Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 9. (26.2.1891)
- Date
- 1891-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches ***** Litteratur-Blatt. Kar Bdnektaac ■II« Ktalli•■ n■ Ja«■ k«tr*f*a4•» IlttarariMk«« b• tMtitpi uf ta lltkllta 4«r Pkllo- •*kl•, StMkickU, ■tkaografkU, Tk•••!•{!*, OtImUIU, loalhtlk, Uturfk ■. PUamlk. Her»nsgegeben ▼OD Rabbiner l)r. Moritz Rahmer. , 26. ffeCiuai iSgi. Bl«k«r4v•iiNlillllguUUerKar.wtlcI ür ngiuilt werdM, 8141• im AU••■• Blitt« •I1|a«14• >MprMh«>1t Bd U1H14111 f«1 sw 61 tUtliilo•!• CxMgltr«■ «rfolgt «ttaftllg« ktm (}ritii• l»sertt6a. Dm •JMIseke Lltteratar-BUtt•« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhendlungen(io Leipzig bei Robert Ftieee) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschritt“, die vierteljährlich bet and Buchhandlungen 8 Mark *ahlen, erhalten das ״Jüdische Litteiatar-Blatt* gratis. — Inserate werden mit!ן M, tftr die gespaltene Petitseile, Beilagen mit 80 Mark» berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden BaohUndler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 X Rabatt. Inlta.lt: W i saenechaftliche Aufsätze: Das Räthsel als orientalische Lehrmethode. Von W. Taylor-Smith. — Leber den Gregorias Hartman’• von Aue. (Fortsetzung.) — Die Juden und das Finanzwesen in früheren Jahrhunderten. L itteratnrbericht. Recension: Behrend, Benzion, Der achtundsechzigste Psalm nach Abfassungszeit und geschiehtlichem Inhalt. L itterarische Anzeigen. Uabsf*|ler Nashdrnsk aus disssm Blatte ist nisht gsstatieL Das Räthsel als orientalische Lehrmethode. Von W. Taylor-Smith. Das Räthsel nimmt in dem Leben und in der Litteratur dea-Occidentalen eine sehr untergeordnete Stelle ein, obschon einige grosse Schrütgteller, z. B. Schiller und £yron, es ihrerbesondern Beachtung nicht unweTth hielten. Im alten Orient dagegen stand es in hohem Ansehen; Könige, Propheten und Weise betrachteten es als ein unterhaltendes, ehren* werthes ujad nützliches Mittel, den Verstand zu schärfen. In Babylonien wurde es höchst wahr* schein)ich schon in tehr früher Zeit cultivirt und die Stammväter der Israeliten haben jedenfalls auf ihren Zügen nach Westen Proben semitischen Scharfsinnes, welche in Ur und andern Centren der Civilisation am Euphrat und dessen Nebenflüssen in Umlauf , waren, mit herübergebracht. Das Räthsel war auch in den Ländern des Nil bekannt und es ist ganz gut möglich, dass egyptisehe Räthsel zu der Beute ge- I hörten, welche die Hebräer mit sich führten, als sie I sich von der Herrschaft des M e n ep h ta h loswanden. | Sei dem, wie ihm wolle, das Räthsel war schon elf- I hundert Jahre v. d. g. Z. in Canaan ein gewöhnliches I Unterhaltungsmittel bei festlichen Versammlungen I und wir können seine Spur durch alle Wandlungen I in der jüdischer! Geschichte durch mehr als 20 Jahr- I hunderte verfolget׳, während welcher Zeit wir ihm I als einem beliebten Gaste in den Palästen der Könige I sowohl als in den Lehrsälen der Rabbinen begegnen. I Das hebräische Wort für Räthsel rHTl bedeutet B nach einer mutbmasslicben Ableitung etwas Ver- B wickelte» und Verschlungenes und ist daher I einem eigentümlich verschlungenen Knoten zu ver- I gleichen und seine Lösung die Lösung eines solchen ■ Knotens. In alten Testament begegnen wir dem- ■ selben 17 Mal und wird es in der revidirten eng- Büschen Uebersetzung verschieden übertragen, als ״Räthsel“ — ״dunkle Fagt “ (Ps. 49,5) ״dunkle Sentenz“ (Daniel 8,23) ״dunkle Rede“ (Numeri 12,8), ״Sprichwort“ (Habakuk 2,0) ״schwere Frage“ (1. B. Könige 10,1). Diese Verschiedenheit in der Ueber- Setzung zeigt, dass nach Ansicht der competentesten Üebersetzer das Wort eine vielseitige Bedeutung hat, wie dies auch bei mehreren andern hebräischen Wörtern der Fall ist, und dass es daher nur zum Theil mit unserm ״Riddle, Aenigma, Räthsel“ übereinstimmt. Die wichtigsten dieser 17 Stellen, auf welche sich unsere Studie bezieht, gehören 3 Perioden der israelitischen Geschichte an, zwischen deren ersterer und letzterer ein Zeitraum von wenigstens 500 Jahren liegt. Es sind dies die Periode der R i c h t e r, die Lebenszeit Salomons und die Epoche der Gefangen8ohaft. Werfen wir nun einen Blick auf dieselben in chronologischer Reihenfolge: Richter 14,14: Das Räthsel, durch welches Simson die Philister in Verlegenheit bringt: ״Vom Verzehrer kam Speise und vom Starken Süsses,“ 60 wie dessen räthelhafte Deutung bei der erschlichenen Lösung: ״Hättet ihr nicht mit meinem Kalbe gepflügt, so hättet ihr mein Räthsel nicht errathen“ — sind die ersten Beispiele jüdischer Räthsel und die ganze Erlässt uns einen genauen und interessanten . Blick , in die Stellung thun, welche das Räthsel zu &ehr entlegenen Zeit im canaanitischen Volksleben behauptete.*) 1. Buch der Könige 10,1 und 2. Buch der Chronik 9,1: Die schweren Fragen, welche die Königin von Saba an Salomo richtete, mögen eher schwierige Probleme als Räthsel in dem gewöhnlichen Wortsinn gewesen sein. Einige Rabbinen halten sie jedoch für letztere und so entstanden einige merkwürdige Sagen, welche uns fast an die Märchen iu ״Tausend und eine Nacht“ erinnern. Die Abenteuer der arabischen Königin sind in dem Targum zum Buche Esther detaillirf, ebenso in dem Midrasch oder allegorischen Commentar zu den Sprüchen Salomonis. Nach diesen beiden Autoritäten versuchte es die Königin, den König von Israel durch fein ver- Schillingen« Räthsel in Verlegenheit zu bringen. Zwei derselben lauten in einer ein wenig abgekürzten Form UDgefähr wio folgt: *) Die Verwendung des lhitbsels bei Hochzeitsieierlichkeiten, die Bestimmung eines Preises für die richtige Losung und einer Straie iür den entgegengesetzten Fall, sowie die rhytmischc Form seiner Ablassung sind Punkte, die eine besondere Beachtung verdienen,