Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 35. (27.8.1891)
- Date
- 1891-08-27
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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138 — Meisters der Agada, Dr. Ad. Jellinek, eine Schrift herausgegeben, weiche Reflexionen über Stellen ans dem Psalmen-Midrasch (Schocher Tob) vorführt. Diese Betrachtungen haben den Vertreter wissenschaftlicher Studien und Vertbeidiger philosophischer Religions- Anschauung — während der Zeit- und Streitperiode Adereth’s gegen Moses Maimonides —, den Dichter undDenkerJedajahb.AbrahamPeninijgenanntBedarschi (ausBeziers in der Provence), den Verfasser des philosopbischen Lehrgedichtes □מ) בחינת עןך Betrachtungen über die Welt“), zum Autor. Der Herausgeber hat mit der vorliegenden Veröffentlichung eines Geistes- Produktes eines jüdischen Dichters und Dichtersohnes aus dem 14. Jahrhundert seinWort eingelöst, der von ihm jüngst edirten Psalmen-Midrasch-Ausgabe diese ״Erläuterungen“ folgen zu lassen. Aus der bio- und bibliographischen Einleitung des Herausgebers erfahren wir, dass diese Schrift nur einen Theil der bandschriftlichen Collektionen aus der Bibliothek des Herrn De Rossi (No. 222) in Parma enthält, uud über den Verfasser R. Jedaja Peniui sowohl das Geschichtswerk des Prof. Dr. Grätz (III. B., 8. 277) als auch die Einleitung zum Werke ״Bechiuoth Olam“ von Rabb. Josef Weisse (Vägejhly) belehrenden Aufschluss ertheilt. — Auch ist es interessant (S. 6) zu erfahren, dass Dr. Zunz in seinem Werke ״Zur Geschichte uud Litteratur“ (8.4(37) anführt, der Philosoph R. Jedaja Pinini hätte eineu Commentar zum Psalme11*Midrasch verfasst, mit welchem wir eben uns jetzt beschäftigen. Man kann die in eiuem arabisirt - rabbinischen Style abgefassten Betrachtungen eigentlich doch keiuen Commentar nennen, sofern die Textstellen den freien philosophischen Reflexionen mehr zum Relief dienen, als zum Mittelpunkte, um welchen die ״Erläuterungen“ sich bewegen müssten, wenn sie diesen Namen verdie!.en sollten. Es thut das übrigens dem Werthe der Veröffentlichung nicht den geringsten Abbruch, vielmehr verbirgt sich in der Schrift unter einer sehr spröden Hülle ein kerniger philosophischer Gedanke. Das Werkchen hat demnach mehr religionspbilo- 60phischen als exegetischen Werth. Es lag eben in der au Moses Maimonides’ Moreh Nebuchim angeknüpften Lehrmethode der Zeit, die Philosophie aus der heil. Schritt herauszuexegisiereu, anstatt in die Exegese sich hineinzuphilosophiren, welche Richtung erst mit Spinoza’.« theologisch-politischem Traktat herrschend geworden war auf dem Gebiete der religiomphilosophischen Wissenschaft des Judenthums. Vom exegetischen Standpunkte aus würden z. B. Midrasch-Stellen wie (S. 19): ״So weit auch der Himmel von der Erde ist, so dringt doch ein schlichtes Gebet von geheiligter Stätte bis in die höchsten Höhen, in welchen der Herr thronet“ oder (S. 20) ״Ist wohl der Herr Allen nahe, die ihn anrufeu? doch wohl nicht denen, die nicht in Wahrheit beten, sondern Allen, welche in Wahrheit Gott anrufeu“, endlich (S. 21) ״Denn ich bin so arm und dürftig“. ״Herr, sagte der König David damit, wenn ich auch arm bin an der Kraft mich auszudrücken, so blicke doch dafür in’s Herz, das erfüllt ist von Dir“ und viele andere Stellen, die an sich reich sind an Innigkeit und herzerhebender Schönheit, nicht erst des Commentars bedurft haben. — Vom philosophischen Standpunkte aus aber sind die um die Texte sich gruppireuden Reflexionen wohl motivirt. Der Inhalt, der Betrachtungen aber wurzelt in der Idee, dass Gott in seiner Unkörperlichkeit uud Ewigkeit ein die menschliche Erkenntnis« unendlich überragender Gedanke ist (S. 21), die Vertiefung in die Gotteslehre die höchste Seligkeit bietet (S. 20),! die sittliche Erkenntniss aber die sittliche That bedingt (S. 23). Nur durch Wissen und Leben im Göttlichen1! fühlt. derlMenscb, der den Strahl (שפצ> des Himmels in seinem Innern trägt, sich mit Gott inniglich verbunden, und die Idee, die von Gott stammt, wird zur vollendeten Thathandlung des menschliehen Geistes verarbeitet (S. 16). Im irdischen Leben | unterliegt der Mensch trüben Vorstellungen, über der Nothwendigkeit zur Freiheit, über den irdischen