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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-04-22 · N° 17-18. (22.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 17-18. (22.4.1891)
Date
1891-04-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Ml־g•n• Litt erat ar־ Blatt. Z«r BiUiektti(( aller Jvlenth«■ «•4 J«4e» kctr«ffwdCR Itttererluche« Er- •cheUrage« •af den Gebiete der Philo• sephi• fttsehlclite, Ethaographie» Theolegte Orleatalla, Ezcgeee, Uoniletlk, Lltarylk a. Pidagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Kahiuer. 9Tto^3*4u^g., 22. Ql^zKI 1Sg1 Ucker dar •iaachliglgaa Llttaratar, wtleha dar B«d1et<AR aagaaaadt wardaa, fladaa la dlaaen Blatte alagakaada Baapraehaa!• Bai Elaaeadaag raa awal Beeeealoa*• Exemplare■ erfolgt aianallge karse ft ratla• lasertfoa. Das ״Jüdische Lltteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnehten der ״Israelititehcn Woohenschr!'^•*, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das ,,Jüdische Litteratur-Blatt grati ז. — Inserate werden mit SS Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition lieses Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, er alten 25 yC Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Einjude — König der Polen. Saul Wahl, Nachfolger von Stephan Bathorv. Von Professor Berschadsky. III. — Noch einmal פוקד (Gott ״ahndet“ oder ״gedenkt“?) Von Rabb. Dr. Rothschild. — Nachlese zu dem Targum der 5 Megilloth. Von Dr. Jacob R e i s s. (Schluss.) Litternturbericht. Recensionen: אלדד הדני Eidad ha- Dani, seine Berichte über die 10 Stämme. Von A. Epstein. — Frankel, Emil. Das Jüdische Eherecht nach dem Reichscivil-Gesetz. (Schluss.) Litterarische Not|i| zeu und Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestatt• t. Ein Jude — König der Polen. Saul Wahl, Nachfolger von Stephan Bathory. Von Professor Berschadsky in Petersburg. Aus dem Russischen übersetzt von Sophie Gordon. III. Da Kraushar weder die eine noch die andere dieser Schritten bei der Hand hat, führt, er wörtlich die oben angeführten Mittheilungen Lelewels an. ״Dass die muntere und aut alles Neue erpichte Schljachta Saul zum Spass zum Präsidenten der General• Versammlung gewählt hat, ist wahrscheinlich. Grössere Bedeutung kann mau diesem Faktum nicht beilegen.“ Etwas weiter äussert sich Kraushar noch entschiedener. Das Königthum ״Sauls“ ist ein sehr dankbares Sujet für eine sittlioh-beschreibende Erzählung und verdient (in und für sich keiner Erwägung in einer ernst wissenschaftlichen Forschung.“ Schliesslieh ist das erwähnte Faktum nicht das einzige in den "Volkssagen. Jede Provinz, ja fast jeder Winkel der ehemaligen Rebschja Pospolitoi*) besitzt ähnliche Sagen. Wenn man von Abrain Pulvermacher anfängt, so geht in ununterbrochener Kette eine Reihe oharakteristischerErzkhluugen,welche dieGeschichte der kleinen Schljachta mit der der geschickten Juden verbindet, eine Reihe Erzählungen, die ebeuso im Stande sind ein Lächeln auf den Lippen des Hörers hervorzurufen, wie ihn auf ernsteres Nachdenken zu bringen. Wenn Herr Kraushar, der nioht an die Existenz einer Person Saul Juditsch zweifelt, geneigt ist, in der Regierung nur einen Spass der muntern Schljachta zu sehen, so betrachtet es W. Goldbaum von einem ganz andern Standpunkte aus. Im Lemberger Journal ״Israelit“ versuchte H. Goldbaum in einem Aufsatze ״Rabbi Saul der König“ vom ״historischen Standpunkte aus die Sage über die Persönlichkeit Saul Wahls uud seiner wenn aach eintägigen Regierung“ zu beleuchten **) Verschiedene Mittheilungen vergleichend, die sich auf diesen Gegenstand beziehen und hauptsächlich die Erinnerungen Christoph Mikolai Radziwills, die unter dem Titel (Peregrinatio hierosolymatana) bekannt sind, kommt er zur Schlussfolgerung, dass in der legendarischen Geschichte vo1׳ Saul Wahl wohl ein zuverlässiger historischer Kern enthalten ist. ״Wenn die historische Kritik, sagt der Autor, inwiefern sie ihre Aufmerksamkeit überhaupt diesem Gegenstände gescheukt hat, bei der Erzählung über den König Saul irgend eine historische Aathenticität verneint hat, so that sie es überhaupt nur deshalb, weil sie die Thatsache, dass ein armer Jude, wenn auch nur auf eine Nacht seiten Kaftan mit dem Königsmantel tauschen konnte, für •inen Spott auf die Geschichte ansah. Aber das, was uns jetzt läoherliob erscheint, konnte seiner Zeit natürlich und möglich gewesen sein.“ Der Autor geht dann zur Erörterung der einzelnen Theile der Sage über und beweist die Möglichkeit einer Bekanntschaft Radziwills mit dem Vater Sauls, dem berühmten paduaniseben Rabbiner Rabbi Jehuda, während dessen Aufenthalt in Padua, wo der Rabbi ihm in seiner gedrückteu financiellen Lage grosse Dienste leistete. Es kannte und schätzte auoh ausserordentlich diesen Rabbi der Kanzler Jan Samoisky, der ebenfalls in Padua lebte und für seine Schrift über ״den römischen Senat“ zum Rector der dortigen Universität gewählt wurde. Der Sohn dieses Rabbi Jehuda Saul lebte späterhin in Polen und wurde Hofjude des Fürsten. Dieser übertrug auf ihn die Sympathieu seines Vaters; ausserdem erwarb er sich auoh durch seine persönlichen Eigenschaften die Achtung und Zuneiguug der Magnaten. Es klingt zwar unwahrscheinlich, dass die Magnaten darauf eingingen, auoh nur •inen Augenblick lang einen Juden mit dem Purpurmautel zu bekleiden. ״Ich fiude indess darin, sagt H. Goldberg eine uuautastbare Wahrheit. Die einander feindlichen Parteien, erregt und bewaffnet, wie sie waren, würden nie auf dem Throne einen Einheimischen, einen Polen dulden. In einer andern Gegend und zu einer andern Zeit wäre wohl ein Jude aut dem Throne geradezu unmöglich, aber Retscby Pospolitoyer Polen zeichnete sich zu jener Zeit durch solch’ eine Toleranz aus, der wir nicht einmal im Anfänge dieses Jahrhunderts begegnen. Das gerechte!Statut Kasimirs des Grossen, wonach die Ermordung eines Jaden mit dem Tode **) Erklärungen der Ansichten Goldbaums, citirt vom Warschauer Journal ״Israelita“ 187V. No. 4-1. Seite 35!•—GO. ') Polnisches Reich.

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