Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 22. (28.5.1891)
- Date
- 1891-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Lehrer, welche direct oder durch Hohert Friese In<erato einsendeu, erhalten •Ja ,tf Kahatt. I 1111 n. 11: Wissenschaftliche Aufsätze: Sani Wahl — König •ler Polen. Von Proicssor Rerschadsk v. III.— Die Zmoatserl.•■»enden v.i.d ihre biblische Quelle.‘ Von Kev. Dr. Alexander Kohut in New-York. Li 11 erat urhericht: lieeensionen: Huber Salonion: Midrasch Tehillim (Schocher tob), Sammlung agadisrher Abhandlungen ülier die IS•• Psalmen etc — .Ittilisi'li-Pcnwrhc Schreihlese-Fil el. heriiusgegcben v״n Moses Puc/.vnski. Lit 11■ ru rische Mot ize n : <'anibridgo. — Anträge an Midrasch- I'.etlissene Litierarische Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Saul Wahl — König der Polen. Von Prolessor llersehadsky in Petersburg. An» dem Russischen iiherset/t von Sojihie Uordon. IH. Die europäische Bildung berührte nbe r nicht umsonst die Juden. Der naive Glaube an die Unfehlbarkeit der •Sage konnte nicht bei der nähern Bekanntschaft mit der Vergangenheit unerschüttert bleiben, so denkt B. der Rabbiner Semjabitschky Hirsch .Groduoer Gouvernement; in der»elben Edel» iiiaiin'schen Ausgabe, dass Saul weder Kraft der Sympftthieen des Volkes, noch zum Nu'zeu der Jndeuheit zum Könige gewählt wurde, sondern allein zum Ulk der Schlachta, die sich gern derartige Spässe erlaubte. Die Schlachta sah ein, dass sie sich kaum bei der Königstvahl einig••!! könnten. Da proponirten )•lötzlich Radziwill: .Mag Still, der Jude, indess König sein, denn einer!!er un»rigen wird wohl schwerlich gewählt werden.“ Der Schlachta g• fi-1 dieser G.j lanke und sie riet aus: ״Saul soll König seiu.“ Saul verstand wohl, •lass diese Wahl nicht vou lauger Dauer sein könne, schwieg aber bis zum nächsten Morgen. Am folgenden Tage setz'e er dem Pan, der ihm zuerst gratulirte, die Königskrone aut. Radziwill warf Saul vor, warum er ihn nicht mit der Krone geschmückt habe; dieser rechtfertigte aber keine Handlungsweise mit dem Umstaude,!lass man sie sonst der geheimen Verabredung verdächtigt hätte. Iu dieser Version scheu wir den Versuch, die Legende durch verschiedenartige Abschwäcluuigen zu retten, ja sogar dadurch, dass mau die Wahl als einen einfachen, leichtsinnigen Spass der Schlachta hmstellt; nicht desto weniger behauptet dabei der Autor, da־s der im Spass gewählte Kouig doch das Recht hatte, einem andern die Köutgswtinb• zu verleihen, ibu mit der Krone zu schmucken. Der ursprüngliche Grundgedauke der Legende bleibt unberührt. Viel weiter geht der Skepiicisiuu* des Zolkiower Rabbiners Chaim. Als ein Meusel! mit recht guter, allgemeiner Bildung und bedeutender Kenutniss der Geschichte Polens, verhält er sieh liegirend nicht nur zur Idee der Legende — der Wahl eines Juden zum Könige, (hier fragt er, weslm;b denn die Geschiehtschiviber dieses Königs keine Erwähnung tlmn und wo die pacta conventa, auf die Saul geschworen hat, hiiigekomineii) — sondern sogar zu den aus dieser!.egende entspringenden Folgen d. h. zur ge»etzgebenden Thaligkeit Sau's. Man behauptet, so drückt er sich au», dass Saul ein Gesetz Inrausgegeben bat, nach dem ein Christ, der einen Jude!! ermordet hat, ebenso wie Kir die Ermordung seines Glaubensgenossen zum Tode verurtheilt werden sollte. Allgemein bekaum ist es doch aber, dass sich ein Sclilaclititsch vor dein Untergange der polnischen Reicl1»111acl,t tür ' einen Mord mit Geld loskaufen konnte.! Jan Samoi'ky verschilfte Sigi-mtiud 111. die Krone, als ala׳r diese hochgestellte Persönlichkeit darauf bestand, das־. Selienowshy,!ler seinen ('11״• •gen getoltet hatte, zum Tob* verurtheilt werden sollte, so :achte dies eine Feindschaft au. Die Handschrift, aus der der Autor d••!! Auszug entnommen hat, spricht auch d.tvmi, dass Sauls Geguer!len Köing überredet, haben, Sauls Tochter z 1 ehelichen.Demgegenüber mussaherdoch bemerkt, werden, da», obwohl •Saul zu einer Zeit lebte, in l׳ r die Lage •ler Julei! recht günstig war, >0 loch die Möglichkeit einer soh hen Eh•• kaum zug-g Len werden kann. Ja der Z likiower Rabbiner fängt in seinem Skeptici'iuus sogar an, an •ler Existenz Saul Wahls zu zweifelu. Zur Widerlegung der Skeptiker werden nun vom Herausgeber theils alten Schritten entnommene Nachrichten über Saul Wahl, theils Aussagen der Zeitgenossen angeführt, die sich ihrerseits auf sachliche Denkmäler stützet!. Wir wollen einige davon ai.tiihr•11■׳: Laou de Modena, der Sauls Vater bewein*, »agt,!lass dieser!lern Gered•: nach eineu .»ehr bedeutenden Sohn 11interla»sen habe. Der Rabbiner Moses Halpern! drückt »ich so aus : ״Wer nicht Saul Wahl mit seinen! Sohne, Schwiegersöhnen, Enkelkindern m.d »einer gauz-n Nachkommenschalt gesellet!, der kennt uicht die Thora, ihre Grösse, Ehre, Reichthum uni das Nahestehn den -Mächten!“ Dieser Saul, der einen grossen Hof kaufte, baute aut demselben ein Hospital und eine Privaisynagoge auf uu 111iuterli->s auch zu derem Unterhalte-OüüuSiat («’> d. 11. mehrere Tauseule für Arme.