Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 26. (25.6.1891)
- Date
- 1891-06-25
- Page
- Seite 102 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/6492408-5990872-5991347--2274-5368905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 102 nommen >iu<lt vortheilhafl (bekannt. DtejJ Autorin besitzt 1m hohen Grade Combiuatsonstaleut und das Geschick, die Gebilde ihrer Muse nicht nur schön zu gestalten und ausserliclt auszusclimücken, Haupt• und Nebenfiguren ebenmässig zu grnppieren, uu!l somit! in die Breite zu zeichnen, sondern auch in die Tiefe; der Handlung und dereu Motive zu dringen, das Innere der psychologischen Vorgänge zu erforschen und zu zergliedern, und da« ganze Geäder des Em• phndens und Wollens zu seeieren und blosznlegen. Der uns seitens der Redaction angewiesene kuapps Raum, gestattet leider nicht, luauche Partie und , mauches interessante Detail ״Aus dem Osten*‘ hier heratisznlieben und auch uur tlit'htig zu besprechen. Ais Gesammtnrtheil, im Anschlüsse au die bereits oben gethane Aeusserung, möchte Ref. es anssprechen, dass »anniif liehe Erzählungen gewissermasseii den Geist französischer Causerie athuien, gleichzeitig ab*r die deutsche R«flexio!1swei»e und Gründlichkeit bekunden, wodurch dieselben nicht nur angenehm unterhalten, sondern auch anregen und belehren. Als besonders lesenswert!! erachten wir die Novelle ״Die Prinzessin** (SS. ltü*—2'J1eiu wahres Cabiuetstück der Erzahlungs• kunst; tiir den jüdischen Leser dürfte diese Lektüre noch als genussreicher und zugleich anziehender sich 1 erweiseu. Auerkeuiienswerth ist die hübsche Aus- : etattuiig des Baches seitens der Verlag-handlung. M. I Litterarische Notizen. Zur ersten Frage iles Herrn Pr. Wiener. Pas sogenannte MiJra»ch-Citat in dem Huche Ohel-I iss.tchur wird, wie bereit» in No. 24 des Littcraturldultes bemerkt worden ist, wolil zuerst >11 ■1er Kiuleitnug zuin Eu-Iaakob erwalmt. Kerner bringt es mit dem Hinweis aut diese Ipielle uud aut ■las Huch תהלה לד.״ד TI1. I, Cap. SU, wo sieh uneli der Zusatz bildet: ר׳ תנהיבלא אל בצלם אלה׳ ברא אי בלל ני בתי•! k. samuei jatie in seinem C<׳m111e11'ar /.n den aggadiscliun Hostandiliei'.en des lernseiialmi (.יפר. "ו־אר zu Nedanmt'ap.und erklärt e.» tur eine scherzlatte Fiktion. Daselbst bespricht er auch die v״n Herrn Dr. Wiener erwähnte Stelle aus den Pruligteii des Sehemtoh. Die Worte des Letztem machen nicht den laudruck, als oh er damit eiu genaues mal wörtliches t'itat aus •!ein Talmud der Midiasrh gelten wollte. Kr registriert einlach, soweit sie ihm bekannt sind, die Ansichten deijenigeu celelie in iigend eii.ein D1lad\>1>e oder Tlioragebot in piaciscr Kürze den Cecan.iniinlialt der Keligiousleliiu zu linden glaubten Zuuächst erwähnt er ואהבת לר• ב כללך und denkt hierbei weniger an ii. Akiha, der j. Nedariin Op.!1 und H. r. Cap. 21, diesen Satz Inr einen liauptgruiidsatz in der Thora erklärt, als vielmehr au llillcl, dessen bekannter Au-spruch nicht uur häutig 1:1 UR-ereii Tugen, sondern, wie wir sehen, auelt von Sehemtoh mit <1• in hihtisclicn Cehot der Nächsteiiliehe Verwechselt und