Schranken zum ewigen, klaren Gedanken erhebet die | Gottesgemeinschaft (S 21). Diese Gottesgemeinschaft ist die Bedingung zur Unsterblichkeit (S. 29). Unsterblichkeit ist eben Erhebung des Menschen vom Stoff9 , zum Geiste (S i 0). Dr. N. Litterarische Notizen. Rerlln. Wie uns von gu tun terrich toter Seito mitgetheüt wird, beabsichtigt Herr Dr. B. Koenigsbereer seine Bear, beitung des sog. 1וטא ""SC (eig. ספרי דבי רב), die sich au{ den handsidirittliehen מדרש הגדול stützt, demnächst der Oellentlicbkeit zu übergeben. Es ist eine sehr werthvolle Arbeit. (Das Werk wird in Lieferungen erscheinen; Näheres darüber wird die nächste Nuir.mer bringen) Egyptologisches Herr Dr. Naville, der Entdecker von Bubastis und der Vorrathsstadt Pithora hat die Resultate seiner Forschungen, durch welche es ihm möglich wurde, die Identität auch anderer Städte und Districte Egyptens, besonders , solcher, welche zu dem Auszuge der Israeliten in naher Beziehnng stehen, testzustellen, der Oeflentlichkeit übergeben. : Ende .)uni d. J. legte er diese seine Arbeit einer der grössten j Versammlungen, welche je von dem Victoria-Institut zu London veranstaltet wurde, vor. j Zur Illustrirung seiner Mittheilungen legte Dr. Naville; auch eine kunstvoll gearbeitete übersichtliche Karte vor. Nach | seiner Entdeckung war Suckoth nicht eine Stadt, wie man bisher annahin, sondern ein District. Nach einer inPithom j entdeckten höchst schätzbaren Inschrift unterliege es keinem Zweitel mehr, dass dieses das griechische Heroopolis war, von wo nach den Beschreibungen des Strabo, Plinius, Agathemeron und Artemidorus Handelsschiffe nach dem arabischen Meerbusen j segelten. | Diese Ansicht stimmt auch mit den Resultaten der neuesten j wissenschaftlichen Forschungen überein, nach welchen eine ' allmahlige Bodenerhebung stattgefunden hat und das Rothe ן Meer einst bis an die Mauern von Pithom reichte. Dies ‘ muss vor ungelähr 3000 Jahren der Fall gewesen sein. ■Siv William Dawson und der französische Ingenieur Linant halten sogar dafür, dass das Meer sich noch weiter nördlich; erstreckt hat. Der zunächst \ on Herrn Naville angeführte Ort war Baal Zephon. Zur Identiiicirung desselben dienten ihn» einige in , jüngster Zeit entdeckte Papyrusinschriften, welche bewiesen, dass Baal Zephon nicht eine Stadt oder ein Dorf, sondern ein Schrein oder Altar des Baal war, welcher zu einem berühmten Walluhrtsziele wurde. Andere Orte waren Migdol ן und Pi Hachiroth. Auch bei diesen leistete oin Papyrus! ihm wesentliche Dienste: es schien ihm wahrscheinlich, dass das ״Serapeum" das egyptisehe Maktel oder Migdol war und er bedauerte es sehr, dass eine vor wenigen Jahren dort autgefundene Tafel mit zweisprachiger Inschritt vor ihrer Ent- Zitierung zerstört worden war Diese für Bibel- und Geschichtsforscher hochinteressanten Mittheiluugen wurden von dem gelehrten Auditorium mit wohlve'dieutem Danke entgegengenommen. Paris. Derb. Theil des von Adol p he Hatz tel d, Arsene Darmestetter u. Antoine Thomas herausgegebenen ״Dietionnaire general de la langue fran<,'aise“ enthält zu dem Worte ״Gabale“ eine Erklärung, nach weichet dasselbe von dem hebräischen ״Kabbalah Tradition Ueberlieferung■‘ abgeleitet ist. Mit Recht wird die sonderbare etymologische Deutung dieses Wortes, welches nach britischen Gelehrten aus den Anfangsbuchstaben der Wörter Gliff'ort, Aschley, Buckingham, Arlington uud Lauderdale gebildet worden sein soll, verworfen. Es ist hier jedenfalls das Wort ״Cabal1־ statt ״Cabale■1 gemeint. Unter König Karl II von England (ll>66 — iG70) bestand das sogenannte G aba 1 - Ministerium, so genannt nach den Anfangsbuchstaben der 5 Personen, welche es bildeten. Möglich ist , dass die Rogierungsweise dieses Ministeriums Veraulassun׳ gegeben hat, es das Oabale-(Rünke-)Ministerium zu neuneu, wonach das Wort mit dem hebräischen ״Kabbala“ durchaus keino Verwandtschaft hat. Weit natürlicher wäre, wenn das Wort einen hebräischen Ursprung haben soll, es von dem aramäischen ״ קבלgegen“ abzuleiteu. Cohen-Rees. Druckfehler- Berichtigung. In vor No. S. 134 col. II* Z. 2;> v. o.!st ״Ban k en“ st. ״brücken“; Z.2t v. o. ״könnten‘ 8t. ״körnte“ zu lesen. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.