Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 36. (3.9.1891)
- Date
- 1891-09-03
- Page
- Seite 142 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Aus dieser skizzirten Schilderung geht zur Genüge die ]Reichhaltigkeit des Jahrbuches hervor, das uns von allen jüdisch-frauzösischen Verhältnissen ein kurzes und übersichtliches Bild gewährt. Dem zukünftigen Geschichtsschreiber wie dem Israeliten der Gegenwart ist dieses ״Jahrbuch“ von unschätzbarem Werthe. Anger ehm berührt es euch, dass der Verfasser diesmal jeder Polemik religiöser Zustände anderer Länder sich enthält und auch vom Chauvinismus Deutschland gegen• über frei ist. Druck und Ausstattung sind gut. Dr. Blumenstern-Luxemburg. Adler, Fev. Dr. Hermann. The Ideal Jewihs Paator. A. Seimon. preached on June 23. 1891 on the occasion of his Installation. London 1891. ״Wer den Dichter will verstehen.■muss in Dichters Lande gehen.“ Zur gerechten Würdigungder vorliegenden Installationsrede ist es daher unbedingt nothwendig, sich 1m Geiste an den Ort und in den Zuhörerkreis zu versetzen, wo diese Worte gesprochen und gehört wurden. Bei der glühenden Begeisterung, mit welcher der bewahrte Kanzelredner, dem das geistige Wohl einer Glaubensgenossenschatt anvertraut ist, deren Glieder hier 5 Erdtheile vertheilt sind, das Ideal eines iüdischen Seelenhirten gezeichnet hat, ist es demselben auch im höchsten Grade gelungen, ankDüptend an Exodus 28.30 (zweite Vershältte) das Ideal einer jüdischen Predigt 1 darzubieten. Das war nicht ein Kranz hnntschimmernder Rede- I blumen, der als captatio benevolentia dem gewählten Auditorium hä*te gereicht, werden müssen, um die Herzen zu gewinnen. Kannte man doch den Redner aus seiner 27jährigen Thätigkeit aut Kanzel und Lehrstuhl und peliörten ihm doch schon längst die Herzen Aller, die auf seirvu hohen Posten ihn betuten hatten. Das waren Ergüsse aus der innersten Tiefe eines IIanuesherzens, der seiner nohen Verantwortlichkeit, Gott und Menschen gegenüber, sich vollkommen bewusst ist, der sich nicht verhehlt, wie schwer die Last ist, die Gott aut seine Schultern gelegt und bescheiden, wie sein erhabenes Vorbild, unser grosser Lehrer Moses g. A. gern bekennt לא א״בל אנכי לבדי לשאת את כל העם היה כי כבד ממני, Worte, die das Herz ergreiten mussten, weil sie aus dem Herzen kamen. Solche Worte nun, gesprochen vor den höchsten Würdenträgern des Reiches und der englischen Metropole, vor den Edelsten j seiner Glnubensbrüder, und besiegelt durch das heilige Gelöbt :ss, I lür Wahrheit und Frieden alle Krätte eir,zusetzen und nach 1 dem Beispiele scn.1i־ grossen V, rgänger 1!)(schlossen den Kampf zu iüliren lür Gott und Israel, wollen — 8011 ihr Eindruck voll empfunden worden — selbst gehört, wenigstens aber selbst gelesen sein. Rees a. Rh., 27. August 1891. L. Cohen. Dr. H. Friedländer. Bei den socialistischen Sekten des Judenthums im letzten vorchristlichen Jahrhundert. Wien 1891. Kl. 840 .״ S. broch. Eine anziehende DarstrUungsweise bewirkt, dass jedermann das Büchlein gern lesen und Nutzet) daiaus ziehen wird, obschon vom wissenfchattli« hc )1 Standpunkte sich vieles gegen den i Inhalt desselben einwenden liesso. Nicht nur, dass schon an j und lür si> h ilie Bezeichnung ״gocialistisch“ bei den Es.