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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-09-10 · N° 37. (10.9.1891) · p. Seite 146

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 37. (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
Seite 146 (sequence 4)
Language
German
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146 « erklärt sich aber auch die Liebe des Menschen zur gesaminten Schöpfung des unerschaffeneu Gottes. So weihen wir den Boden dem Herrn, üben Schonung mit den Pflanzen und Thierec, heiligen den Ruhetag auch für den Knecht und die Tbierwelt. Aus der Liebe zu den Meeschen fließt die Milde im Strafrecht, die fast bis zur Unmöglichkeit gesteigerte Erschwerung der Hinrichtung und — auch im Civilrecht — das Verbot der Verurtheilung in Abwesenheit des Betreffenden. Aus der Menschenliebe erfliesst das diä• I tetisebe Gesetz für Menschen, welches mit der Gesundheitspflege der Thierwelt Hand in Hand geht, das Gesetz der Reinigung und Heiligung des häuslichen j Herdes, die Weibe der Ehe, die Fürsorge für Weib j und Kind und die Vorbildlichkeit des Priesters in; der Ebenbildlichkeit Gottes auch hinsichtlich der : Makellosigkeit des Körpers. Um diesen Mittelpunkt der Nächstenliebe kreist nun in der sechs-gliedrigen! Architektonik der Mischnah und des Talmuds der I gaüze Lehrgehalt des Judenthums. Das entspricht der j Anschauung R. Akib&’s und erschliesst zugleich den; Gedankenquell der Sitten Weisheit Spinoza’s. Für ״Ideen zur Entwicklung des Gebotes der Nächstenliebe“ aber gewinnen wir in der Sohrift recht viel Anregung. Freilich möchte ich die Abschaffung der Gebetsformel bei Darbringung des Zehnteu (Deut. 26, 12—15) in der Makkabäerzeit, nicht wie der Verfasser (Seite IG) damit begründen, dass die zarte Rücksicht auf die Fremdlinge, die Edomiter, es verboten hätte, von einem Boden zu sprechen, den der Herr uns, den Israeliten, verheisseu hatte. loh denke vielmehr, der Fremde, welcher gastfreundliche Aufnahme in einem fremden Lande erlangt, dessen Rechte er im weitesten Umfange geniesst, hat erst recht die Pflicht, das Land das seinige zu nennen und mit der neuen Heimath sich innig in Gemüth und Geist verbunden zu fühlen. Hier vermochte ich in der tiefen Wurzel nicht die Nächstenliebe zu entdecken. — Auch scheint mir das (Seite 34, Note 3) angeführte Citat nicht aut das | Schlacbftn der Thiere, sondern anf die Vollstreckung 1 des Tcdesurihtils au Menschen an wendbar zu sein; (!בדור לו בדתי! "פד). Dennoch ist die Schrift im Ganzen j recht zeitgemäss und leseuswerth. Dr. N. j Litterarische Notizen. Seine Übrigen im Druck erschienenen Werke sind nach Lippe’s ״Bibliographischem Lexikon‘: 1. Raschi zum Pentateuch, übersetzt, erläutert und mit einer Einleitung versehen, Prag (183 —1838). ‘2. Ehrensäulen und Denksteine zu einem künftigen U Pantheon hebr. Dichter etc., Wien 1837. 3. Zur Kenntnis« der ■ Deuhebräischen Poesie, Frankfurt a. M. 1842. ' 4. Rabbinische ■ Blumenlese, Leipzig 1844. 5. Linerarische Mittheilungen Uber 1 die ältesten ExegeteD, Stuttgart 1844 6. Die grammatikalischen , 1 Schriften des Jebuda Chaijug, Franklurt a. M 1844. 7 Beiträge V z. öesch. d ältesten Auslegung u. Spracberklärung des A. T. J (In Gemeinschaft mit Ewald) Stuttgart 1844. 8. Kontresa ha-^ Masroreth, Tübingen )845 S. Handschriftliche Inedita etc u^■ Proben aus Eben Bochan, Esslingen 1846. 10 Nachbiblisch Geschichte der hebr. Sprache ibid. 1816. 11. Elegie aut degH Tod Meier Joseph, London 1847. 12. Ginse Oxford (in G«. meicschatt mit Edelmann) London 1850. 13 Nachal Kedumim, Hannover 1883. 14. Schire Schelonio, Hannover 1H58. 16. Salomo ben Gabirol aus Malaga, Hannover 1860. 17. Philosophische! aus dem X. Jahrhundert, Rakel 1868. L. Cohen-Rees a. Rh. Exegetische ■Iscellee. 1. In allen Ausgaben unseres Siddur sind in dem Gebet■ stück ,אהבה רבד die Worte סלה באמת von dem folgendes להודות לך durch Punkt oder Komma getrennt; auch in der Ahaba. welche am Sabbath זor dem Wochenfeste und am Sabbath ptn in denSynagogen gebetetwird, finden wir dieselbe Abtheilung, ohne dass eine nähere Begründung dafür angegeben wird. Da aber das Wörtchen 0לה■ welches nach Erubin 5.'a mit ״ewig“ (צולם ■יצר נצח) gedeutet wird, in den Psalmen immer am Ende des Verses steht, und nur an 4 Stellen in der Bibel in der Mitte, nämlich P3. 55.20, 67 4, F־','«kUk 3..9 יי, aber auch da mit dem trenuenden Accent 0 ° ’התאhald.