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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-11-28 · N° 48. (28.11.1889) · p. Seite 193

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 48. (28.11.1889)
Date
1889-11-28
Page
Seite 193 (sequence 3)
Language
German
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- 198 — alles andere, was nur irgendwie zu Palästina in Berührung steht, dem Jaden nicht gleichgültig sein kann. Der Bericht bringt eine interessante Besohreibung der Katakomben, welche in dem Oelberge entdeckt wurden. Hier fand man eine Anzahl altjüdischer in Felsen gehauener Gräber, von welchen einige in späterer Zeit eine Veränderung erfahren zu haben und dann von Christen benutzt worden zu sein scheinen, während gleichzeitig viele neue Höhlen und Gräber entdeokt wurden. Auch unter die8en fand man 6inige anscheinend jüdische Gräber. Der Berieht sagt: ״Aus dieser Untersuchung scheint hervorzugehen, dass die Gräber zwei verschiedenen Arten angehören, nämlich jüdischen und christlichen. Durchwandert man das ganze System der jüdischen Gräber, so scheint in denselben die Eigentümlichkeit vorzuherrschen, dass jedes Grab oder jede Höhle nur für eine Person bestimmt und von andern Gräbern und Höhlen abgesondert ist; wo aber zwei Gräber nahe zusammen sich finden, da ist auch ein Durch• gang zwischen denselben, also keine irgendwelche Verbindung, wo hingegen bei den christlichen Gräbern die Idee der Brüderschaft, nach weloher ein Grab zu einem andern gehört, gar sehr ins Auge fällt “ Bei Aufräumung der Katakomben wurden auch viele ehrwürdige Reliquien gefunden, unter diesen einige jüdische Münzen, von welohen eine ein ״echter halber Schekel“ ist. Ferner fand man Stücke weissen Marmors, welohe von einem viereckigen Pfosten herrühren. Ueber diese sohreibt Herr Conrad Schick: ״Sie (die Marmorstücke; haben an zwei Seiten die merkwürdigen Eckverzierungen, welche man auoh noch heute an den Pfosten des ״Harem Es Sherif“ und in noch grösserem Umfange an der Innenseite des sogenannten ״Goldenen Thores“ findet. Sie scheinen mir ein jüdisches Ornament zu seiu, wie man derer, wie ich glaube, an den Aussenpfeilern des 1Tempels anbrachte und welohe der Talmud mit ״den Meereswogen“ verglich (vergl. 1,14 בית הבחירה). Die Pfosten haben gewöhnlich an einer oder zwei Seiten Rinnen, in welohen man Steinplatten anbrachte, um auf diese Weise ein niedriges Fachwerk herzustellen. Die Kegelform an der Spitze dieser Pfosten muss eine bei den Juden überhaupt beliebte Form gewesen sein und da diese sich so oft vorfindet, so scheint mir, dass sie in gewissem Sinne die Kopfbedeckung des Hohenpriesters, wie sie ähnlich noch heute von den orientalischen, Arabisch sprechenden Rabbinern getragen wird, vorstellen sollte.“ Obschon der Quartalbericht noch viel mehr enthält, was die Leser interessiren könnte, besonders die Mittheilung über die ״Nehemiasmauer“ und die Bemerkung über die Trümmer der alten Mauer von Jerusalem, müssen wir uns darauf beschränken, nur noch folgende 2 Nachrichten mitzutheilen: Bei der Sitzung des Generalcomite’s am IG. Juli wurde in Aussicht genommen, zum Zwecke der Auffindung des Grabes des Königs David besondere Ausgrabungen auf dem ״Ophel“ zu veranstalten. Feruer wurde vorgeschlagen, dass eine jüdische Gegend zu Ausgrabungen besonders ansgewählt werden sollte. Wir dürfen daher erwarten, recht bald über weitere interessante Funde Nachricht zu erhalten. Herr A. P. Watt wird im Laufe des nächsten Monats zum Besten des ״Palestine Exploration Fund“ ein Buch unter dem Titel ״Die Bibel und die neuesten Entdeckungen“ mit einer Karte und