Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 20. (14.5.1891)
- Date
- 1891-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V 20♦ Jüdisches Jahrg. XX. Blatt. Vtr btleBctatanK *Iler JM<t«NtkNm ■n4 J*dfP bftrefTen«lra ntt*rtrU<״kn1 >r* trl.t-ininivtn aof drm (•*Met* der Philo- »c׳fbifr bmrhlrMe, F.flfaopTapfcl«, TV«*• i*!rit Orjtntälla, txcptfte, Hon1H«t1k. LJtsrfrik ■. PIiImokU. Herausgegeben ▼on Rabbiner Ilr. Moritz Rahmer. ©Ra<j31J6׳M€^, 14. 01tai 1S91 PEfher der *inM&liffgti. (*Itteratar, «elckt der Kedert <»n iueK«adt werde■« Aadea i« diesen Matte et«eehee<e BeapreeU«■»-. Bei Elavenitiae ton zwei KeetNioa»• Exemplare■ erfolat eiBiaaliice karae W r a 11 a -!■eerltoN. Das -Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint ■wöchentlich in unem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen :in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mnrk. Abonnehten 1׳er ״Israelititchcu Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt gratis. — Inserate werden mit 26 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die. Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer, welche direct «der durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 yl Rabatt. Inhalt: Wissenschaft liehe Aufsätze: Saul Wahl — König der Polen. Von Professor Berschadsky. I. — Die Halberstamm'sche Manuscripte-Collection. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees. -*• Litteraturbericht. Recensionen: אלדד הדני Eldedha- Dani, seine Berichte über die 10 Stämmo. Von A. Epstein. Litt erarische Notizen: Das Oiner-Zählen.'— Montezinos: Bibliothek. — Litt erarische Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Saul Wahl — König der Polen. Von Professor Berschadsky in Petersburg. Ans dem Russischen übersetzt von Sophie Gordon. I. "י” Die in Oxford befindliche Handschrift entstammt der Feder eines Urenkels von Saul Wahl; die beigelegte Genealogie der Wahl wird aber im Jahre 1714 unterbrochen. Der Autor theilt in derselben mit, dass, als sein Vater, der in Fürth*) wohnte, Vorbereitungen zu seinem Testamente traf, er ihn zu sich rufen liess, damit er erfahre ״was aus unserm Grossvater Saul Wahl, nachdem man ihn zum Könige gewählt hatte, wurde.“ ״Saul Wahls Ernennung zum polnischen Könige war unter folgenden Umständen erfolgt: ״Nach Stephan Batory’s Tode versammelten sich die Pani’s an einem bestimmten Tage zur Königswahl. Bei diesen Wahleu war nun aber Usus, dass ״Jemand“ an diesem festgesetzten Tage gewählt werden müsse. Nach den verschiedenen Vorschlägen ersah man aber auch, dass die Partheien sich kaum einigen würden. Der Tag neigte seinem Ende zu, ohne irgend welche Resultate gebracht■ zu haben. Die Pan’s wollten aber durohaas dem Gesetze t״eu bleiben, und ernannten •Saul Wahl zum Könige bis zum andern Morgen. Für diese Nacht Saal als König auzusehen, erklärten sich die Wähler bereit.“ Da nun gewöhnlich einem neuen Könige die Bücher (des Staatsarchivs P01ens)"‘tibergeben wurden, damit •r in dieselben neue Gesetze eintrüge, so beobachteten sie auch diese Sitte Saul gegenüber, der auch neue Gesetzesbestimmungen, wie z. B. ״Der Mord eines Juden solle wie der eines Edelmannes bestraft werden“, in dieselben eintrug. Ueber Saul Wahls Charakter und seine Beziehungen zu der Umgebung theilt die Oxforder Handschrift Folgendes mit. *1 Dr. Bloch-Posen in seinem Vorträge: ״Die Sage von Saul Wahl“, nennt dafür: Ansbach. \ '!?*d Saul war ein berühmter Mann. Seine Tochter Hanele zeichnete sich durch Klugheit und Schönheit aus.“ Als sie nun heirathsfähig war, schlug man ihr den Sohn eines berühmten Rabbiners zum Bräutigam vor. Dieser Rabbiner kam nun mit seinem Sohne nach Brest zur Brautschau und nahm bei einem der Aeltesten der Gemeinde Logis. Saul, der sehr stolz war, wies aber die Werbung des Bräutigams zurück. Seiner Meinung nach verdienten die Eigenschaften seiner Tochter einen viel bessern Mann. ■ Duroh diese hochmüthige Absage fühlte sich nicht nur der Rabbiner, sondern die ganze Gemeinde be* leidig. . den Rabbiner zu versöhnen, gab ein ' anderes angesehenes Mitglied der Gemeinde seine! Tochter dem jungen Bräutigam zur Ehefrau. Dieses EreigniSs“ "VöHbhäflfte“ SÄtit viele *Feinde, die nur auf eine passende Gelegenheit warteten, um sich an ihm zu rächen. Als nun Sigismund’s III erste Frau starb, begaben sich Sauls Gegner zu den Magnaten, lobten vor denselben Sauls Tochter und sagten za ihnen: ״Weshalb soll sie denn keine Königin werden, ist dooh ihr Vater temporärer König gewesen! Sie ersuchten auch die Magnaten Sauls Tochter vor dem Könige zu loben“, u Da sie nun aber ■fürchteten, dass, wenn ihr Projekt zu •Sauls Ohren gelange, er es hintertreiben würde, so riethen Saals Feinde den Magnaten das junge Mädohen ohne vorherige Mittheilnng holen zu lassen. Der König erliess auch wirklich den Kriegern den Befehl nach Brest zu gehen und ihm Sauls Tochter zu bringen — doch Gott wollte es anders: Einer von Sauls Freunden setzten ihn von des Königs Absicht in Kenntni88. Zu jener Zeit war ein 70jähriger Greis Salemau Sohor in Brest Rabbiner. Saal begab sieh nun zu ihm uud veranlasst« dessen Heirath mit •einer Tochter. ״Me’n Vater, setzt der Autor der Oxforder Handschrift fort, hörte sehr viel von Hanele’s Klugheit. Seine Mutter war Saleman Schorn Tochter.“ Die angeführte Erzähluug, die dem Helden der Legende der Zeit nach am nächsten steht und von einem seiner Naohkommen mitgetheilt wird, trägt doch trotz ihres grellen, legendären Charakters, die Sparen einer lebhaften, historischen Wirklichkeit an sich; das Element des Wanderbaren ist nun leicht berührt, die legendenhaften Ausschmückungen noch sehr schwach. Viel eher nimmt nun die Ueberlielerung in dem Munde eines Emigranten eine stark legendarische Färbung an, bei diesem erhalten Erzählungen über sein Heimathland einige den Bedingungen des ame- 1