Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 4. (22.1.1891)
- Date
- 1891-01-22
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
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— 16 -׳ jüd. Cantoren jener Zeit zu wenden, die, wie bereits angedeutet, nicht so unmusikalisch waren, glaubte man sich nichtjüdischen Musikern ausliefern zu müssen, die mit einem Male für eine fremde Kirche die innigsten Töne finden sollten. Und in der That sehen wir mit einem Schlage den protestantischen Choral und das Schullied nach der Synagoge verpflanzt. Der erste, dem diese Aufgabe zufiel und der sie auch nach Möglichkeit gelöst, war der im Jahre 1780 geborene Dr. Heinroth. Ueber diese seine Th&tigkeit schreibt Schilling5): ״AI» der um seine Nation 80 hoch verdiente Jacobson den Gottesdienst, der Juden zeitgemässor einrichten wollte, stand H. ihm kräftig wirkend zur!Seite, dichtete Lieder für die israelitische Gemeinde in Seesen ‘), und gab ihnen den Christliehen Kirchengesängen ähnliche Melodien, die auf einer, durch seinen Betrieb in der dortigen Synagoge e•־richteten Orgel begleitet wurden. Dasselbe tliat er auch tür die israelitischen Gemeinden in Cassel und Berlin, wohin Jacobson darauf seine Reformation verpflanzte. H. war an beiden Orten persönlich anwesend und thütig. Letzeres besonders in Berlin, wo er im Vaterhause des berühmten Opernkomponisten Meyerbear eine neue Synagoge errichten halt, und hinsichtlich des musik. Gottesdienstes allein organisirte. ’) Auch in den Synagogen zu Leipzig. Hamburg’) etc sind noch jetzt mehrere seiner Lieder und Melodien im Gebrauche. Dank für solche, dem israelitischen Cultus unstreitig höchst wichtigen Dienste ist ihm von Seiten der.Tuden nie geworden, wenn wir die 200 Louisd’or, welche Jacobson ihm nachschickte, als er 1818 an t'orkel’s Stelle nach Göttingen beraten ward, wie billig nicht dahin rechnen wollen.“ So weit Schilling. Da Heinroth Mitarbeiter au 1 der Encyclopädie gewesen, so darf angenommen werden, dass der ganze Bericht über seine Thätigkeit im Dienste des jtid. Cultus seiner eigenen Feder entstammte. Als Curiosum sei hier erwähnt, dass Lewandowski (Kol Rinuah No. 28) und nach ihm Baer (Prakt. Vorb. No. 418) einen ״Adöu ölom“ seiner (H.’s) Composition mit ״alter Weise“ bezeichnen, wie sonst nur altes חזנות bezeichnet zu werden pflegt. Heinroth hatte die Melodie auf das Lied: ״Es ist eiu *) Encyclopädie, Stuttg 1816, III. 515. •) Er war Lehrer an der Jacobson-Schule daselbst. Von H.’s Thätigkeit in Seesen ist meines Wissens sonst nirgends die Rede gewesen, obgleich er sich um sic besonders verdient gemacht haben soll. in don pädagogischen Schritten von Niemeyer und Xerenner soll davon besonders die Rede sein (Schilling!. In seinem ״Musik, llültslmoli tiir Prediger, Cantoren" etc. Göttingen 1880 wird unter seinen nichtmusik. Schritten ein ״Kurzer Einriss der Jacobson-Schule in Seesen, liraunschw. bei Vieweg" angeführt Dr. Arnheim־s Schritten zur Siikulftrteier dieser Anstalt (Braunschw. 1167, llddesheim 181131 erwähnen seiner mit keiner Silbe. Dr. II. war von Hause aus Theologe. ’) Ein Beweis mein•, dass Meverheer nicht eine Note tür die Synagogo schrieb Ich komme darauf zurück. *> vgl. die Voneda Kley's zu seinen ״Melodien Hamb. 1818. Gott“, einer freien Uebersetzang des ״Jigdal“, ge- I setzt*). Es ist hier nicht der Ort, diese Art von I ״Synagogenmusik״ oder die Geschichte ihrer stetigen Verbreitung ausführlicher, als es schon geschehen, zu beleuchten. Das längere verweilen bei ihr sollte nur dazu beitragen, das spätere Eingreifen Sulzer’s desto klarer in die Erscheinung treten zu lassen. Soll Sulzer, wie es hier mit Liebe geschieht, geschichtlich gewürdigt werden, so muss aut seine Vorarbeiter zurückgegriffen werden. Aber wie klein und wichtig erscheinen nicht diese Versuche gegenüber den unsterblichen Thaten unseres unvergesslichen Meisters! (Schluss-Artikel folgt.) Litterarische Notizen. Veste. Die Bezeichnung ״Veste“ gebraucht bekanntlich Luther in seiner deutschen Bibelübersetzung für das Himmels- Firmament. Er schreibt Veste, statt ..Feste“ d. i. Festung, um Wort und Bedeutung