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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-02-05 · N° 6. (5.2.1891) · p. Seite 24

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 6. (5.2.1891)
Date
1891-02-05
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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denken seines Vaters wachenden Sohne vorgeschwebt ] haben, als er sich an die Herausgabe vorliegenden Werkes machte, das als ״Gabe der Erinnerung“ be• trachtet werden will. Aber sol! und kann der dankbare Empfänger und Beschauer einer Gabe, eines Geschenkes, den Massstab der Kritik anlegen? Soll er prüfen, wo er sich still erfreuen soll? Mir ist’s, als öffnete sich der uns entgegenlachende Mund aut dem trefflichen Kunstblatle, das die schöne Sammlung schmückt, zu den Worten: ״Lass es sein, frag’ meine | guten Wiener, die sich so häufig an diesen Gesängen! erfreut, sie bedürfen nicht mehr der Kritik!“ Und! in Wirklichkeit ist dem auch so. Sie bedürfen nicht mehr des Lobes, diese rechten Kinder Sulzer’scher Muse. Zum Theil haben sie schou vor Decennien die weiteste Verbreitung in Abschriften gefunden, wie nicht minder ein von dem Württemberger isr. Kirchenrath besorgter Nachdruck vom Jahre 1838 dazu beij getragen hat, so manchen dieser Gesänge zum Eigenthum vieler Gemeinden zu machen'). Der Nachdruck einer Manuscript-Partitur geschah s. Z. ohne Vorwissen Sulzer’s, der sich darüber, wie sich ven selbst versteht, sehr ärgerte, aber er wurde nachträglich auf sein Betreiben entschädigt 1). Obgleich so mancher No. in der ursprünglichen Form der Vorzug gegeben werden dürfte, so mag hier die sorgfältige Bearbeitung des Herausgebers hervorgehoben werden. Dem Sohne und Musiker musste daran gelegen sein, seine Liebe an den Werken des Vaters musikalisch zu bethätigen, und so sehen wir die alten schlichten Compositionen häufig in ganz neuem Gewände erscheinen. Dass bei manchen Compositionen (nicht hei allen!) dieses Verfahren geboten war, wird beispielsweise den Kenner der No. V. (Adöu ölom I.) eiuleuchten, da diese in der ursprünglichen Gestalt bekanntlich einen Ton höher schloss. Dagegen hätte ich beim Hissörari (No. 1.) die Urform lieber beibehalteu gesehen. Der volle Einsatz führt den ״Weckruf“ musikalisch näher, als das zagende pausale Achtel. Als gänzlich verunglückt ist die (No. 12) הנרות zu betrachten. Es scheint nur ein Fragment zu sein, bei dem der grösste Theil des ursprünglichen Textes leer ausgegangen. No. XIIL erinuert stark an nordische Musik (?Grieg), die wie ein Scherzo charakteristisch seiu will, die aber, in der Gestalt und über diesen Text gesetzt, nicht in die Synagoge gehört. Es müssen bessere Nummern zur Wahl gewesen sein. Eigenthümlich ist auch die textliche Zusammenstellung in No. 19 — ein wahres Monstrum von einem Elaborat unzusammen- | hängender Texte. Ich bezweifle, dass dieser jemals in! ’) vgl. Zeit d. J. 1838, No. 125, Sp. 1 und Heft II. S. 23 der dort angeführten Gesänge mit No. V. vorliegenden Werkes. ף Eigene Mittheilung Sulzer’s. Auch von den Kopeuhagener Gesängen (1836), welche 17 Nrr. von Sulzer enthalten, wusste er. Wien Brauch gewesen. Dagegen hebt sich sehr vortheilhaft ab die componirte Synagogenscene zu Gutzkow’s ״Uriel Acosta“ (1849 für die Aufführungen im k. k. Hotburgtheater componirt). Hier ist die freie textliche Zusammenstellung eine geschmackvolle zu nennen, und der