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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-01-15 · N° 3. (15.1.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 3. (15.1.1891)
Date
1891-01-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ödisehes Jahrg. XX. Litteratur-Blatt. Bar Btleuhtn! aller JilnWi» «ad Jalaa kitaeFnlai llttwaiiachea EraehelaaBgaa aaf de» Qeblete der Philo■ •eykle. eaeehlehte, Ethaagraphle, Theoliglei Orienten», Ixe*eee, Hoalletlk, Lltarglk a. PldafrOKlk. Herausgegebeu von Rabbiner Dr. Moritz R&hmer. 9T£a<j9efn*Kj, 15. Sanuai 1891 Bicher aerelaeehllalge» Lltterater,welch der Bedaet.oa ■ageeaadt werdea,!lade■ In dleeea Blatte elageheade Beepreehaag Bel EJaeeadaag roa iwel Beeeaeloa•• Exeaplaren orTolgt elanallge karae ö r a 11 ■ Iaeertlea. Das »Jidlscke Lltteratur-Blxtt»‘ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohh&ndlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der?Israelitischen Wochenschrift1‘, die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit £6 Pf. tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Bachh&ndler a. Lehrer, welcho direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten ‘25 yC Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Spinoza’s Hebräerstaat. Von Adolf Waldauer. (Fortsetzung.) — ‘I’rivilegia und Freyheiten der Juden zu Hanau de dato 28 Hecembris 1G0S. — bagenverwandUchaitliches. Ergänzung zur ״Geschichte Josephs“ in No. 1. Recensionen: |)ז2ך Gedenkblätter, XX Gesänge für den isr. Gottesdienst. — Anmerkungen zur Recension Bacher. Litterarische Notizen: Magdeburg. Hamburg. Chronologisches. Litterarisc he Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Spinoza’s Hebräerstaat. Von Adolf Waldau er. (Fortsetzung.) Aus der Bibel, sagt Spinoza, erfahren wir nichts darüber, wer die einzelnen Stammhäupter gewählt h abe. Er vermuthet, dass der Aelteste unter den Stammhäuptern stets der rechtmässige Nachfolger des ätammesoberhauptes war. Jeder Stamm bestand aus Familien. Die Häupter der Familien aber wurden aus den ältesten Leuten gewählt. Diese Vermuthung glaubt er dadurch bestätigt zu seheD, dass Moses 7 0 Beiräthe wählte, die zusammen mit ihm den höchsten Rath bildeten. Wenu nun die Verwalter nach Josua’s Tode ״Aelteste“ genannt werden, und häufig die Richter als die Aeltesten bezeichnet sind, so liegt darin ausgesprochen, dass jedesmal jiie Familenältesten die Regierenden waren. Somit ergiebt sich für den Deuker folgendes Resultat: Nach Moses Tode vereinigte kein Einzelner mehr alle Aemter iu seiner Person. Es gab keinen Qesammtbeschluss, der von einem Qesammtvolke ausgegangen wäre. Jeder Stamm hat gleiche Berechtigung neben dam anderen und jeder seine eigene Verwaltung. Die Regierungsform ist theokratisch, der Palast des Staates der Tempel. Nur inbezug auf den Tempel sind alle Stämme Glieder eines Volkes. Alle Bürger mussten ferner Gott schwören. Der oberste Feldherr ist dieses durch Gottes Wahl, so Gideou, Simsou uudSamuel. Nachdem der Philosoph so die Konstitution des Hebräerstaates mit denr Lichte des Verstandes ge• mustert hat, lässt er es sich angelegen sein, wie unter solchen Umständen ein gesundes Staatsver• hältniss bestehen konnte, und welche Mittel es gab, die Herrschenden ebenso gut wie die Beherrschten auf die rechte Bahn zu lühreu. Dient ihm ja die ideale Hebräerstaatskonstruktion nur zu dem für ihn weit wichtigeren Gedanken, die Grundlinien eines Musterstaates zu zeichuen. Wirklich findet er iu dem Gemeinwesen der Hebräer mehrere Punkte von entscheidender Wichtigkeit für ein echtes Zusammenwirken eines Volkes. Was zunäohst die Herrsehenden betrifft!, so steht es ihnen in anderen Staaten offen, ungestraft zu thuu, was ihaeu beliebt, Gutes oder Böses. Dieser gefährliche Missbrauch der [ Macht wird im Hebräerstaat ausgeschlossen dadurch,; dass dort das Recht der Auslegung der Gesetze ihnen ן genommen und den Leviten gegeben ist, Mensohen, j die weder an der Staatsverwaltung noch an Grund j and Boden Antheil haben. Eia fernerer Vorzug vor I anderen Staaten lag darin, dass alle sieben Jahr von! dem Priester, uud jahraus jahrein von jedermann für ' sich selbst Belehrung über das Gesetz gewouneu wurde. Wenn nun das Thun des Staatsoberhauptes mit dem Gesetz übereinstimmte, wahrten sie damit i nur ihr Ansehen, im anderen Palle traf sie ein I glühender, weil religiöser, Volkshass. Auoh das ן Verbot, Söldner,zu halten, war für den Bestand des Staates wiohtig. Durch das Söldnerthum wird, wie es Alexander der Grosse versuchte, die Freiheit and der Freiheitssinn eines Volkes auf Kosten der despotischen Willkür eingesohränkt. Im Hebräerstaat war das Staatsoberhaupt gebalten, das Volk als solches, und zwar die Mannsohaft vom 20. bis 60. Jahre, zum Kriege für die Ehre Gottes zu führen Oberhaupt uud Glieder verband sodaun die gemeinsame Religion, und ein Abfall von derselben war zugleich eine Rechtsverletzung. Eine Sohrauke fand der Herrscher weiter in dem Prophebenthum, welches nach der Art des Moses befehlen konnte, ohue wie ebeu der Herrsoher erst durch Vermittelung eines Priesters Gott betragen zu müssen. Das Staatsoberhaupt besass auoh keinen Vorrang des Gesobleohtes oder erbliohes Recht, sondern nur eines, das auf seinem Alter uud seiner Tugend beruhte. Endlich lag es im Interesse des Oberhauptes wie des Einzelnen, den Krieg möglichst zu vermeiden, weil eben dieselben Mensohen, die in den Krieg mussten, den uothwendigen Geschalten des Friedens obzuliegen hatten. Im Felde blieb der Soldat noch Bürger, das Oberhaupt uoch Richter. Jede Neuerung brachte das Staatsoberhaupt iu die Nothweudigkeit, mit dem Hohenpriester zu verhaudelu und drohte seiue Würde zu beeiuträchtigen. Wie hier Spinoza die allgemeiagilbigeu Ursachen der Eiuschränkung absolutistischer Plaue im He• bräerstaat dargethau hat, fasst er in entsprechender Weise dasjenige zusammen, was die Gehorchenden, die Bürgerschaft, an den Staat fesseln uud tür die Erhaltung desselben interessirea musste. Die Liebe der Habräer zum Gemeiuweseu musste zäh uud uachhaltig sein, weil sie sich für die einzigen Kinder Gottes hielten. Der Verrath au dem Vaterl ande war

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