-äern! und Therapeutin besser durch ״kommunistisch“ ersetzt würde, I muss man nncli gestehen, dass Verlasset׳ insofern einen unhaltj baren Standpunkt, einnimmt, dass er nur einlach Alles das ohne 1 irgend welche Kritik zusammen&tellt, was philosophirende Alexandriner und tendenz.öse Kirchenschrittsteller zusammengeschrieben und gelabelt haben Mag man nocli 80 sehr Gegner einer nur negativen Kritik sein — und Rec. muss gestehen,! dass er selbst deren schärfster Gt gner ist —so dart man doch : darum noch lange nicht alles i1(׳eu11 wie und dazu noch schlecht IJeberlieterte ohne Kritik sls Wahrheit hinuebmen. Es kommt noch hinzu, dass Verf leider einen rem leligiösen Standpunkt! einnimmt, und deshalb nicht beachtet, daas alle religiösen Be׳ wegungen Bolzen politischer Ereignisse uud Kombinationen sind, zum mindesten aber stets von denselben stark beeinflusst weiden. Die ucuer6 Theorie, den Essenisiuus nicht aus dem Pharisäismus oder Hellenismus, sondern aus dem Sadducäerthum her/uleiteu, wäre d.ich mindest ,ns einer Eiwähnung werth gewesen, wei 11 auch der Verl, eine solche Meinung nicht tbeilt. Doch der Herr Verl, scheint vor Allem die Absicht gehabt zu ' haben, weniger eine streng wissenschatt liehe, als vielmehr eine populäie unu interessante Lektüre dem Publikum darzureichen, und da müssen wir denn gestehen, dass er dieser seiner Autgäbe iin höchsten Grade gerecht geworden und emplehlen wir von diesem Gesicbtspunkte aus dns Büchlein allen unsern geseb. i Lesern als!echt interessante Lektüre. L. i Litte rar ische Notizen. Zur ehemaligen Jomkippur-Feler. Eine einfach« Lösung der von Hm. Rabb. Dr. Wiener in dem gesch. Litt.-Bl. vom 23. vor. Mts. citirten befremdlichen Versöhnungstag-Zusammenkünlte der jungen Welt in Jerusalem theilte ich vor vielen Jahren einem gelehrten Freunde in Prag mit, der mir vollständig beipflichtete. Vielleicht wird sie auch den lieben Nestor in Oppeln befriedigen. Hier ist sie in aller Kürze: Thatsächlich spricht der betreffende Miscbna-Text (Thaanith 28b) so wie die Parallelstelle (B. Batbra 121a) nnr von Jungfrauen. Davon, dass an diesen Zusammenküntten auch die Jünglinge activ theilnahmen, ist keine Rede. Die Sitte trägt einen durchaus religiösen Charakter. Es ist eine Art Nachfeier zum Sübnekult des heiligsten Tages im Jahre. Der Massen- Gottesdienst im Tempel ist zu Ende. Das gewaltig-schöne Finale der vom Grosspriester celebrirten Andacht verfehlte niemals sein« wunderbaie Wirkung. Die versammelten Myriaden Volkes verlassen die Tempelhöte in gehobenster Stimmung Die Sünden alle und Aller sind gesühnt und vergeben! In jedem Herzen dämmet ts wie ein paradiesisch Morgenroth. Jetzt galt’s. wie im Eden der Urzeit, rein und weihevoll das bräutliehe Verhältnis anzuknUpten. Hierin liegt der Schlüssel zum Räthselliatten des ganzen Vorganges. Der Reigen und der Hymnus tragen den Stempel des heiligen Ernstes nnd unverlälschter Sittsamkeit. Au einen hedonischen Kalt ist gar nicht zu denken. (Selbst das Addendum in der Gemarah (Taanith 31a) מ■ שאין לו אישה נפנה לשם beweist in seiner ganzen Knappheit nur so viel, dass ledige junge