Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 21. (21.5.1891)
- Date
- 1891-05-21
- Page
- Seite 82 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Diesem in einem leicht Giessendem Style abgeiassten Anfsatz folgt ein mehr wissenschaftlich gehaltener litterarischer Beitrag von einem der Redakteure, Mr. Abrahams. Derselbe hat zur Aufschrift: ״Jewish Ethicai Wills“, und beschäftigt sich ausschliesslich mit der Anführung und Zusammenstellung von interessanten Testamenten (צוואות), die von bedeutenden jüd. Persönlichkeiten zu verschiedenen Zeiten gemacht wurden und Lehrsätze und Unterweisungen enthalten, die einen permanenten ethischen Werth haben. Wie die Aulschriften auf alten verfallenen Grabsteinen zuweilen werthvolles geschichtliches und archäologisches Material enthalten, so erzählt nicht selten ein vergilbtes Testament gar manche Geschieht« aus alter Zeit, die als ein charakteristisches Denkmal vom Thun und Treiben vergangener Geschlechter angesehen werden kann. Der Kürze wegen soll hier blos ein Auszug aus einem einzigen und wenig gekannten Testament angeführt werden, welches letztere von Salomon Alami gemacht wurde. Derselbe lebte in ^Portugal und war Augenzeuge der im Jahre 1391 daselbst stattgehabten Judenverfolgung, und vor seinem Tode verfasste er ein Testament für einen seiner Schüler, da er selbst wahrscheinlich keine Kinder hatte, worin folgender Passus vorkommt: ״Siehe — heisst es daselbst — wie die Leiter und Tonangeber der jüd. Gemeinden sich in der Synagoge während der Predigt benehmen. Entweder schlafen sie oder plaudern sie, und ihr Beispiel wird getreulich von den Frauen befolgt; In christlichen Kirchen findet so etwas niemals statt; christliche Männer und Frauen lauschen in grö 'er Aufmerksamkeit den Worten des Predigers zu. (tristen sind stumm während ihre (! Geistlichen sie zurechtweisen, Juden sind dagegen bei einer solchen Gelegenheit — taub.“ Dieser Abhandlung schliessen sich würdig Recensioneu über einige neulich aut dem Contiuente erschienenen Schriften an und auch ein biographischer und geschichtlicher Beitrag. Dr. Neubauer und Prof. Kauii'iunn sind die Verfasser der besagten recht lesenswerthen litterarischeu Kleinigkeiten. Zum^ohlusse verdienen noch besondere Erwähnung die in der fraglichen ״Review“ abgedruckten talmudischen Notizen von Dr. Kohut in New-York. Darunter ist besonders eine hervorzuhebeu, worin der im Talmud und Midrasch zuweilen vorkommende Ausdruck ’ ספר הומרוס erklärt wird. Bekanntlich ist derselbe in älterer und neuerer Zeit verschiedenartig gedeutet worden, und während z. B. David de Lara, Asaria de Rossi, David Cassel und andere jüd. S' 1 aohtorscher behaupten, dass darunter die epischen Gesänge des . griechischen Dichters Homer gemeint sind, leiten Graetz und J. Levy ihn vou 7‘;1£fr;0:a £1[5X:a ab, welche Wörter im Griechischen ״Annalen* oder ״Jahrbücher“ bedeuten. Dr. Kohut verwirft aber diese Annahme vollständig, und glaubt eine richtige Deutung des Wortes Homeros 1 הומרוס> י) gefunden zu haben, indem er es von dem griechischen Wort 1|״epo; Lust, oder Liebes verlangen ableitet. Bedenkt man nun, dass auch Josef Caro (Vergl. 16 § 307 ארח היים) das Lesen von מליצות ודברי חשלו streng verbietet, so hat allem Anscheine *nach Dr. K.’s Erklärung eine wichtige Autorität auf ihrer Seite. ׳ Harrow (bei London), Mai 1891. , _ Chotzner. * Liitt&rarische Notizen. ׳- Ueber den Segenaaprnch ספירת הצומר. 1. Die Fonn de» Se^enspiuches, den wir vor dem ״Omer-Zahlen“ sprechen, ist nicht ohne Absicht gewählt worden. Wir wollen durch diesen Segensprnch tbatsächlich das wirkliche Zählen des ״Omers“ zum Ausdruck bringen. Wie bsi allen in der heiligen Schrift direkt vorgeschriebenen Opfern״ »o wollen wir auch hier andeuten, dass der Herr das einfache Zählen des an jedem Tage darzubringonden Omers uns afirechnen möge, als hätten wir dieses Opfer wirk lieh dargebracht. Aut Grund der Worte (Hosea) ונשלמה פרים שפתינו beten wir bei den verschiedensten Gelegenheiten, dass, da es uns versagt ist, die Opfer nach Vorschrift darzubiingen, die Erwähnung derselben vor Gott ebenso angenehm sein möge, als hätten wir sie in Wirklichkeit dargeb rächt. DerWortlaut des betreffenden Segenspruches heisst daher nicht :'"״ ,צל ספירת ימי דצמלdas Zählen ״der Tage“ des Omers“, sondern הצמר HTSD ״ צלdas Zahlen des ״Omers<k selbst. Deswegen zählen wir auch: 'ךיי£ ין2 א לצמר und nicht בצמר. Heute ist ein Tag für das Omer. Daher sagen wir auch weiter : זדים שני (שלושד.) ימים לצמר was beweist dass nicht die Tage, sondern vielmehr die Anzahl der dargebrachten Omer angezeigt werden solle. Wäre das Zählen der Tage beabsichtigt, so würde in.in sprechen müssen: היום יום ראשון (שני ,שלישי) בצמר, wie wir auch sag!