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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-04-09 · N° 15. (9.4.1891) · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 15. (9.4.1891)
Date
1891-04-09
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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— 60 — liebe Formen nnd Normen aber, so sehr sie zu schätzen und zu schätzen sind, die seelisohe Gemeinschaft der Parteien weder stören nooh erhalten können. — In dem Gesetze (Eben Haeser 154, § 1 Glosse) ist aus• dräcklich von jener Gewissensfreiheit die Bede, welche als das unveräusserliche Menschenrecht die Bedingung des Glückes und des ehelichen friedlichen Zusammenlebens ausmacht. Nur wenn die Gewissensfreiheit verletzt ist, ist dies ein ScheidungsgTund. Das wird vom Verfasser auf S. 114 freilich mit anderen ־Worten zum Tbeile anerkannt, verkannt aber wird von demselben, dass Eben Haeser 115,4 nur von jener jüdischen Züchtigkeit die Bede ist, welche die Familie weiht, die der Zauber unseres Volkes ist. — Ebenso strenge geht der Autor auf S. 102 mit den Kohanim zu Gerichte, denen er den Zutritt zu dem Heiligthum des Berufes verschliesst, wenn sie rituellen Verpflichtungen nicht nachkommen. . Das ist aber nicht nur unduldsam, sondern auch dem Gesetze entgegen, welches tOrach Chaim 128,36) sogar dem Priester die Funktion des öffentlichen Segensprechens gestaltet, welcher vom Glauben abtrünnig gewesen und zu demselben reuig wiedergekehrt, oder, im Falle von Lebensgefahr, ge- *wungen war vom Glauben der Väter abzufallen. — Ganz unbarmherzig geht der Verfasser S. 94 und 95 mit den unglücklichen Geisteskranken um. Er über- Bieht, dass viele Uebertretungen Folgen einer Krankheit sind, gemäss dem Gesetze (Eben Haeser 154,4) aber, entsprechend dem Entwürfe des bürgerlichen Gesetzbuchest, körperliche oder geistige Krankheit des Mannes für die Frau kein Scheidungsgrund ist, im Falle der Krankheit der Frau aber dem Manne die Pflicht erwächst, anstatt sich scheiden, sie heilen zu lassen. (Eben Haöser 70,4.) Es sei hiervon ganz abgesehen, dass eine Geisteskrankheit, aut weiohe die Charakterien des Gesetzes zutreffen, zu den äussersten Seltenheiten gehört. Die Institution aber, mittelst Dispenses von hundert Babbinern dem Ehegatten die Verheirathung zu gestatten, wenn die Gattin desselben in völliger Geistesumnachtung dahinsiecht, hat nioht die Krankheit, sondern den Mangel an Vernehmbarkeit der Frau zur Ursache, welche uothwendig ist; da gegen den Willen derselben keine Ehescheidung durchführbar ist. — Dem Geiste des Schriftwortes gemäss (Deut. 24,1) stand es, entgegen der vom Verfasser S. 78 ausgesprochenen Ansicht-, niemals im Belieben des Mannes die Frau zu verlassen, sofern nicht ein sittlicher Makel der Frau angehaftet hatte. (Eben Haeser 119,3.) (Schluss folgt.) Bsmberger, Dr. 4. Fünf und zwanzigster Jahresberic ht, zugleich Festschrift zur Erinnerung an den 25 jährigen Bestand der Religionsschule der Synagogengemeinde Königsberg i. Pr. 1801. Selten hat noch einer so geschickt aas der Noth eine Tagend gemacht als Dr. Bamberger bei dem Jubiläum der Refigiousschule seiner Gemeinde; die jüdische Gemeinde hat nämlich keinen eigenen Festsaal für eine Feier zur Verfügung, darum musste sie die Feier in die Synagoge verlegen und dieser Noth geh־"chend hielt denn D- Bamberger dort eine vortreffliche Predigt, die auch in ihur geistvollen Benutzung von Bibel- und Talmudstellen, in ihrer Anlehnung au die Sidra der ־Woche sehr gut als ״Derascha“ passiren kann. Das Streben' der Anstalt 18t. vortrefflich in den Worten gezeichnet: ״Was wir lehren i*t Gemeingut aller religiösen Parteien. Wir bekämpten den Indifterentismus wie den Fanatismus, setzen ihm das rein■• unverfälschte Gotteswort entgegen, im Gewände der Gegenwart, I voll Pietät gegen die Vergangenheit, für die Zukunft arbeitend.“ j Die Schule, die vor fünf und zwanzig Jahren mit 138 Schülern j begonnen hat, hat zur Zeit einen Bestand von 377 Schülern. — . Man kann wohl ste's, wenn uns eine Schrift von Bamberger | in die Hände kommt, daiauf rechnen irgend eine praktische ן Anregung zu empfangen. Eine solche linden wir auf Seite 20 des Berichtes. Jeder Rabbiner oder Religionslehrer weiss, I welche Schwierigkeiten es hat, wenn unsere Feste aut Schul- : tage lallen, alle jüdischen Schüler zum Besuch des Gotteshauses! und zum Fernbleiben von der Schule an diesem Tage zu hestimmen. Und diese Uneinigkeit, ist doppelt bedauerlich, zuerst wegen der Schüler, sodann weil christliche Lehrer und l'irektoren, wenn s;e diese Zerfahrenheit und die Geringschätzung vieler Juden gegen die religiösen Heilig'hüttter bemerken, nicht• gerade von Judenthum und Jaden besser denken. In Königsberg erhält nun jeder jüdische Schülor beim Beginn des Schuljahres ein Formular zu Dispensationsgesnchen ii\r alle in die Schulzeit fallenden Festtage. Ist dann aas Formular untererhriobon und überreicht, so ist die ganze Angelegenheit nicht tttr ein hestimmtea Fest, sondern für die Feste des ganzen Jahres goordnet. Diesen Formular vereinfacht nnd erleichtert die Regelung einer so hochwichtigen Angelegenheit u״d ist jedenfalls zur Nachahmuug zu empfehlen. Durch das Bureau des ״Verein* zur Abwehr des Aul י si-jul- 11*11111»״ in Hcrliu,L'!lpzlger*tr. 134,sind folgende Schritten und Flugblätter zu beziehen: ' 1. Antlsemltensplegel. 1. u 2. Lieferung, Preis pro Heft 20 Pf. (Bei grösseren Bestellungen treten erhebliche Preisermässtgungen ein.) 2. Ahasver. Ein Mahnruf in dor .Tudentrago von Vfairor Schirmer in Düsseldorf. Preis pro Stück 5 Pt. 3. Die Juden hetze. Von Karl Schmidt. Preis 20 Pf. 4. Die Antisemltenbevreguitg in Deutschland in Ihren Ursachen n«d Folgen. VonP.J•. Fiedler. 50Stück IM., 100Stück 2M. 5. Flugblatt No. 1. Ein Beispiel für die Agitationsweise der Antisemiten. 100 Stück 60 Pf, 1000 Stück 4.50 M. 0. Flugblatt No. 2. 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