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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-10-08 · N° 41. (8.10.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 41. (8.10.1891)
Date
1891-10-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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U 41» Jüdisehes Jahrg. XI. Litteratur-Blatt. I« B<üe»rht»a« aller Jiiwltu »ad lad«■ fc.treffeade» llttararl.chen Kr- •ekalang«■ aaf den 0 •klat« der Philo• aaphle Seeehlehte, Ethaoaraphie, Theo■ lagle Orleatalla, Exeaeae, Homiletik. Lltargik a. Pädairoirlk. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Kalinier. 9T£a<j9e£u.t<j, 8. öfito6׳e׳t• 1891. Bbkv 4er LltttratHr, weicfc« der Etalett.ou saveaeidt werde■• finde■ 1■ diene■ Blette eln(Mtea1t« Ueepreehnng« <*«i Kiesenden( von iwel BeeeneionR• Kiempleren erfol(t einmalt(• knrae 6 r e 11 9 Insertion. Das ״Jfidlsehe Lltteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandlungeu (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlnngen 8 Hark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 86 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Hark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhkndler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 % Rabatt. I nhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die neueste Bearbeitung der Gabirol’8chen Philosophie. Von Dr. Krakauer. — Miscellen aus der jüdischen Alterthumskunde. Von KOnigsberger. Litteraturbericht. Recensionen: 1. ת1רה.2 ,חנוך לנערים •T 1 - I •י ותפלה, Besprochen von J. Herzberg-Bromberg. Litterarische Notizen. Magdeburg. London. London. Jomkippur•(/ H -־,; f i Unbefugter Nach ־״ au£ diesem Blatte is♦ nicht gestattet. Die neueste Bearbeitung der $abirol’schen Philosophie*) Ein doppelter tiefgehender Einfluss ist es, welchen erfahrungegemäss die fortschreitende inhaltliche Erkenntniss der bedeutsameren geistigen Erzeugnisse des Judenthums in Vergangenheit und Gegenwart, iu der Seele des Forschers hervorruft, ein Einfluss, der sich zunächst in der wesentlichen Bereicherung des eigenen religiösen und sittlichen Denkinhaltes kundgiebt, des "Weiteren aber auch, sich iu der mächtigen Anregung zeigt, welche die erkannte Form und Eigenar des geistigen Schaffens in verschiedentlioher Weise ausübt. Selbst da, wo uns ein aus vorwiegend veralteten Anschauungen gebildeter Vorstellungskreis oder klar erkenubare Irrthümer überhaupt, entgegeutreten, bleibt die Betrachtung dieser geistigen Erzeugnisse nicht ohne erheblichen Gewinn für unsere eigene Förderung, sobald wir nur einen richtigen Einblick in die Zeitverhältnisse, ein richtiges Verständniss von den bewegenden Fragen des Zeitalters gewonnen und das Maass der persönlich angewandten Denkthätigkeit erkannt haben. Nicht zu reden von der allgemeinen, so häufig zu Tage tretenden geschichtlichen Erscheinung, dass die Söhne des Judenthums, auch unter den schwersten drangsalvollsten Verhältnissen, die Schwingen des Geistes regten und das Feld der Erkenntnis« nimmer brach liegen Hessen — schon die besondere Betrachtung von dem Leben und Weben, von dem mühevollen Ringen eines einzelnen, nach geläuterter Erkenntniss strebenden Forschergeistes erweokt edle Naobeiferung, selbst dann, wenn die Gedaukenbewegung, die wissen- Bohaftliohen Voraussetzungen und Anschauungen oder gar die engeren Gebiete geistiger Thätigkeit wesentlich verschiedene sind. Einen classischen Ausdruck für eice solche tiefempfundene Förderung fiuden wir *) Die Philosophie des Salomon ihn äabirol, dargestellt und erläutert von Dr. J. Guttmann, Landrabbiner inHildesheim. Güttingen. (Vandenhook und Ruprechts Verlag.) I beispielsweise bei Goethe, der nach dem Empfange des zweiten Bandes von Niebuhrs Römischer Geschichte an Zelter schreibt: (Januar 1831) ״Eigentlich ist es nicht mein Bestreben in den düsteren Regionen der Geschichte bis aut einen gewissen Grad deutlicher! und klarer zu sehen; aber um des Maunes Willen, j nachdem ich sein Verfahren, seine Absichten, seine! Studien erkannte, wurden seine Interessen auoh die meinigen Niebuhr war es eigentlich und nicht die! römische Geschichte, was mich beschäftigte. S׳> eines I Mannes tiefer Sinn und emsige Weise ist eigentlich J das, was uns auterbaut.“ 1 Diese vorbereitenden Bemerkungen sollen nicht | nur deD in unserer Zeit vielfach verkannten hohen j Werth, welchen die geschichtsphilosophischeu Studien | auf dem Gebiete der jüdischen Religiousphilosophie I aus äusseren und inueren Gründen, in inhaltlicher i wie in methodischer Beziehung, für die denkenden Vertreter des Judenthums besitzen, wenigstens andeutungsweise darthun; sie sollen nicht nur auf die bleibende Bedeutung der im neuplatonischeu Ideenkreise geborenen Ibn Gabirol’sohen Lehre vom göttliehen Willen hinweisen, namentlich im Hinblick auf | die wunderlichen Gebilde der neuplatoniairenden I Riohtung bei Sohelling und den in sich selbst wideri spruchsvollen Begriff vom״bliuden allmächtigen Willen“, | den Schopenhauer autatellt; und aus einseitigen Eri fährungsthatsaohen zu begründen suoht; diese vorbe-! reitenden Bemerkungen sollen auch die gerechte Würdigung zum Ausdruck bringen, die die Arbeit Dr. Guttmaun's nach Form und Inhalt beansprucht, der durch seine umfassenden tiefeiudringenden Forschungen auf dem Gebiete der jüdischen Religions- Philosophie sich in würdigster Weise denjenigen Männern anreiht, von welohen das Goethe’sohe Wort gilt: ״So eines Mannes tiefer Sinn und emsige Weise ist eigentlick das, was uns auferbaut.“ Nicht als ob die Guttmann'sohe Darstellung frei von jeder Anfechtung wäre und ihr immer und überall volle und unbedingte Zustimmung gegeben werden müsste; man kann sogar in sehr wesentlichen Punkten eiue abweichende Meinung vertreten, brauoht beispielsweise, was den pauthoistisohenCharakter desGabirol’sohen Systems anbelangt, keineswegs so verwundert oder hoffnungslos von der räbhselhaften ״Zwiespältigkeit seines Wesens als Dichter und Denker“ zu stehen, wie dies bei Guttmann der Fall ist, wenn man sich an den alten Satz ex uihilo nihil fit erinnert und die entsprechenden Ausführungen Spiuoza’s über den Ursprung der Materie (Ethik I. Lehrs. 15 Erl.) iu Betracht zieht; man kann ferner Bedenken tragen, die Originalität der Lehre ibn Gabirch vom göttlichen Willen ohne Weiteres anzu-

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