Effect der Musik muss geradezu ein bewältigender sein. Man denke sich eine tiefe Altstimme unter Begleitung jvon düsteru Moll-Accorden, denen sich dann Knaben und später Männer- und Frauenstimmen anschliessen, den hebräischen Text שמעי בנים מופר אב, תורתי אל תעזובו (nach Prov. IV,1) mit wechselreichen Tönen in portugiesischer Ausspräche anstimmen, zwischendurch ein dumpfes Horn, den Schophartou ersetzend, dass den brütenden Helden zu seinem Glauben zurüokrufen will, im Vordergründe die vollendetste Mimik, die uns den aufgewühlten Schmerz einer gepeinigten Seele erfassen lehrt, so dass es uns erschauern macht, und man hat ungefähr ein Bild von der Kraft einer Composition, wie sie nur eiu Sulzer schaden konnte. Mit dieser No. schliesst die Sammlung den reichhaltigen Theil aus dem Nachlasse Salomon Sulzer’s. Im ״ Anhang “ macht uns der Herausgeber mit fünf seiner Syuagogen-Oompositionen bekannt, die geeignet sind, uns eine gute Meinung von seinem musikalischen Können zu verschaffen. Ob sie aber so lebensfähig sein werden, wie die Schöpfungen seines unvergesslichen Vaters, dessen Andenken sie geweiht sind, muss leider bezweifelt werden. Es steckt in ihnen zu viel ״Wagner“. Dieser war bekanntlich kein Freund der Synagoge, and diese hat keine Ursache, mit ihm Arm in Arm das Jahrhundert herauszufordern. — Der alte Sulzer hat uns einen Syaagogeumusik-Styl gegeben, und dem wollen wir treu bleiben. — Als der älteste Sohn Sulzer’s, ein Bruder des Herausgebers, zum Oberoanr,or von Frankfurt gewählt worden war, schrieb der Vaüer au ihn: ״Wir wollen, mein lieber Sohn, Du und ich — Du in jugendlicher Kraft, ich mit dem letzten Reste heiligen Feuers — uusorin Gotte dienen, seinen Ruhm seiu Lob verkünden. Und wenn einst meine Zeit kommt, werde ich meine Hand segnend auf Dein Haupt legen, und Du wirst die Lücke aasfüllen und der Vater wird im Sohne foitleben, und unsere Brüder werden noch iu später Zeit sich Derjenigen erinnern, dis um Gottes Willen für die Ehre ihres heiligen Glaubens eingestaadeu.“ Dazu bemerkt Stein'): ״Das ist die Sprache eines Mannes, der für eine Idee lebt!“ Ja, Sulzer hat für eine Idee gelebt — ob sie aber die Naohwelt iu Dankbarkeit so pflegt, wie sie es verdiente? Königsberg. E. Birnbaum. ') I8r. Volkslehrer 1851, S. 58. Litterarischer Anzeiger. Von den JabivBngeu 1887) 1888,188» u. 18»» des Jüdischen Litieraturblatts sind nwrh einige cuuiplete Exemplare ««rhandeo. llinrlben sind aufkurze Zeit 11 4 Mark baai* franco 7.11 beiidicn durch die Kxped. d. Jsr. Wochenschrift. Eine Wlttwe, im Allee Mitte 30 er, 1!11t einem kind um •"> Jahren lieuhsirlnigt sich wieder zu verehelichen. Offerten unter R. 112 /ur Weiterbeförderung nnllaasenstein und Vogler A.-G., Cassel llisrrction Ralimer’s lielir. Sdiulbiielicr: Sehreiblese-Fibel, 7. Aufl, geb. 50 Pf, Telllla ke/.ar« I., 8. Auf!., geb. 65 Pf., Tefilin kezara II, 6. Auf!., geb. 1 Mk., stets vorrät big. «I. Knitffmnnu, Frankf. u. 11 Soeben erschien 1m Verlage von Wilhelm Jacobsohn & t'o. in Breslau: Gedenkblätter. Zur Erinnerung an Itr. )1. Joel. Mit dessen Bild 1 Preis 1 .Hark 50 Pl'g. Die soeben m. farbenprächtigen Stahlstich - Modebildern, Monogramm-Gravuren, gros. Schnittmusterbogen, illustrirter Belletristik and Extrabeilage erschienen*) u e u e 8 te Nummer von ״Mode und Haus“ zeichnet sich durch ausserordentliche Vielseitikgeit aus. 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