Illustrationen, zum Theil nach eigenen Entwürfen, durch Henry A. Harpner veröffeutlieheii lassen. Di© .Erzählungen der Bibel bind chronologisch geordnet und enthalten die Berufung Abrahams bis zur Babylonisohen Gefaugensohaft im Lichte der neuesten Forschungen . erklärt. Orientalische Sitten und Gebräuohe sind . nach des Verfassers eigener Anschauung geschildert. Recensionen. Uraunschweiget‘, Br. A. Die Lehren der Mischnah, ihr Leben und Wirken für Schule uud Haus nach den Quellen bearbeitet. Frankfurt 1889. S. 283. Besprochen von Dr. G. Deutsch, Rabbiner in Brüx. Das vorliegende Buch ist, wie ich ohne weiteres zugestehe, eine gründliche Arbeit und bei dem Umstände, dass wir dem grossen Publicum, in welchem die Kenntnisse und das Studium der Quellen jüdischer Religion immermehr abnehmen, die Mittel zum Verständni&se der religiöseu Anschauung des Judenthums bieten müssen, auch eiue willkommene Gabe. Nach den Arbeiten die iu den letzten Jahrzehnten von Frankel, Brüll une J. S. Weiss über die Mischuah veröffentlicht wurden, ist die volksthümliebe Darstellung dieser Zeitgeschichte wesentlich erleichtert und darum auch formell besser zu gestalten. Der Verfasser hat denn auch diese Arbeiten und die älteren, worunter Seder Hadoroth am meisten hervorragt, so wie die Quellen selber gründlich und ge• wissenhaft benützt. Allerdings sind die Erwartungen, die er von seinem Werke hegt, soweit sie sioh in dem Titel ״für Schule und Haus“ aussprechen, zu hooh gespannt. Das Buch mag zur Erbauung in der Familie, zur Verbreitung der Kenntnisse von dem Judenthume in den zahlreichen Laienkreisea, die sich dafür inte* ressiereu, sehr geeignet sein, und wird hier auoh unzweifelhaft seinen Weg machen, aber eiu Schulbuch kann es nie werden. Wo ist die Schule, in der man Zeit hätte, für die Kenntniss einer auf zwei Jahrhunderte beschränkten Zeitepoohe, vou der die wiohtige politische Zeitgeschichte nioht einmal behandelt ist, ein Buch von 283 Seiten in Grossoctav zu verwenden? Ich will nur 150 Stunden für die Absolvirung dieses Buohes veranschlagen uud daun muss ioh mich erst fragen: Wo sollen bei unserer beschränkten Zeit diese Stunden hergenommen werden? Ich will daher glauben, dass der Verfasser wohl nur in Aussicht nimmt, dass man der Schuljugend dieses Buon bei passenden Gelegenheiten, etwa als Prämie oder als Barmizwahgaschenk, in die Hand gebe und da, glaube ioh, wird es Beinen Nutzen nioht verfehlen. Einen wesentlichen Missgriff hat aber der Verfasser dadurch begangen, dass er die Lehrer der Misohnah naoh dem hebräisohen Alphabet in der Weise Jechiel Heilprins im Seder Hadoroth ordnete. Er hat dadurch nach meiner Ansicht die Lesbarkeit desselben sehr erschwert und es zu einem Nachschlagebuch herabgedrückt. Heilprin, der für gelehrte Zwecke arbeitete, durfte das noch viel eher als Bamberger, der ״für Schule und Haus“ schreibt, l Ganz besonders das hebräische Alphabet finde ich 1 sehr unglücklich gewählt, denn wer wird den Namen J Elisa bei Alef und den Namen Akiba bei Ain suchen. Im Zusammenhänge damit muss ich die nachlässige Umschreibung der hebräischen Namen und Worte tadeln. Der Verfasser schreibt Hasagaa statt Hascgan, was doch aus dem biblisch-aramäischen zu coustatieren war. Er schreibt immer Jochauon, 80 dass in mir der Verdacht rege wird, der Verfasser meine, dass Kamez in geschlossener Silbe auch dann kurz ist, weun es den Ton hat. Geradezu abstossend wirkt, die Transcriptiou Jochanon Hassandlar (S. 137). Ganz unbegreiflich ist die Schreibung Nosohim und Kodoschim neben Sera'im. Samson Hirsch hat mit

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