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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-09-24 · N° 39. (24.9.1891) · p. Seite 154

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 39. (24.9.1891)
Date
1891-09-24
Page
Seite 154 (sequence 4)
Language
German
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S 154 — Väter. Yerf. führt in überzeugender Weise ans, dass nor der Weinban ev. auch die Obstkultnr dein Lande Export erlauben werden, während Getreide, in welchem Artikel schon längst andere Länder wie Russland nnd vor allem Amerika den Weltmarkt aas- •oh)ies81ioh beherrschen, nnr so stark angebant werden darf, am dem binnenl&ndischen Bedürfnisse an genügen. Andererseits weist er anf die jetzt schon im Entstehen begriffene Industrie hin, von der vor Allem die Textilindustrie eine grosse Zukunft hat. Vor allem verlangt Dimidow zum Zwecke der Kolonisation Genossenschaften zu gründen. Eine der allerjüngsten Kolonien (Beohowotb), welohe von 40 Familien mit einem durch monatliche Einzahlungen zusammengebrachten Anlagekapital von 280 000 frcs. gegründet worden, übertrifft besonders in socialer Hinsicht sohon jetzt die ältere Colonie Rischon Zion, und dieser Erfolg ist vornehmlich dem Umstande zu verdanken, dass sie eben anf genossenschaftlichem System erriohtet worden ist. In den jüngsten Colonien, hat sich die kapitalistische und socialistisohe Bewirtschaftung in einer solchen Weise vereinigt, und das ist von um so grösserer Bedeutung, als eben die russische (überhaupt die ost- und südosteuropäisohe) Judenfrage keine religiöse und auch keine eigentlich nationale, sondern eine sociale Frage ist. Bass der Verf. von der in der letzten Zeit in Paris begründeten ״Agrarbank“ für das Land Israel gar verwunderlich. Ebenso keine hat Notiz nimmt, ist sehr er vergessen, von einer der grössten Gefahren der Kolonien überhaupt zu sprechen. Mit Ausnahme der Kolonisten in Rösch- Piuab, welche 1882 von rumänischen Juden begründet wurde, und die ihren eigenen Scheikh wählen, sind alle anderen russische bez. rumänische Unteithauen geblieben. Diesem Umbtande ist es zuzuschreiben, dass den aus Russland kommenden Juden die Niederlassung in Palästina von der Türkei verwehrt wird. Will man sich auf türkischem Bodeu niederlassen, so muss mau vor allem doch türkischer Unterthan werden. Das ist von den meisten Einwanderern unterlassen worden, soll aber nun nachgeholt werden. Wir können jedem, der sich über die Kolonisation Palästina’s unterrichten will, die Arbeit Dimidow’s aul’s Angelegentlichste empfehlen. Die beigefügte Karte giebt ein anschauliches Bild von der Lage der bisherigen Kolonien daselbst. Auch die von Herrn Isaak verfasste Einleitung ist eine treflliche Arbeit. Nur möchten wir darin nicht ganz mit ihm übereiustimmen, wenn er den deutschen Juden iu nächster zeitlicher Nähe zwischen den Zeilen eine der russischen ähuliche Verfolgung prophezeit. Das heisst denn doch wohl etwas zu schwarz gesehen. H. L. Litterarisahe Notizen. , _ 1 Die drei exgetlschea Fragen des Herrn L. Una-Hanaa j in Nr. 37 dieses gesell. Blattes erlaube ich mir liiennit zu be• antworten: ' l I. Dass das Wort ,״ סלדewig“ bedeutet, hat, meiner j Meinung nach, weder eine etymologische, noch auch eiue aus! dem tahnudischeu SehritttUum berzuleiteude Begründung. Es ist wohl unstreitig ein jetzc nicht mehr vollständig zu erklärendes Zeichen tür die Sänger im lieiligthume. Wenn z. B. aut ein! Recitotiv eino Arie lolgen sollte, wurde dies in der Psalmen- ן Collektion und andereu prophetischen Gesängen mit dem Wörtj eben ״Selah“ angedeutet, ganz besonders, wenn Schlussworte > im Liede ausklingen sollten. — Was nun die beiden Worte J סלה כאמת in dom Gebetstücke אהכד. רכה betrillt, so halte I ich das erstere Wort tür den Schluss des Psalmverses 84,5 und das letztere Wort lür das Schlusswort der Psalmstelle 113,18. j Beide Psalmverse, deren Schlussworte im Gebete noch erhalten , sind, mochten zur Motiviruug des Gebetes angefülitt gewesen I sein zur Gaonäer-Zeit, in welcher das geistige Leben im Lehr- ן bans« sieh ooncentrirt hattem^Die Einheit des religiösen Beiligtbnms in der aut der ganzen Erde serstTenten Glanbensgemelnsehaft war «war verloren gegangen, aber depnoch, Herr, hast Du uns Deinen heiligen Namen nahe gebracht, der über der Lehr- und Andachtstätte waltet, (Heil denen, die in Deinem Hanse weilen, sie loben Dich immerdar! (סלה)■ Da bist ja, Herr, Allen nahe, die Dich in Wahrheit an rufen (כאמת) Je weniger Glanz nnd ehrtarchtsgebietende Herrlichkeit in den schlichten Bäumen der Erbaunng and Belehrung gewaltet hatte, desto grösser und inniger war die begeisterte Liebe (אהבה) zu dem Allg&tigen, ״der sein Volk Israel in Liebe sich erwählte.