Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 27. (2.7.1891)
- Date
- 1891-07-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Iteleurhtang *Her Judeuthum oart Judtn ketrefTtidci llttararlscfa«■ Er• »rbflaangcu taf dem fi *Mete der Philo• pophle Seaehlcht«, fcthaographle, Theo• )orte OrieutalU, Exegese* Homiletik. Liturgik Pidftgofjk, Jüdisches itteratur Heransgegebeu ▼on Rabbiner Ur. Moritz Rahmer. , 2. dwti 1891. Jahrg. XX. Btteher der eintehllglgeL Mtteratur, welche der Ködert •»* ««*esaudt werde■ t (lade■ la diesem Blgtte eingehende Bespreehaai. Bei Einsendung ▼on iw 11 Btttniio■*• Exemplaren erfolgt einmalige karse « r a 11 n Ineertton. Das ״Jüdische Lltteratur-Blattu erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnehten der ״Israelititchcn Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt gratis. — Ingerate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petr *eile, Beilagen mit 2fll Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhbndler u. Lehior, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten '25 ji Rabatt. Inhalt : Wissenschaftliche Aufsätze: Aus dem Verein für wisseni schattliche Pädagogik. Besprochen von Moritz Spanier. I (Schluss.) — Classisches Talmudstudium. (Forsetzung.) — j Li tteraturhericlit. Recensionen: Noch einmal שם עולם» \ Von Dr. Immanuel Deutsch-Sohrau O.-S. Litt erarische Notiz: Zur Erklärung von D)“IÖW• Von Dr. Wiener. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestaltet. Aus dem Verein für wissenschaftliche Pädagogik. Die Diskussionen Ober Abhandlungen ini 23. Jahrbuch des Vereins in der Versammlung desselben vom 19. bis 21. Mai in Magdeburg. Besprochen von Moritz Spanier. (Schluss statt Fortsetzung.) Den zweiten Punkt der Verhandlungen bildete die Arbeit Wiget’s über ״Pestalozzi und Herbart“. Per Behauptung Dr. Glöckner’s, Pestalozzi habe keine allgemeine, sondern eine individuelle Menschenbildung verlangt, widerspricht Prof. Lazarus, der u. a sagt, bei Pestalozzi sei das Ziel die allgemeine Menschenbildung und auf Grund derselben die individuelle Ausbildung; die allgemein menschlichen Züge seieu es, auf welche der Erzieher zunäohst Rücksicht zu nehmen habe. Prof. Vogt: Pestalozzi habe sein Ziel nicht selbst konstruirt, er habe unter dem Einflüsse seiner Zeit gestanden. Das Ziel der freien Entfaltung der Menschenkräfte sei bei dem grossen Sohweizer Pädagegen durch die Aufkläruugsströmung jener Zeit herbeigeführt, wobei der Einfluss des Christenthums nioht zu verkennen sei. Professor Lazarus beriohtet eine Anekdote, ihm mitgetheilt vom Professor Pabst in Bern, welche die Erklärung für die auffallende That sache bringt, warum Fellenberg,der reiche Patriziersohn, eine Erziehungsanstalt gründete. F. habe ungefahr 12 Jahre gezählt, da sei er mit seinem Vater im Warten gewesen. Es habe an der Thür geläutet und da er nachgesehen, habe dort ein Mann in gewöhnlichem Ar.zuge in Hemdsärmeln und mit einer Jacke über dem Arme gestanden, den er für einen Bettler gehalten. Auf Wunsch des Vaters führte er denselben herein. Kaum sei aber sein Vater desselben ansichtig geworden, so sei er ihm eutgegengegangen und habe ihn in seine Arme geschlossen. Nachdem er wegj gegangen, habe F. seinen Vater gefrugt, wer das sei; worauf sein Vater geantwortet: ״Der grösste Wohli thäter der Menschheit, dem die Erziehung der Mensoh-! heit vor allem am Herzen liegt.“ Von da ab hätte ihu der Gedanke nicht mehr verlassen, auch einst ein Erzieher der Mensohheit zu werden. — Professor Vogt wirft im Verlaufe der Debatte die Frage auf, ob man 1m Jugendunterrichte Wortreichthum oder lakonische Kürze walten lassen müsse. Pestalozzi erkenne schon dem Worte eineu Erkenntnisswerth zu, daher fände mau bei ihm auch mehrfach Verbalismus. Diese Bemerkung des Herrn Prof. Vogt ist zutreffend, denn Pestalozzi verfiel gegen seiue eigentliche Ansicht ins VVortlehreu und Worteierneulassen. Er prägte z. B. beim Anschauungsunterricht, indem er den Kindern die Merkmale und die Beschaffenheit der Körpertheile vorführen wollte, folgenden Satz ein: ״Die mittleren Zeigefingerknöchel liegen aussen an den mittleren Zeigefingergelenken, zwischen den hintern und mittleren Gliedern der Zeigefinger.“ Das war entschieden verfehlt.—Dr. Glöokner ist der Meinung, Wortreichthum sei in der Kinderstube am Platze, da lerne das Kind manches Wort sprechen, übe sich im Nachsprechen derselben, dessen Sinn ihm noch verschlossen sei; der Fehler entstehe erst, wenn ein solcher Wortreichthum in der Schule herrsche. Auf diesem Gebiete gilt nun vorzugsweise Prof. Lazarus als eine Autorität ersten Ranges. Wn verweisen auf dessen Monographie über Geist und Sprache im 2. Band seines berühmten Werkes ״Das Leben der Seele“, aus dem Wiget in seiner beregteu Abhandlung 101gendes Citat. (S. 18L) bringt: ״Wenn aber die Familie die Schleusen der Sprache ohue Hemmung öffnen darf, dann hat die Sohule desto ernster darüber zu wachen, dass nur verstandene Worte vom Schüler gehört und gebraucht werden.“ Prof. Lazarus hält eine Unterscheidung zwischen Wort und Erkenntniss für nioht am Platze. In der ersten Kindheit handle es sich nur um Kenntniss, die Erkenntniss komme erst später. Jedes Wort mache eine lange Reihe der Entwicklung durch, ehe der Mensch zum vollen Verständniss seines Inhaltes gelange. Redner weist dies an einigen Beispielen nach. Das Wort sei gleich einem Samenkorn, aus welchem sich allmählich eiu fruchttragender Halm entwickle. Seminardirektor Voigt vergpioht das Wort und seinen Erkenntnissinhalt mit dem Golde, das an und für sich werthlos, als Tausohmittel aber von hohem Werthe sei,*) *) Tretllich ist dieser Vergleich bereits von Lazarus a. a. U. S. 212 (wir citiren nach der uns vorliegenden 8. Auflage 1885) ausgetührt; es heisst daselbst: ״Die Wörter gleichen den geprägten Münzen, welche einen wechseüosen Werth haben und die Gedanken können nur in der gangbaren Münze autgezählt werden; während das Wort, bei lebendiger innerer tiprachtorm vielmehr dem Metall vergleichbar ist, welches je nach seiner