dann aut Stellen wie Begum 1 21,10, lliobl.il. Adeluug weiss nicht, dass der hebräische Sprachgcist den Euphemismus liebt und vergisst, dass das hehr. Wort noch nicht den Missbrauch mit dem Zeichen des Kreuzes kennt Sp. — Mit Bezugnahme aut meine Bemerkung hinsichtlich des Gebetstückes ,אלכד, רכל (in No!<!•) sei nachträglich hervorgehoben, dass in den Gebetbüchern des portugiesischen Ritus die beiden Worte סלל באמת telilen Dieser Umstand würde meine Ansicht über den Text de» Gebetes wohl bokrättigen. Dr. N London. Unter dem Titel ,.Ungarn und seine Bevölkerung“ erscheint ein Buch von Herrn Louis FeJbermann im Verläge vi n Griilitli, Farran & Co. Dasselbe verbreitet sich über den Ursprung der Ungarn und die tausendjährige Geschichte ihres Landes und enthält eine Beschreibung der Karpathen, der Schneegebirge, des Niederlandes und anderer l'heile Ungarns und Transsylvaniens, sowie derSitten und Gewohnheiten der verschiedenen Völker schalten unter der Krone St. Stephans. Ein beträchtlicher Raum ist auch den Juden Ungarns naoli ihrer Eintlieilung in ungarische, deutsche und polnische Juden gewidmet. Das schön ausgestattete, reich illustrirte Buch ist Ihrer Excellenz der Grälin Deyrn, Gemahlin des österreich-ungarischen Gesandten, gewidmet. London. Ein Bruchstück aus eiuem prorenzalischeu Gedichte über die Geschichte der Königin Esther, in hebräischen Lettern geschrieben, wird demnächst in seiner Originalgestalt nebst einer provenzalischen Uebersetzuug von Prot. Paul Meyer in der ,Romania“ erscheinen. Verfasser des Gedichtes ist Israel Caslari aus Avignon, welcher gegen 1310 lebte. Das Gedicht tand sich in einem Manuscript im Besitze des Chief-Rabbi. L. Cohen. (Zunz hat aus demselben 6 Strophen in dem Avignoner Ritus mitgetheilt. Vgl. ״Zur Geschichte und Litteratur. S. 44>G.) lieber die Joniklppur-Controverse zwischen den Herren DDr. Wiener, Sonnenschein Vud Naschör möchte ich mir erlauben das Folgende darzulegen: Die Sitte derTöuhter Israels, alljährlich festliche Zusammenkünlte abzulialten, reicht in die Zeit der Tochter Jephta’s hinauf, von welcher es!Richter 12) heisst: ״sie hatte noch keinen Mann erkannt und es ward Sitte in Israel,, von Jahr zu Jahr gehen die Töchter Israels um zu besingen die Tochter Jephtha’s, des Gileaditen, vier Tage im Jahre “ Mit der Entwickelung der geschichtlichen und religiösen Verhältnisse wurde nun diese Sitte aut'geschichtlichen und religiösen Boden verpflanzt, ln Schiloh *I Wir werden über die Doppelbedeutung von שכוי in nächster No Näheres bringen. (Red.) hielten die Jungfrauen ihre Zusammenkünfte and Reigentä! ״am Feste des Ewigen“ ab. Das weisse Kleid war das Symbol wie der Unschuld so der reinen anentweihten Jungfräulichkeit.! (Dieses Fest des Ewigen war vermnthlioh das Hüttenfest.) Di« Mischnah (Taanith 26 b) stellt offenbar den 15, Ab and du Versöhnungs-Fest unter den gemeinsamen Gesichtspunkt der Aussöhnung, dort durch Aufhebung des Verbotes der Töchterverheirathnng an die Benjaminiten mit diesem Stamm, •hier Gott. Wenn dann in der Gemara zur Begründung des festlich« Begehen» des 15 Ab auch noch andere Thatsaohea und V hältnisse angeführt werden, so soll das eine das andere nich? ausschliessen, sondern sie behalten alle nebeneinander ihre volle Geltung, um den 15. Ab nur um so berechtigter erscheinen zu lassen. Neben dem Grunde der Aussöhaang mit dem Stamm Benjamin ist der der aufgehobenen Heirathsbeschr&nkung der Stämme unter einander infolge des Stammgütersyste ns itlr diesen Gegenstand der bedeutendste Nun fiel später die Denkfeier der Erbauung des Salomonischen Tempels in die Zeit des Versöhnung»- und Hüttenfestes. Der Tempel, in welchem mau nach Joma 54a in dieser Zeit dem Volke die mit einander verbuadenen Clieiubim als ein Symbol der Liebe Gottes zu den Menschen «לנקבה "Ot כחיבת> gezeigt! war darum von den Jungtrauen gleichsam