i leatiticiert wird Im Midrasch l.ekach-toh M. S. 54, wird , er direkt aus dem Itihelvers« abgeleitet: ואהבת לדי בכולך סבא; אכזר הלל הזק; דעלך פ:, לוזבדד י:, ד• Doch auch! diese Ableitung scheint nicht richtig zu sciu; denn der llille- .:tische Satz enthalt und verlangt in Folgt! seiner negativen Passung weit weniger als das positive llibedwort. Wenn ich ii.einetu Nächsten nacii der hihlischcu Vorschrift Lielios und Gutes et weisen soll, so ist es selbstverständlich, dass ich ihm nichts Ubses antlinn dart. 11 illei gab dem Prosulyteu wohl ah-ichtlich die kleinere und leichtere Vorschrilt, zuvörderst Gerechtigkeit zu uhen gegeu seine Mitmenschen, in der Hoiliniug, dass er dann von selbst zur nächst höheren Stute der Menschenliebe, der Hlüthe uud ausgereitten Frucht der Ccreclitigkeit, gelangen würde. Ausgehcud vou dem Gtdauken, dass der Bestand, der Friede, die Glückseligkeit der ganzen Menschheit der Endzweck der göttlichen Oü'enbarung ist, stellt er den Theil der OQenbaruugslehre in den Vordergrund, der am meisten jenen En Izweck zu fördern geeiguet ist: ידדה מעשה הצדקה כזלום «Die Wirkung der Gerechtigkeit ist Friedeu*. Hillel uennt seinen Satz «die ganze Lehre“, denn er enthalt da« tirundpiinzip der Thora: Gerechtigkeit, und iat . nichts Anleies als eine allgemeine Zusammenfassung aller '1 Siehe auch dm sog. Raschikommsntar z. St. in B. r. Verantwortlicher lted&cteur Dr. lULrnet, Magdeburg. specielleu Verbote, welche das Leien und da« Wohlbefinden, das Eigenthum uud die Ehre des Mitmenschen för unverletzlich und unantastbar erklären uud beschützeii. Was aber als b5se hassenswerth uud terabscheuungswürdig zu bezeichnen ist' das wird unserm eiguen Empfinden und Unheil anheimgegeben, und zwar nach den ausdrücklichen Worten der h. Schrift: ,Den Fremdling sollst du nicht bedrücken, da ihr wisset, wie dem Fremdling zu Muthc ist, denn Fremdlinge wahret ihr in Aegypten“ (2. M. 2'4,'.'). Hillel’s Anspruch ist demnach eiu כלל aus diesem רט£• Ich iialte datier auch Hillel nicht tür den Urheber und Krlinder dieses Satzes: seitdem man die Bibel als heilige Gottesscliritt mit Irommer Aufmerksamkeit zu lesen anling, war er Allen bekannt und geläulig. Darum nennt ihn auch Philo «eine uralte mündliche Ueberlieferung*. An zweiter Stelle nennt Sehemtoh den Satz: Höre Isiael, der Ewige unser Gott — der Ewige ist einzig ete. Es ist das die Ansicht derer, welche d׳e Glanlienslelirn und die gegen Gott zu erfüllenden Pflichten voraustelleu. Dass mau diesen S.,tz lange vo r Entstellung de» Christeni hnnis als deu wichtigsten der h Schritt lietrr.ehtet hat, lieweist zur Genüge die Stellung, die er in uuserer Gehet Ordnung einuimint; um ihn wurden schon in der sopherischen Zeit ■tie Hauptgebete gruppiert. Da er die Einheit Gottes und die Liehe zn ihm einprägt, oder wie unsere Weisen sagen, ■•קבלת ליל מלכו־ שכל die Grundlelire, aut der sich das ganze religiöse und tugendhafte Oben authaut, so konnte er vou Sehemtoh tiiglich als מצי“ שבל הבז׳ תלויית בה bo/.eiclmet werden. 