Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 52. (25.12.1889)
- Date
- 1889-12-25
- Page
- Seite 210 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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210 Aber er dürfe dessen sicher sein, dass alles Geschehene ans dem Qaell der Weisheit und Güte fliesse, und ihm am Ende Alles in seliger Harmonie sich werde offenbaren“ (Seite 30). Aach die höohsten griechischen Denker, Plato und Aristoteles, hätten, ungeachtet ihrer vor den Anderen ungleich höheren Gottesvorstellung, nicht die wahre Erklärung des menschlichen Elends finden können, da sie ihren Gott nicht als den wahren Vater der Menschen erkannten, der auch mit der Züchtiguug nur das wahre Heil der Menschen beabsichtige. ״Mit eiuem Worte: der Gott der Offenbarung will nicht seine, sondern seiner Geschöpfe Seligkeit.“ Der homerische Gott hingegen betrachtet als einen Eingriff in sein Vorrecht das ungestörte selige Befinden der Menschen. Zu dieser nur für sich selbst beanspruchten Seligkeit der Götter gehöre nicht nur die Sorglosigkeit, sondern auch Genuss und Vergnügen, Speise und Trank, wenn auch nicht das. was die Nahrung der Menschen ausmacht, sondern sublimere Dinge, Nektar und Ambrosia“. Mose müsse nach der Lehre der Bibel, da er zu Gott emporsteigt, der leiblichen Nahrung entbehren; das griechische Heidenthum erniedrige hingegen die Gottheit zum Menschen. Weil der Grieche sich die Gottheit in eiuem steteu seligen Befinden denke, sohreibe er ihr, kraft dieser Vorstellung, die Unsterblichkeit zu, nicht, als eine ans dem Wes-n der Gottheit fliessende Eigenschaft, sondern, weil ohue dieselbe von einem seligen Befinden der Götter nicht geredet werden könnte. Aber nun frage es sich, wie kommen die Götter zu dem ihnen zuerkaunteu Vorzuge des steten seligen Befin lens? — Die Götter sind nach der Ansohauuug der Griechen — das legt per Herr Verfasser durch treffliche Nachweise dar - ▼on einem anderen Geschleohte, als die Menschen; sie sind ״gewissermaassen hochgeborene Aristokraten“, die wohl von den Menschen, über die sie vermöge ihrer Macht herrschen, sittliche Ordnung verlangen, aber selbst über den Gesetzen stehen; sobald sie durch Gesetze gebunden wären, würde durch dieselben ihr seliges Befinden eine Einbusse erleiden. Der homerische Mensch habe also vor diesen seinen Göttern nicht das Gefühl der Ehrfurcht, sondern das der Furcht, und sein sittliches Bewusstem entwickle sich nicht im Hinblick. auf der Götter Verhalten, sondern durch die ihm innewohnende ursprüngliche Anlage des Ehrgefühls und durch ״das Verlangen nach eiuem guten Rufe nuter den Menschen“. Wie unendlich erhaben seien diesen Vorstellungen gegen* über, die Lehren und Forderungen der Offenbarung: ... ״was verlangt der Ewige von dir . . . zu wandeln in allen seinen Wegen und ihn zu lieben ... zu beobachten die Gebote des Ewigen, die ich dir heute gebiete, dir zum Heile.“ Vermöge der natürlichen Richtung des mensohliohen Gemüthes also habe der durch die Erscheinungen des Lebens erzeugte Pessimismus stärkere Wurzeln gefasst, als das moralische Gefühl,, das den Gedauken au eine heilige, weisd and gerechte Weltordnung zu stets reicherer Entfaltung bringe, dieser Pessimismus habe den Seligkeitsgedanken der Götter erzeugt, die eben ob ihrer Macht und ihrer bevorzugten Abstammung als die natürliehen Herrscher des niedrig-geborenen Menschengeschlechts erscheinen. Darum beschäftigt sich dje Phantasie des Griechen auch immer mit dem Be - finden, mit dem persönlichen Ergehen und dem persönlichen Lebensgeschioke der Götter; die Offen- . ן barung aber redet nur von dem Sein und Wirken des allmächtigen, liebevollen und gerechten Gottes. ״Vor diesem unendlich grossen Gotte steht verdammt der Mensch mit seinem Verstände.