“ IL Rascbi erklärt den Psalmvers 62,10 zunächst in wort- und sachgemässer Erklärung (פשט) und denn in traditioneller Auslegung (מדרש) Diese Letztere enthält allerdings, des Wörtchen זמרת und hat Bezug aut eine Talmndstelle Brubin 63a, in welcher die ersten Menschenpaare. Adam und Eva, Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, Jacob und Leah angeführt werden. Der Sinn des Psalmtextes wäre sonach : Wenu alle Menschenkinder, die niedrigen, wie die vornehmen, aut die Waage gelegt werden, um nach ihrer Ilerkuuit. von Ahnenpaaren beurtheUt zu werden, das Ergebnis wäre ein nichtiges. III. Die Stelle Hosen 4,19 betretlend, herut't sich allerdings Raschi auf einen Midrasch Tanclmma Dieser ist. in dem Adschnitte נשא zu finden, und wilrdo sich, nach der Auslegung desselben, die obenaugeliUirte Stolle, parallel mit Sprüche!! Salomo’s 30,4, aut Go’t beziehen lind zu übersetzen sein: ״Der tlerr lässt sie von den Fittichen des Wiudes erlassen“ Dr א. — In Rascbi zu Psalm 62,10 ist הוללס הזוגות die betreffende Stelle findet sich Pesiktn dr. Habana ed. Bubor pag. 153 b .,. אך דבל כני אדם כזב וכו׳ כנוהג שבעולם הכריות אומרים פלוני ישא פלונית אך הבל בני אדם פלונית תשא פלוני .כזב בני איש. במאזנים לעלות המה מהבל -יחד עד שהן עשויין הבל ממעי אימותיהן הם יחד. den bei Buber in den Noten vorzeichnoton Parallelen siml hitizuzul'ügiui: J<tuschalmi ed. Krotoschin Taanith tolio Old uud t»l> l>; Kothuboth folio 24 d. Gelegentlich erlaube ich mir dio Deinoiknng, dass dio Be - Kauptungdes^ רב יהודה אמר! dass 40 Tilge vor der Getim t oinos Kindes verkündot werde, wen es hoir.itheu soll (Bald! Bola 2 a Moed Kntan 18b und Synliodrin 2a) meines Erachtens darauf douto, dass die Ehen 40'1'ago lang aut geboten wurden. (Alu Text, zu einer Predigt gegen dio geschältsmüSHigu lloiratlis- Vermittelung siehe Genesis Rabha oap. 53 ed. Wi'na 1878) Gold 111 hu. — Bezüglich der Frage des Herrn Una in Hamm liudot sich die Autklärung der Beziehung Raschi'.s aut 1ונות zu Ps. 62,10 im Midrasch 1t. zu 111. m. Emor c. 29 בנוהג שבעולם וכד ed. Jcruschalmi zu Bczah O. 5, llalachah 2, . ,*, ,צחלפא?'ביתד במאזנים לעלות ... שלא יקדמנו אחר und m! andern st11״uu. W lener. * — In einer der jüngsten Nummern des ״Farn.-I’i.“ (36) mach t Herr Dr. Naschir interessante Mit! ei lang über dio bullen hochorthodoxen Talmudherouu lt M. Benedikt und 1t. M. Solor s. A. und ihrer Schulen Auch ich möchte aus der rabbinisciien Praxis dieser gefeierten Kabbi’s zu Nutz und Frommen des Nachw&chses Einiges mittheilon. Der sei. JUbb. Fassol berichtet in der Vorrede zu dem Buche vor! Brecher und Steinschneider über ״die Boschneiduog,“ dass R M. Benedikt wegen Gewissen- Skrupels an dein Stücke מדת הרד מים עלינו דהגלנלי Veränderungen vorgeuommen hat. Anderswo las ich, dass R. M. Sofer den Pismou מלאכי רחמים bei seiner Gemeinde nicht habe beseitigen keimen; doch um seinen Unwillen darüber Ausdruck zu gehen, ,hab׳ er sich, wenn die Gemeinde das Stück recitirto, iu demonstra tiver Weise abgewendet mit dom Rücken zur Gemoindo. Doch wie es sich mit diesem Bericht auch verhalle, iu seine 1 Gutachtensammlung zum Oracli Uhajiru Ga. 16'i losen wir Folgendes: R, Löwe aus Prag verlangte, dass die Sätze מכניסי רחמים nicht gesprochen werden, di wir mit duu Engeln al Vermittlern des Gebets gar nichts zu schallen haben, vielmehr Gott selbst die Stimme des Gebets erhört. Als seine eigen! Anordnung fügt er hinzu: Auch der Pismoa מלאכי רהמ״ם nnd dio üoiichah שלש עשרה מדות האמור׳ בחנינה »ina z! beseitigen. Eine interessante Parallele bieten dio Worte Chabibs in En Jacob zu Schabb. s. 12 b. :יון שהוזהרנו שלא להכניס זום אמצעי בתפלתינו יש להפלא... ורחמנא ליצלן מלחשוב זצריך המתפלל לבקש מלפנו מ״ה ובו׳ Und doch finde ich leider selbst in von fortschrittliche Theologen redigirton Gebetbücher die von jenen hochorth׳ doxen Rabbinern desavouirte Gebettormein boibehalten. Oppeln. Dr. Wiener. i ייז ■י־, 1. f« י ח ן r י.

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