Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 11. (12.3.1891)
- Date
- 1891-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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—üi Jüdisches Litteratur-Blatt. Zar Beleaehtaag aller Jaltattn aad J1I11 betreffe■ den llttcrarleehaa Eraehalaaagea aaf Jen Utkleta der Pklloopkle, Qeaeklekte, Etkaograpkle, Tkeolegte, Orleatalla, befreie, Hoeületlk, Lltergik a. PUafOfik. Herausgegeben ▼on Rabbiner l)r. Moritz Rahnier. fXCacfi&fyuK}, 12. 0T£ä׳r* * 1891. Itlrberderelaeekli*1*ea(jltter4tar,welebe der Bedarton sageeaadt werde■, ■edee In dleaeai Blatte eiagekeade Beepreeh■■(• Bel Eiateadaag ree awel Beeeeeloa«• Exemplaren erfolgt etamallde knrae « r a 11 a laeerttoa. Dm nJHIiekt LltterBtu-BUttx erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhandlungen(in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 ■ark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift^, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 ■ark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit *5 Pf, für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mjt 80 ■ark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 V Rabatt. Inhalt: W issensohat'tliche Aufs ätze: Moses als egyptischer Heertührer. Von M. Silberstein-Breslau. — Ueber den Öregorius Hartraan’s von Aue. Von Dr. S. öelbhaus, Rabbiner und Prediger zu Prag. (Fortsetzung.) — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rhein (Schluss.) Litteraturbericht. Recensionen: Schwarz, Dr, Adolf Rabbiner in Karlsruhe. Tosiftajuxta mischnaruin ordinem recomposita et commentoric instructa. Pars I. — (Fortsetz.) Das Qedenkbuch für J o 81 Litterarische Anzeigen. stellte sie ihm Moses vor and hoffte, dass seine Dienste dem Lande von grossem Nutzen sein würden. Bei dieser Gelegenheit ermangelte sie auch nicht, dem Priester und Berather des Königs, der sich selbst nicht schämte einzagestehen, dass die Hülfe des verhassten Hebräers eine sehr wünsohenswerthe sei, nachdem er früher das Volk angestachelt hatte denselben Mann umzubringen, die wohlverdienten Vorwürfe zu machen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Moses als egyptischer Heerführer.*) Von M. Silberstein -Breslau. Zar Zeit des Königs Pharao, welcher das Volk Israel unterdrückte, wurden die Egypter von ihren nächten Nachbarn, den Aethiopiern, überfallen, und aller ihrer Habseligkeiten beraubt, und obgleich sie sich zur Wehr setzten, so gut es in der Ueberrumpelung ging und muthig gegen ihre Angreifer känipflen um diesen Schimpf zu rächen, mussten sie schliesslich doch der üebermaoht weichen. Viele von ihnen wurden getödtet, und die Uebrigeu retteten ihr Leben durch die Flucht. Als die Aethiopier das sahen, setzten sie ihren Angriff mit noch grösserem Eiter fort, indem sie dachien: dass :Lau es für ein Zeioben der Feigheit halten könnte, wenn sie nicht ganz Egypten unterjochten. So fiel ihneu eine Stadt nach der andern, deren Bewohner nicht den Math hatten es mit ihnen auizunehmeu, als reife Frucht in den Schoss, und sie drangen fa-: ohne Hinderniss über Memphis hinaus bis an’s Meer vor. In dieser Bedrängniss nahmen die unglücklichen Egypter ihre Zuflucht zu den Orakeln und Prophezeihungen und als ihnen durch Priestermuud verkündet wurde, dass sie sich an den Hebräer Moses •v״y״e.; und seine Unterstützung in Anspruch nehmen sollten, befahl der König seiner Tochter Thermutis, die sich trotz der grausamen Gesetze ihres Vaters, seiner so erbariuungsvoll angenommen hatte, dass sie ihrem Schützling Vorstellung darüber machen, und ihm iu seinem Namen die Führung des egyptiecheu Heeres antragen möchte. Da sie dem Vater aber in Rücksicht auf die Vergangenheit nicht ihr volles Vertrauen schenken konnte, verlangte sie vorher seine eidliche Versicherung, dass er nichts Böses gegen ihn im Schilde führe, uud nachdem er dies gelhau, ■*I Nach Josephus' AltertImrner LL 10. Ich zweifle nicht, dass diese Episode Eher bei der Abfassung seines ״Josua“ vorschwebte So übernahm denn Moses auf die Veranlassung von Thermutis und auf den Wunsoh des Königs bereitwilligst, zur Freude der egyptisohen und der hebräischen Bevölkerung, das ihm übertragene schwierige Amt. Gestützt auf die Or akelsprüohe hofften die Egypter nicht blos durch seine Tapferkeit von ihrem Feinde befreit, sondern ihn selbst bei dieser Gelegenheit auf irgend eine Weise 108 zu werden, während sioh die Hebräer der Hoffnung hingaben, früher oder später durch ihu von dem egyptischen Joch befreit zu werden Moses stellte sioh an die Spitze des Heeres und führte es, dem in seiner Sicherheit eing eschläferten Feinde entgegen, ohne dass dieser auch nur die geringste Ahnung von seiner Annäherung hatte. Er schlug nicht die Wasserstrasse, sondern den viel beschwerlicheren Landweg ein, bei weloher Gelegenheit er einen schlagenden Beweis seines wun derbaren Scharfsinns lieferte. Die Gegend, welche er zu passiren hatte, war wie besät mit den bösartigsten Schlang en, welohe unbemerkt aus der Erde zu kommen schienen, die Menschen plötzlich überfielen und ihnen den grössten Schaden zufügten. Um seine Armee vor diesen Ungethümen zu schützen, nahm er zu folgender List seine Zufluoht. Er wählte ein gefiedertes Vöikoken, die Ibisse, zu seinen Bundesgenossen gegen dieselben und führte sie in Binsenkörben mit sich. Es ist höchst wahrscheinlich, dass sie sioh zur damaligen Zeit im Zustände einer Halbgefangensokafb fortgepflanzt haben,*) und aah.r zu dem von Moses projektirten Plane leicht zu haben waren. An und für sich die denkbar zahmsten Thiere, sind sie doch die ärgsten Feinde der Schlangen, welche das auoh zu wissen scheinen, denn sobald sie dieselben zu sehen bekommen, ergreifen sie die Flucht. Als nun Moses iu dem Schlaugeuheim aukam, wurden die Körbe geöffnet und die Ibisse iu Freiheit gesetzt. Es begann eine wahre •) .Siehe Rrehm’s Thierleben