“ Die Hervorhebung dieses Gegensatzes und die psychologische Begründung desselben gehörea zu den schönsten Perlen geschieh tsphilosophischer Forschung. (Schluss folgt. Tritte rari sc he Notizen. Madrid. Za dem letzten Bulletin der königlichen Akademie der Geschichte liefert Pater Fita neues Material über die Vertreibung der Juden aus Audalusien und stellt eine Liste von Juden auf, welche durch das Inquisitioustribunal von Avila von 1402 bis l׳i2f> «am Feuertode verurthoilt wurden Auch die Prozessacten über die Verbrennung einer portugiesischen Jüdin zu St. Jean de Luz im Jahre HDD sind abjedruckt. — Aut die Anträge des Hrn.W.im Litt-Bl No.00 thoile ich mit, dass Alexander David nicht in Woltenbüttel, sondern hier in Brauuschwei' lebte. In Hai berstadt geboren, zog er 1707 hierher und zwar als der erste Jude, welcher seit der allgemei nen Judon-Vertreibung im Jahre 1 oIS sich hier dauernd niederlassen durfte. ' Nachkommen des Mannes leben noch heute in angesehener Stellung hier, in Frankfurt a. M. und Hamburg, Als Kammer-Agent dreier regierender Herzöge nud von diesen sehr geschätzt, hatte er wiederholt Veranlassung im Aufträge seines Fürsten nach Wien zu reisen. Bei der Kaiserin Elisabeth Christine, die er ja schon als braunschweigische Prinzessin kannte, stand er in besonderer. Gunst. Gelegentlich eines Bssuches in Wien stellte sie ihm eine Gnade frei Er erbat sich eine kunstvolle Sticker«.! vom Thronhimmel, welche er als פרכת vor dem heiligen Schein in seiner Privatsynagoge benutzen wollte. Die Bitte wurde ihm gewährt. Das Paroches ging spät« in 1011 Besitz der hies. Gemeinde ü >er und schmückt nooh heute an den Festtagen unser Gotteshaus.) Dr Rülf-Braunschweig. Literarischer Anzeiger. Wir laden ergebenst z«1ra Abonnement' aut den zweiten Jahrgang unserer ״Monatsschrift füt d. Litterntur n. Wissenschatt des Judeutimms“ ein. Neu hinzutretenden Abonnenten geben wir den ersten Jahrgang um blos 0fl., ö Mark, ti!,res Man bann aucli halbjährig abonniren. Auf ausdrückliclies Begehren ermässigen wir, aber nui bei direkter Besteilung, das Abonnement um 25*>/״ -Arthur S. Wtissmann, Redaotour, Kien, II. Springergasso 4. Kochbuch für israel. Frauen von Wölfl geb. Hciiiciüiuin. Rewrte verb Auflage. Kiegaur, Leittwaudband Preis Mk. 3 50 Als vorzüglich anerkannt. Frankla M. «I. Kaufl'aiann, Verl. Es wird zu kaufen gesuent: 1 Ex. Kcligionsgesrhichtlirhe Studien von Rabbiner Dr. Gildemnnu. Oll'erten mit Preisangabe wolle innu an die Red. dies. Ul. einsenden. [JObl giUtgi giidjer! gegen haar zu beziehen durcii die Expedition d. ״Israelitischen Wochenschrift“. Hta PattiIHa d,>8 Bab Ea,,ann Plv I volnlfa übersetzt v. Dr. Atig. Wünsche, für 3 M.!?Ij..״ der Prophet( UPredigten 1.111410, von M. Schwalb, 1 M. JahresbericiueVeminSsf 1878 mit Abhandlung v. Prof, firätl über den Propheten Joel IM. 1875 mit Abhandlung von Prot. lirJ'rcudtnthal :Hellenistische Studien, Heft II. 1,50 M. Epilepsie. [“lü:> Kramp)- und Nervenleidende finden sichere Heilung nach einzig dastehender tausendfach bewährter Methode. Briefliche Behandlung nacli Emsendung eines ausführl. 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