Männer diese Gelegenheit als eine Art Brautschau benützten. Von Unziemlichkeiten konnte da Nichts Vorfällen. Die Jünglinge waren wie das unzweideutige נפנה לשם besagt, nur passive Zuschauer. Und wie idyllisch rein ist das לחו מקהכם לשם שמים und wie neckisch unschuldig das תעטי״נו בזהובים Die noch jetzt weitverbreitete Sitte in Israel, dass der Bräutigam unmittelbar vor der Trauung das Bekenntnissgebet des V ersöhnuugstages verrichtet, ist meines Dalürhaltens aut den hier erörterten schöneu Brauch zurückzuführea. St. Louis, 12. August. S. H. Sonnenschein. Chronologisches. In dem Artikel der vor. No. ״Die Juden in den Gerichtsbiieteu des Mittelalters“ befinden sich folgende chronologische Irrthumer: S. 135, Sp. 2, Z. 34 heisst es: dlo. 13. Nissan 6187 24 April 1427. — Der 13. Nissan 5187 war am Donnerstag, den 10. April 1427. — Das Datum de: Urkunde II aut S. 136, ddo. 1473, 29. März stimmt nicht zu dem Datum der Unterschritt aut S 137 ״amb Ireytag vor Sand Philipp und Saud Jacobstag “ Letzterer tällt aut den 1. Mai. welcher iin Jahre 1473 am Sabbatb war; der Freitag vorher tiel also aut deu 30. April;*; der 29. März aber war am Montag. (*) Vgl. die Berichtigungen. Red.) L. Uohen-Rees a. Rn. London. Die ״Scottisli Review“ enthält einen Artikel von Major Conder über ״Die Juden im Orient“. London. Wie verlautet, ist Rev. Joseph Kohn Zedek mit der Herausgabe einer Geschichte der Juden in England, die Zeit vor der Austreibung, so wie die von der Rückkehr der Juden unter Menasseh ben Israel bis zur Gegenwart umfassend, beschäftigt. Das Werk erscheint in hebräischer Sprache und soll ein Prospect demnächst versandt werden. Berichtigungen In vor. No. habeu sich durch Unleserlichkeit des Manuscriptes aut Seite 1, 2 und 3 nachfolgende Fehler eingescklichen: S. 105 Col. a Z. 17 v. u. ist 8t. über nommen ״eingenommen“, Z 29 v. u. st. No. z. lesen ״de dato“, Col b Z. 19 v. u. 1. ״Marcliburkh“, Z. 31 v. u. 1. ״Niwenstadt“, Z. 38 v. u. st. No. ״de dato“, S. 136 Col. a Z. 13 v. o. st. 8. 1. 6. Jänner, S. 136 Col. b Z. 12 v. o. Z. 12 v. o. st. peef u. chring 1. ״pree “ u. ״chrieg“, Z 13 st. hnn 1. ״hru“ (Herrn), Z. 14 st hrr u.chamtnerr ״hrr“u ״cl1araerer“,Z.268t. chamerr l. ״chamrre1', Z. 27 st. umb 1. ״und“, Z. 28 st. darneben 1. ״darüber“, Z. 29 st. peef 1. ״preet“, Z. 30 st. Mnpeln ״Cbappeln“, Z. 33 st. peet ״preet“ 1 Briet), Z. 34 st. 200 jar 1. ״in dem 98. jar“, Z. 43 8t. Geltsaumtbriel' 1. ״Geltschultbriet“, Z. 50 st. Gernabbrief 1. ״Behabbrief“, Z. 51 st. Beund 1. ״Beued“, Z. 09 st hueten 1 ״guelten“, Z. 80 st. obgenaunten 1. ״obgenanter“. — S. )36 Z. 1v. u. u Cul. 11. / 45 v. u. soll es heissen: 30. April 1473. Von Rahm er’s •!isp. Predigt• Magazin“ sind einzelne Jahrgänge und Helte — soweit dielben nicht vergriflen — zu ermässigten Preisen zu beziehen durch Die Expcd'tiou d. ״Isr. Wochenschrift“. Die 3 Bogen ״homilet. Beilage“ pro III. Quartal werden diese Woche versandt. '— Die nächsten He te bringen Predigteu zu den hohen Feiertagen uud gelangen am 15. dies. Man. au die Abonn. des IV. Quart, zur Versendung. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolft, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.