1111 Talmud flJerech. ßla) wird *ler Vers Prov. welcher das unablässige Deukca an Gott verlangt, vou Ba! Kappara פרשה קטנה שבל ביפי תורה תלו־ם בה geuann*. Zuletzt nennt Schomtoh 1 M. 1 als eiu «Gebot“, in dem alle andern enthalten seien. Dieser Satz lehrt, dass Adam iu Gottähnlichkuit geschallen worden ist, uud dass alle sein« Nachkommen an dieser G1׳ttähulicl1keit Antheil haben (cf. V. ■'I: יולד בדמותו בצלבי*): wer uuu stets dieser Gottälmlichkeit sich bewusst bleibt, werde — meint Schemtob — sieh vor jeder Sünde und Ptlichtverletzung hüten. Ben Asai »cheiut jedoch den Vers nur als einen Grundsatz anzusehen, aus •lern sich alle Pllicliteu der Nächstenliebe ergeben, lt. Akiha hatte als einen solchen Grundsatz den Vers ■,יא' לר‘ ככל bezeichnet. I •a dieser aber wegen der vorhergehenden Worte ב2' עטך eine F.inschväukung ertahren könnte, so zieht Heu Asai, R. Akiha'a Junger uud College, deu Vers 1 M. ö.l vor, der keine Ausnahme ztilässl. So richtig in j. Nedarim l.'ap. Ü. In B. r ist danach ein« Umstellung vorzuiichineii, cf. Z": z. St. Die Stelle 1u1׳as v1״!stäudig also!זה ספר הילדות ארם ונר ר׳ ע או :!!ס!״״ ואהבת לרעד במוך זה בלל :דיל בתורה ב;• או זה ב הי■ אדם ובי■ בדמות אד־ עשה אתי זה בלל בדיד בזזה •:־לא האבוד ובי•. Cohn, Rurgkunstndt. I)a» Wort פביפת imScliir ha-.lichud tur Dienstag bedeutet soviel wie er: oder בשמ״לת. Der Diehter sagt also, das« Gott nichts Körperhöhe.« anhafte. Der Verlasser des Schir ha- Jiclnid benutzt da» Huch “"’“אמ”*“ ל von Saetjv, iu welclieiu so viel ich mich erinnere, nach der L’ehersetzung des 3רביה הנקדן immer 1״• טי:יףer ׳* מניפת!r das •ihiiehere גשמיות und נשם gehrauch׳ wird liei dieser (ie'cgeulieit tlieile i.-li mit, •lass in meinem hau Wehrittliclieu Gedichte gegen die Vermenschlichung Gottes polemisirt wird und dabei die Worte der Thora angewendet werden: ייבלא הנשם מן השמים■ liier liegt die Point« in dem Woite הנשם, das Kcgeu mul Körperlichkeit bedeutet. Baden hei Wien. Dr. Ad Jellinek. — Zu der Erklärung des Substantivs טנ*£ת dürlte noch die Bemerkung gestattet sein, dass das geuanute Wort in der Miscliua Haha batlira 'J'lb im Talmud mit לפרור*ת< Schmutz Staub, Eide gedeutet wird, demnach scheiuoii andere Hypothesen oler Emendationen libeiüuasig zu sein, und Ihre Ansicht, g. H Ked, hat wohl das Hiebtig« getrolfen. — Das Metrum hat \ ielleicht deu Verlasser veranlasst, den seltsamen Ausdruck ט׳ zu wählen. — ln aualoger Weise wäre auch da» למ*ס מלל למים >m שיר היחיד für Donnerstag zu erklären. In Mischna Sabbat 2:1,5 lesen wir |'מלמצ zudrückeii, scliliessen. Mit Verwechselung des Dentalbuchstabeu למץ in למם kann man למיס «v*r* schlossen“ wiedergeben, somit sind סתיר, ללוט למיס Synonyme. — Man vergleiche hiermit auch diu Deutung (Midrasch rabba Leviticus Cap. 10 und Kabelet rabb. Ant.) des Namens des Propheten זלמלם weil er למים ללשוני «gebunden, geecblossen war in BetreÜ seiner Zunge“, da er uicbt geläufig sprechen konnte. L. Una. (Es sind uns noch mehrere Erklärungen zu הימריל! ‘MD und Antworten aut die Wiener'eol.c 1 Frage zugegangen, von denen wir einige noch in nächster Mo. mitthellen werden. Red.) Druck von D. L. Wollt, Magdeburg. Vertag von Hoheit Frieee, Leipzig