alsein Palladium ihrer ehelichen Zukunft, und als Mittelpunkt der Verbrüderung und Aussöhnung d« Stämme (durch welchen Umstand die Heirathsaussichten w, grössere geworden 1 hoch geleiert. Die weissen Kleider vom 15. Ab als Symbol der Ju; fräulichkeit stimmten noch mehr zum Versöhnungsfest, vol welchem schon lang« ehe der Prophet es ausgesprochen im! Bewusstsein des Volkes die Ueberzeugung lebte: ״Wenn eure! Sünden roth sind wie Scharlach, wie Schnee sollen sie bleiche! weiss wie Wolle sollen sie werden“. — Die angeblichen Lieder i der Mischnah tragen das Gepräge ihrer Bestimmung volla! an sich: ״Jüngling erhebe Deine Augen“ u. 3 w. wurde 15. Ab gesungen, als am Tage der Wiederaufnahme Benjamins und der Aufhebung der Heirathsbeschränkung infolge der geänderten Ländereivertassung. (Eine scharfe witzige Anspielung scheint auch in dem Ausdruck zu liegen: ״Erhebe Deine Augea und besieh was Du wählst“, weil ehemals die Benjaminiten in dem ungestümen Raub der Mädchen von Schilo wohl kaui eine andere Wahl als nach dem ersten Augenschein getrofiei infolge dessen manche Missheirathen vorgekommen sein möge: Das Lied צאנה וראנה hingegen bezeichnet den Gesang d< Jungfrauen beim Reigen am Tempelfeste des י*כ• Herr Dr. N. fasst die Stelle von -!TD bis במהרה כיסינו, als einen Dialog auf zwischen den Jungfrauen und Jünglinget und scheint das וכן היא אומר als Bezeichnung eines Respon sums seiten» der Jünglinge in dem nachfolgenden Schriftvers zu nehmen. Das liegt ganz und gar nicht darin Die Mischnah redet blos von den Töchtern, die Jünglinge waren nur passive Zuschauer: ״wer keine Frau hatte war am meisten interessirt, sich dahin zu begeben“, um dem Reigentänze zuzusehen. Rabbi Simon b. G. sagt nämlich vom 15. Ab und vom ״כ\ dass sie von den Jungfrauen mit Reigen begangen wurden und zeigt das Charakteristische des 15. Ab an «lurch בחורשא bis מעשיה, während er mit וכן הוא אומר — Wie diese Form im ganzen Talmud gang und gäbe ist — den Beleg aas der Schrift! l'iir die auch am י״ב geübte, durch erhabene Tempelteier nur noch bedeutsamer gewordene Sitte einleitet. Dieser Beleg aus dem am י“כ gesungenen Liede schliesst mit שמחת לבו and darau knüpft er die als allgemein bewusst hingestellte Deutung von כיום חתונתו und ביום שמחת לבו auf die Offenbarung und das Heiligthum — ״welches bald -und in unseren Tagen erbaut werden möge“ (ein frommer Wunsch des Referenten R. Simon b. G. 01er des Redacteurs der Mischnab). — Im Uebrigen bin ich der Meinung, die Jungfrauen haben die fragliehen Lieder in der Mischnah sowohl als in der Gemara überhaupt nicht gesungen. ומה היו אומרות klingt genau so wie, etwa in der Hagada: הוא אי מר J1D חכם• Wie sollten auohj die מכוצרות gesungen haben: ״Freiet um uns um der heiligen! Sache selbst willen“? Welche von den Damen werden sichj denn tür die Hässlichen gehalten haben? und von den Schönen wäre es gewiss unschön gewesen, wenn sie gesungen hätten: ״Richtet euer Augenmerk auf Schönheit, denn eine Frau ist blos der Schönheit wegen.beliebt.“ Aber der Talmud lässt die Jungfrauen so sprechen und giebt uns mit dieser sinnigen Andichtung eine geist- und gefühlvolle ethische Belehrung; denn so wie die Mischnah unter dem Hinweis aut die schöne fugendfromme Sitte der Jungtrauen die Jünglinge mahnt, nicht nach dem Augenschein, sondern nach dem Tugendwerih die Gattin zu wählen, so sucht die Gemara die Unterschiede der Mädchen nach Geburt, Rang, Stellung und äusserer Erscheinung, jede* in seiner Art and alle zusammen in einer umfassenden ethisch׳ religiösen Anschauung auszugleichen and auszusöhnen. Dr. L. P ick. Berichtigung. S. 153a ist in Anmerk. ***) Z. 2 v. u. der st. dem; S. 153b Z. 2 v. o. 13 st 131; ibid Anm. *) Z. 1 v. 0. Pesikta dr. Kniiana zu lesen. Vsiantwortl.KedacteurDr Rahuisr,Magdeburg. Druck: Bendix&Huh11, (fr D.L.Wolff')Magdeburg. Verlag:Hob.Fries», Leipzig׳