von einer militärischen Festung zu unterscheiden; Wort und Bedeutung sind aber docli ganz gleich. Die lateinische Uebersetzung hat deshalb, auch firmamentum, wovon wir unser deutsches ״Firmament'‘ haben. Firmamentum ist näralich liier gleichbedeutend mit fundameutum in dem Sinne von ״Grund, Unterbau“, wie wir auch unser ״Fundament“ als technischen Bau-Ausdruck gebrauchen. Denn die heidnische Vorwelt sah das Himmelsgewölbe als fundamentalen Unterbau an, worauf die Oberwelt gestellt und gegründet sei, welche das Himmelsgewölbe zu tragen habe. Unter diesem Gewölbe, gleichsam wie eine Kellerwohnung (Souterrain', befinde sich unsere Erdenwelt., welch ) wir auch noch die sublunarische nennen (.,die Welt unter dem Mond“ d. 11. unter dem Mond befindliche, und vom Mond beherrscht). Auch die Bibel verlegt den Himmel und die Wohnung Gottes nach oben; eine alte und überlieferte Anschauung Das ״Gewölbe“ gebrauchen auch wir als Fundament, weil es als Kreissegment stärkere Lasten trägt, als die horizontale Fläche. Die biblische Schöpfungsgeschichte ist sich bewusst, dass dieses Gewölbe nur ein scheinbares, in Wirklichkeit aber der Horizont eine Fläche ist, daliei die Bezeichnung ״ רקיעAusdehnung“ d. i. Fläche, geradezu im Gegensatz zur a'.teu, heidnischen Anschaumig. Der Ausdruck bezieht sich auch auf die sich ״ausdehnenden“, ziehenden Wolken, die demnach keine ״Feste“ kein ״Fundament“ bilden, also wiederum im Gegensatz zur alten Anschauung. R.-A. Prag. Von Herrn Professor Dr. Kämpf ist demnächst die Veröffentlichung einer neuen Uebersetzung und Erklärung der Psalmen zu erwarten. Paris. Jules Oppert wurde zum Vorsitzenden der Academio der Inschriften und schönen Künste gewählt. Load)11. Ein Exemplar des נחלת יהושע von Kosman .Modi an er, herausgegeben von Dr. W. Bacher io Budapest ist durch ein Mitg ied der Familie Modianer dem Papst 0 zum Geschenk gemacht worden, welcher diesem ״Werk von hohem litterariscüen Werthe“ sofort einen Platz in der Vatic inisclien Bibliothek anwies und dom Geschenkgeber schriftlich seines Dank und apostolischen Segen sandte. Das Manuscrfpt dieses AVerkes hat Herr Arnold M )dianor der kaiserlichen Bibliothek za Wien geschenkt. 8 (״. Kley, Gestngb. 1818, No 71, dess. Mel. No. 58 Württemb. G.-B. No. 11. Litterarischer Anzeiger. Verlag vou J. Kautfinanu, Frankfurt; a. M. 0adt#, 9JI. Stimm™ bum Jur■ bau mtb @m>I)rat. 3. üiuflige. IKit b;m tölibmffc beb Skr* faffer«. ®radjtbanb mit (Selb־ fdinitt. ilorjüflltcfico ifefl6־>efd)cnf! m ftgftilcficufelb, Sr. ifiV, Suite־ ma'ifdjcS Ücbrjmdj ber i«rael. Sleligiou 3. oevbefiene t’luflage, gebuubeii 9Hf. 1,80. ffaffcl ®r• ®.׳ Prüf ab™ für oen UntrrMdit in bev jüb <Scld)td)tr unb Cittcratur 8 Sluflage, ge־ buubcn'HP. 1,30. מי?., ISunnvittailona־ »diuleinfüt)tm183־Irauung5־it'tcgcu־ mib (Srabrcbcn 3 lammen 22 :Reben 3t״tt £!beupreif 2,50 nur )Ulf 150 aaitfcfiif, •R ,!Beiträge *ur (Sc fd|id)te ber rcd|tlld)eu Stclluug brr jubelt namcntttdi im (Sc• btet beet heutigen Ccitcrrclli־ Ungarn bom X. bi« XVI. 3at)r• huiibcrt. 3Kf. 2— Klubfül)rlld)ec *tatalog grati« unb franco-?1011 ton 2d)ulbücf)crn meine« ®erlag« ftel)11׳ bcu (£>$> Olabblnen, Stfjulblrrftoten unb fiefjrern Wu» fidjKcjempIare gerne jut ®crfügung. ftranffurf a. 9». [1022 J. Kanffmtnn. In meinem Verlage erschien soeben: Die israelitisch(‘ Keviilkcruug der deutschen Städte. Ein Beitrag zur deutschen Stildtegeschlchte. Mit Benutzung arcbiralischer Quellen. (4654 Von Moritz Stern. I. Ceberltngen am Bodensee. Preis Mk. 1,60. Frankfurt a. M. J. Kanffmtnn. TrauiiiigsluriiHilare £. scher Uebers.) ä 80 Pf. (*St. filr 1 M.) zu haben bei der Exp, d. Bl. Kochbuch f:;r i«rael. grauen bon Diebeffa 8»0(ff gcb. •Ocinemann. •RtUutfberb.Slufl.glegfieimuanbbb. üÄf. 3 50 aMT־?!!« Dorjüglt® anertannt. granffurt 0 9». [4627 3 gauffmottn, Setlag Rahmer’s hehr. Schulbücher: Schreiblese Fibel, 7. Aufl, geb. 50 Pf., Teillla kezara I., 8. Aufl., geb. 65 Pf, Teillla kezara II, 6. Aufl., geb. 1 Mk., stets v o rräthig. JT. Knnffmann, Frankf a. M. V srantwortlicher Redacteur Dr. Rah me r. Magdeburg. Druck von D. L. Wo 1 ff. Magdeburg. Verlag von Robert Fries», Leipaig.