״ ל״ג בצמר d. h. der 33. Tag iu der Omerzeit. I. H erz b er g - Hromberg. 2. Die gewünschte Erklärung zu dieser grnimnatikalisclien Woitverbindung liegt in der Eigonthiimlichkeil des Status constructus, dieser Form zur syntaktischen Vereinigung zweier Nomina. Die hehr. Grammatiker haben datiir den׳ Ausdruck ,"OV50 ,Anlehnung'1: sie dient nicht nur zur Wort-, sondern auch zur Begriff »Verbindung. Welcher Art dieser Begriff ist, lehrt der Zusammenhang des Ansspruchs. Mit der Genetiv-Form iu anderen Sprachen, welche der stat. constr. vertritt, ist. es nicht anders. Audi hier hat der Genetiv bald eine subjective, bald eine objectivo Bedeutung; ״die Liebe des Vaters“ bezeichnet ״die Liebe vom und gegen den Vater“. So אימת הםלך (Prov. 20,2) ״die Furcht, vor dem König“, ״(9,24 .)1011א)חמם בניידובצלdie Oewaltthat. goge » die Söhne.I.“ דרך צץ החיים n'ferweg zum Baum des Leben»*, זצקת סרם ״das Klagegeschrei über Sodom“ (Gen. 3,2f, 13,2!", קצ״ני סדם עם צמרה, (Jes. 1,10) ״Fürsten wie Sodom, Volk wie Gemorrha“. Oft genügt zhr Erklärung nicht oiue Präposition oder ein Adverb, sondern es ist ein ganzer Satz dazu nötliig; so ובחי אלהים (Ps. äl,19) ״Opfer, welche man Gott darbringen soll, wie sie Gott verlangt“. Bisweilen werden aucli Präpositionen und Adverbia beigefügt, so ״ שמחת בקצירFreude an der Ernte״, vgl. dagegen ״ ,שמחת בית השואבהder מזמר לדוד, ferner 9,«21 .011> >) הצאן אשר לאביה, שיר חש* אשר לש׳), im Deutschen kurz: ״Psalm David’s, lloholied Salomo’s, die .Schüfe ihres Vaters“, also Alles zur Vertretung des Genitiv ist, constr,, Semicha). In 80 prägnanter Weise ist aucli die Erklärung von ספירת הצומר ZU fassen, nämlich dio Z; Iing, welche vuin Omer (Darbringung des 0.) beginnt, dazu gehört, .damit vorbunden ist, nach der Vorschrift (Lev. 23,15) — וספרתם לכם ׳'•־•><׳ ■מיום הביאכם את עומר• 3. Hinsichtlich der vom Herrn L. Cohen, Jtc<!> n. Rh. über die Form de» .Segenssprucbes vor dom Omor-Zähleu in No. 20 des geseb. ״Litteraturbl.“ aufgeworfenen Fra~o erlaube ich mir zu bemerken, da» ספירת הצמר in wörtlicher lieber- Setzung bedeutet ״das Zählen der Omor-I'oriode“; weil nach ׳ dem Wortlaut der heilig. Schrift (Levit 23,1.1), vom Tage au, das die Omergabe dargebracht wird, dio Zählung von sieben vollen Wochen beginnt. Aehnliuh verhält, es sic.11 mit dem grammatisch und häluchisch richtigen Ausdruck ספירת!לה, I aas heisst ,die Zählung der Zeit, in welcher die lin rein heit eingetreten ist bis zum Zeitpunkte der vollzogenen Reinigung“. In beiden Fällen ist da» ימי ausgelassen und überflüssig; weil dort der Zeitabschnitt der Garbendarbringung, hier der aer Reinigung gemeint ist; — beide Ausdrücke sind t.erraim aa intellectum. Eine halachische Parallele zwischen beiden Zählungen wird vom R׳ David Abi Simru (Radbas) im Commentar Beer heteb zum Abschnitt 489 § I. Z 5 des Orach Cbajim angeführt. Meinem Dafürhalten nach kann aber dem Omer schon deshalb nicht in der Benediktion das Wörtchen ימי vorgesotzt■ werden; weil einerseits sowohl, ja vorzugsweise, Wochen (שבתות), als auch Tage gezählt werden müssen (Menachoth 00a, Orach Chajim4ä9§I), andererseits wiederum nicht unbedingt die un-; unterbrochene Zählung sämmtlicher Tage der sieben Wochen noth־,• wendig ist, um an jedem beliebigen Tage das Omer-Zählen vor-; nehmen zu können, welches im Falle dor Lückenhaftigkeit der Pflicht-Erfüllung ungültig wäre. Jeder Tag vielmehr ist an »ich schon innerhalb der Zählungs-Periode der religiösen Handlung des Omer-Zählens gewidmet. (R’ Ascher, PsacHim Absch. A Cap. 41). Die Fassung unserer Segensform enthält demnach un ersten Satze die allgemeine Weise des religiösen Gebrauches und im zweiten Satze die spezielle Zählang der Oinor-Zeit nacii Tagen und Wochen. _Df• “י• _ Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig*