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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-04-16 · N° 16. (16.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 16. (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnehten der ״Israelititchcn Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlangen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt gratis. — Inserate werden mit 26 Ff. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden, liuchhfindier u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Ein Jude — König der Polen. Saul Wahl, Nachfolger von Stephan Bathorv. Von Professor Berschadsky, II. —Nachlese zu dem Targnm der 5 Megilloth. Von Dr. Jacob Re iss, Rabbiner in Kuttenplan. (Fortsetzung.)— Sagen verwandtschaftliches. Zur Geschichte Josets. Von Rabb. Dr. Grabowski. Litferaturbericht. Recensionen: אלדד הדני Eldadha- Dani, seine Berichte über die 10 Stämme. Von A. Epstein. — Frankel, Emil. Das Jüdische Eherecht nach dem Reichscivil-Gesetz. (Fortsetzung.) Litterarische Anzeigen. Unbefagter Nachdruck aus diesem׳ Blatte ist nicht gestattet. Ein Jude — König der Polen. Saul Wahl, Nachfolger von Stephan Bathory. Ton Protessor Barst k-nds kv, an der Petersburger Universität. Aus dem Russischen übersetzt von Sophie Gordon. II. Diese Mittheikmg Lelewels, die sich ein wenig ironisch zur Frage eines Herrscherhauses Saul Wahl verhält, diente als genügende Begründung dem bekannten Compilator Sternberg, der seine Werke noch durch eine Ungereimtheit vermehrte. BIm polnischen Volksmunde sagt er, cursirt noch eine Sage: Nach dem Tode des Königs Popel war der Thron vacant. Als nun bei einer Versammlung in Kruschwitz die Wähler sich nicht einigen konnten, wen sie zum Könige wählen sollten, sogingen sie auf den Vorschlag eines der ältesten Mitglieder der Versammlung ein, denjenigen als König anzuerkennen, der am andern Morgen zuerst in die Stadt kommen wird.“ ״Vier Schild wachen wurden auf der Brüoke auf* gestellt, die darüber Mittheilung maohen sollten, wer zuerst in der Stadt eintreffen wird.“ ״Es trug sich nun zu, dass der Jude Abram, der für die Stadt Pulver lieferte und deshalb der ״Pulvernik“ (Prochownik) hiess, bei Morgenröthe der Erste iD der Stadt erschienen war.“ ״Freudig wurde er von der Wache begrüsst, feierlich zur Stadt geleitet, wo ihm die Königswürde angeboteu wurde.“ ״Abraham schlug anfangs die ihm angebotene Kroue aus; als er aber einsah, dass die Wähler ihren Entscbluss nicht aufgeben wollten, bat er um einen Tag Bedenkzeit, um im Gebete den richtigen Entschluss fassen zu können. Er zog sich nun in sein Bethaus zurück und befahl streng, ihn nicht zu stören.“ ״So vergingen '2 Tage und 2 Nächte und Abram kam aus seiner Hütte nicht zum Vorschein. Als man ihn aber auch am dritten Tage nicht zu sehen bekam, nr.d die Ungeduld der harrenden Masse ihren Höhepunkt erreicht hatte, sprach der Landwirth Piast Folgendes: ״Brüder! Dies ist undenkbar! Das Land kann nicht ohne Herrscher sein! Wenn also Abram nicht von selbst erscheint, so führe ich ihn hinaus! — Ein Beil ergreifend, stürzte Piast auf das Haus los, in dem sich Abram eingeschlossen batte.“ ״Polen! sagte Abram, als er ausserhalb des Hauses erschien, ״seht ihr den Gutsbesitzer Piast? Ihn wählt nun zum Könige! . . . . Er ist vernünftig, denn er verstand, dass das Reich ohne Regenten nicht bestehen könne. Piast ist muthig, denn um das Vater• land zu retten, fürchtete er nickt meine Befehle zu übertreten. Krönt ihn und ihr werdet stets Gott und Abram danken!“ ״Und Piast wurde zum Könige gewählt.“ So lautet die Legende nach Söernberg.*) Seiner Versicherung nach lebt sie noch im Munde des polnischen Volkes. Aber wo Sternberg dies erfahren, wo, wann und von wem sie aufgeschrieben war, von allem dem erfahren wir nichts. Zieht man Sternbergs vollständige Willkür in Anbetracht, auch da, wo er sich auf Citate stützt,'“*) so haben wir wohl das Recht zu behaupten, dass die gauze Legende ein Produkt der eigenen Phantasie Herrn Sternbergs sei, erweckt von Lelewels Worten, Smorsky’s Legende über denselben Gegenstand und den Fund alter polnischer Münzen mit den jüdischen Aufschriften ״Abram Dux“, ״Sacrificium et Abram“. Eine Abschätzung fand diese Legende in Kraushars Aufsatz: ״Geschichte der Juden in Polen“.***) Er macht die begründete Bemerkung, dass ״in der Epoohe, anf die sich der wunderbare Vorfall (Abrams Wahl) bezieht, der deutsche Möuoh dem kriegerischen Menschenthum nooh nicht seine donnertragende Entdeckung gesohenkt habe, und deshalb der uneigennützige Nachkomme Israels Kruschwitz kein Pulver liefern konnte, dass die Schlüsse zu Gunsten der Echtheit der Münzen Abram Dux etc. zwar räthseihaft sei“, dennoch vermuthet Kraushar, dass ״die Legende über Abram trotz ihrer Unwahrschein.ichkeit, als Hinweis angesehen werden kann, dass Spuren des Aufenthalts der Juden aut slavisohem Boden schon in die Zeit des heidnischen Polens hinleiten“. *) Sternberg, Versuch einer Geschichte der .Juden in Polen, Wien lbGO und seine ״Geschichte der Juden in Polen unter den Piusteu und Jagellonen“. Leipzig 1878. Wir citiren hist׳ Seite 4 5 der 2. Schritt, da die Legende unverändert blieb. **; Siehe unsere Fortsetzung: ״Die litthauischen Juden“. Petbg. 1883 c. I. ***) A. Kraushar ״Geschichte der Juden in Polen“. Wrs. 1885 B. 1. S. 41.

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