-8terwähnter Stelle mit ■צולה דורך bezeichnet so mfve es wohl richtiger sein, ahzutheilen: ,וקרבו. ־שנו! הגדול סלה (vg1. p*. 73.28),■ ״ באמת לחולות לךinWahrhw.t Dir »u danken, (nach P8.14518) und Deine Einheit auszus׳ ׳echen in L i e b e“ (וליחדך באהבה),■ wie wir solches in שמצ und לאהבת bekunden. Der Paralle-? « ז ״ » lismus membrorum spricht für diese Auffassung. (Dann hätte aber wohl das כאמת nach stehen müssen. Red.) 2. Icn Psalm 62,10 erklärt Raschi: ,Hauch sind die Adamsöuuo, Täuschung die Sühtui d< 3 Mannes, wenn eie auf die Waagschale kommen, so ni!.d sie und ihr eitles Thun gleich. Der Midrasch erklärt die .Stelle in Beziehung aut זוגות•“ — Wo findet sich dieser Midrasch? Nimmt der Midrasch Bezug auf die Stelle Pesachim 110a, nut Sota 8a kann es nicht bezogen werden? 3. Kos. 4.11(. ,.Der Wiml r.aflte sie mit seinen Fittigen.“ Raschi nimmt zu Kap 5 1 erklärenden Bezug auf den vorhergehenden Vers und führt den Midrasch Tauchutna, Rabba und Sitri an, dass daselbst der Ausspruch sprüchwöi tlich aüfgetasst wird. (Im Deutschen winde man etwa sagen: Ich habe es euch aut das Kerbholz geschrieben!) In den gekannten Midraschim findet sich meines Wissens gar Nichts der Art. Wo ist diese Erklärung zu finden? L. Una-Hanau. Ule Schriften Leopold linkes‘. Mit dem jüngst im hohen Alter verstorbenen Dukes ist einer der fruchtbarsten SchriltsteHer aus dem Lebeu geschieden. Was dieser auf dem Gesammtgebiete der hebräischen und j jüdischen Litteratur geschallen, e>mangelt bis heute noch einer vollständigen übersichtlichen Zusammenstellung. Ein grosser Tlieil seiner Geisteserzeugnisse ist in den bedeutendsten jüdischen Zeitschriften und Sammelwerken uiodergelegt. So enthält u.A. das ״Litteraturblatt des Orient“: Vorläufige Notiz über Dunasch j ben Labrat; Notiz über die änsser.n Formen der Pjntim; Bibliographische Notiz über verschiedene Ritualien; Litterarhist, rische Mittheilungen; die Gnomologio, Isaae ben Elieser, Jelmda ben Balaam, Schire ha-Jiehud. Frankels ,Monatsschrift“ (1.-57) enthält: Einige kritische Bemerkungen zu den angeblichen תרי״ג מצות J es R. Saadja Gaon, Jebuda nl-Charisi als Kritiker (1850). Glossen zum Selor ha-Gan und Proben aus dem Bache *,שלשרת בס des Kaspi etc. enthält Blumpiifeld’s ״Ozar Nfchmad“ II!)857). Auch Loew’s .,Ben Chananjah“ und Kol ak’s ,..Teeei, urun“ enthalten schätzbare Beiträge von demselben. Dukes gehörte auch zu den ältesten Mitarbeiten! des ,,JcU'ish Chionicle“, dessen altem Jiihrgänge zahlreiche wenh\011e Beiträge aus seiner Feder bringen. Die englische National- Bibliothek besitzt von!hin einen werthvolleu nandschrittlichen Catnlog über ihre Mnnuseripte mit gelehrten Anmerkungen und Notizen. Mit dieser Aulsiellung ist jedoch das Verzeichnis.« seiner derartigen Arbeiten durchaus nicht erschöpit und kann eine Ergänzung desselben erst nnt einer etwaigen lleiausgabe oder Aufzählung seiner■ nachgelassenen Schritten erwartet worden. , Hebräischer IJtterafnr »Verein ״Mekize Nirdaiuim“. Der Vorsitzende dieses Vereins, Herr Dr. A. Berliner (Berlin, Krausuickstr 81!alet zum Abonnement auf den siebenten Jahrgang ein, in welchem folgende Schriften edirt werden sollen: 1. Schluss-Lieferung des Mischnah-Commentars zur 6. Ordnung. 2. Schluss-Lieferung der Hilcliot-Gedoioth, Einleitung und Register zum ganzen Werke enthaltend. 3. Bisher unedirte Kesponsen des R. Meier Rothenburg, bearbeitet vom Seminar-Pro’essor, Rabbiner M. Bloch in Budapest. 4. Machsor Vitry, 2. Thoil. 5. Bisher unedirte Schritten Saadia Gaons, aus Petersburger Handschriften herausgogeben von Dr. A Harkavy. 1j. Das grosso Bach der Frommen, nach der Handschrift in Parma. Es wird nunmehr vou den Mitgliedern dio ungesäumte Einzahlung des Jahresbeitrages mit zehn Mark erwartet. Den neu Eintretenden soll der erste Theil des Machsor Vitry, in 2 Lieferungen bestehend, so weit der Vorrath reicht, tür den billigen Preis vou drei Mark abgegeben werden. Dieser Verein, der nach dem beigegebenen ״Rechnungen Abschluss“ leidernochkeine ll'OMitgiiedei zählt, verdient wahrlich regere Betheiligung und Unterstützung zur Förderung der hebräisehen Litteratur. — Mögo er auch in diesem Sinne ein .Eiwecker der Schlummernden“ sein! (Red.) Verantwortlicher Kedacteur Dr. Kahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wollf, Magdeburg. Verlag vou Robert Friese, Leipzig, t

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