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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-01-29 · N° 5. (29.1.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 5. (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 5. Jüdisehes Jahrg. XX. Litteratur-Blatt. far Btleiektkig aller Jilntkia and Jade■ betreffende* lltterarische* Er* •eheie*Bgea aaf de» Gebiet« der Philo• ■ephle» Geschichte, Ethaographle» Theo• I>g1ev Orjeatslla, Exegese, Homiletik, Lltargtk a. Pidagoglk. Heraasgegeben von Rabbiner Dr. Moritz R&hmer. 9T£a<j96(?ut׳<j,, 29, 3anuat1891 ׳ Richer derelasehllgigen Mtteratar,welch 4er Bedaet on aagesaadt werde*, (lade* I* diese» Blatte eingehende Besprecht*«/ Bet Elnseadang ▼0« swel Becenslonn• Exemplaren erfolgt einmalige kar*# Gratis• Insertion. Das »Jldische Ltttermtar-Blatt*‘ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. 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Gelbhaus, Rabbiner und Prediger zu Prag. i Hartman von Aue (der zwischen 1170 und 1220 i lebte) ist der hervorragendste Dichter der mittelhochdeutschen höfischen Romanpoesie. Diese Dichtungsgattung ist nicht aut deutschem Boden entstanden; sie ist den deutschen Dichtern durch französische vermittelt worden. Auch Hartman von Aue hat seine Stoffe nicht erfunden, sondern sie wurden ihm von Anderen überliefert. Obwohl er sich hinsichtlich der Umrisse streng an seine Vor-! läge hält, so bekundet er hinsichtlioh der Auffassung; eine weitgehende Freiheit und Selbstständigkeit. Er ן ist nicht etwa ein sklavischer Uebersetzer, oder ein! sprachgeübter Nachdichter, sondern ein selbstständiger Poet, der, dem herrschenden Zeitgeschmäcke Rechnung tragend, die in der Mode stehenden Romanobjecte zu den seinigen macht, an welchen er aber, den Eingebungen seiner Mühe folgend, bedeutende Modification vornimmt. Von demselben sagt Bartsch in der Germania 7. S. 181: ״Die meisten Abweichungen sind der Art, dass sie sich als absichtliche Aenderungen Hartman's kund geben, der insoweit seinen Stoff beherrschte, als er das Unpassende mancher Situation iu seinem Vorbilde durch leichte Motive zu mildern suchte, oder Andeutungen in seinem Originale zu neueu Situationen erweiterte. Hartman’s innige und maassvolle Natur findet, bei aller Abhängigkeit im Stoffe, wie sie die Gewöhnheit and Ueberlieferung mittelalterlichen Dichtern ' unterlegte, doch noch immer reichlich Gelegenheit : sich geltend zu machen.** Er durchgeistigt die ' Materie durch feinsinnige Betrachtungen und giesst über Personen und Zustände eine verklärende Idealität aus. Hartman war ein Ritter, der im Gegen-! satz zu seinen Standesgenossen lesen und schreiben konnte, — Ein riter der geleret was unde ez an den buocheu las, sage er von sich im Jweia 20 und im i Armen Heinrioh 1, — der auch die lateinische und j französische Sprache verstand. Seine Werke bestehen aus dem Erec, aus Liedern (Büchlein), dem Gregorius, dem Armen Heinrich und dem Jweiu. Hartrnan’s Werke waren zu seiner Zeit sehr angesehen, wie aus einer Stelle im Parceval hervorgeht, und von späteren Minnesängern wurde er hochgeehrt. Gottfried von Stra9sburg singt von ihm iu seinem Tristan 117,21 — 37: ״Hartman der Auer ei wie der die Sage nach jeder Richtung mit Wort und Sinn verziert und schmückt. Wie er treffend den Geist der Aventiure darstellt. Wie lauter und wie rein, einem Krystall gleich, ist seine Ausdrucks weise. Sie schmiegt sich der Seele sanft au. Wer guten redliehen Gemüthes ist, der kann dem Auer seinen Kranz und seinen Lorbeer nicht vorenthalten.״ Nach seinem ersten dichterischen Versuche, dem Erec, wandte er sich dem Gregorius zu. Für diese Dichtung sind zwei Vorbilder vorhanden, ein lateinisches und ein französisches. Das lateinisohe ist ein Fragment, welches Leo in den Blättern für litterarische Unterhaltung 1837 abgedruckt hat. Das französische ist ein Gedicht, welches den Namen Vie du pape Gregoire le Grand führt und in Tours 1357 von Victor Luzarohe herausgegeben wurde. Welchen von diesen Quellen Hartman folgt, soll hier nicht untersucht werden. Der Inhalt des Gregorius ist in Kürze folgender: In Aquitanien lebte ein Fürst, welcher einen Sohn und eine Tochter hatte. Vor seinem Tode rief er die Grossen seines Reiches zu sich, und übergab ihnen seine unmündigen Kinder mit der Bitte ihren Lebensweg zu behüten. Nach dem Hiuscheideu des Fürsten schlossen Bruder und Schwester an einander sich aufs innigste an. Durch den allzu iutimen Umgang wird der Bruder zu verbotener Zärtlichkeit für seine Schwester verlockt. Dieselbe leistet Widerstand, aber die eindringlichsten Bitten und Reden bleiben erfolglos. Die Folgen bleiben nicht aus und aut Anrathen eines Freundes legt mau das neugeborene Kind in eine Kiste und giebt es deu Wellen des Meeres Preis. Der Vater stirbt und die Mutter ergiebt sich einem büssendeu Leben, um die ungeheure Schuld zu sühnen. Der Nachen, der das Kiml tragt, wird au das Ufer eines unbekannten Landes geworfeu. Das Kind wird voa einem Abt aufgeuoiumeu und erzogen, und Gregorius genannt. Als Gregorius zum Jüngling heraawächst, erfährt er, dass er unbekanuter Herkunft sei. Es erw&oht iu ihm das Verlangen, seine Abstammung zu kennen. Er verlässt seiuen bisherigen Aufenthalt und zieht hinaus in die weite Welt. Er kommt in ein Reioh, in welchem eine Frau herrscht, die aber von einem fremden

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