Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 48. (28.11.1889)
- Date
- 1889-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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A548. Jüdisehes Jahrg. XVI». Litteratur ■Blatt. Bar Bdncktaag aller JatoatkM י■* J14ea kttreftadn llttarartarkw Br• Mkalaaagaa aaf im fieklet« i« Pkll•• aepkla, emcklekl«, Itka»«ra»kl•, Tkaa• •Bit, Orltatalia, Bztcwt, H*1ül(tlk, utartik «. Heraasgegebeu TOD Rabbiner l)r. Moritz Rahmer. Bicher 4tr«l1Mklifl|«1 MtUr*Ur, welch 4«r IU4«et.o« s«gMa*4t wer4«, <U4« 1■ 41m•■ Blatt« «(■f eh« J• Bti^rtchiM Bei llmidiig ▼0• «wel Rtc•••!•*•• KxMipUr« erfolgt •ianallg• her«• 6ratla*latertloa. 9TLa<j3e£u 1y, 23. 0I׳owm6׳ct 1889. Das ״Jtdlseh• Lltteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipaig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei Postanstalten und Buchhandlungen 8 lart zahlen, erbalten das ״Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit ft Pf. fttr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit SO Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden BuehhAndler n. Lehrer, welche direot oder durch Robert Friese laserate einsendea, erhalten 25 X Rabatt. Inhalt: ־Wissenschaftliche Aufsätze: Ein Millenarium. — Einiges aus der ersten Zeit uDd Uber den Stifter der Jacobson-Schule. Vom Landrabbiner Dr. Rttlf in Braunschweig. — Palestine Exploration Fund. — Litteraturbericht: Recensionen: Braunschweiger, Dr. A. Die Lehren der Mischna, ihr Leben und Wirken fUr Schule und Haus nach den Quellen bearbeitet. Frankfurt 1889. S. 283. — Israelitischer Amtskalender iiir Rabbiner, Prediger, Lehrer und Cemoren (und auch Gemeindebehörden) auf das Jahr 6650 (lf 1890—«<־). Litterarische Notizen. Uaketsfter WeMnuk au« die»«» Blatte i«l nisht!«»!«««:. Ein Millenarium. Eine Gedäohtuissfeier, wie sie innerhalb des Judenthums noch niemals begangen worden ist, steht uns Air das Jahr 1392 bevor. Unter den grossen Männern der Vorzeit, die duroh ihre Geistesarbeit die fortschreitende Entwicklung des Jadenthums gefördert nnd einen noch heute andauernden Einfluss auf dasselbe ausgeübt haben, ist der berühmte Gaon aus Sara, Saadia ben Josef, der erste, über dessen Leben wir so genau unterrichtet sind, dass die tausendete Wiederkehr seines Geburtstages von uns durch eine Feier begangen werden kann. Was Saadia für die Gesohichte des Judenthums bedeutet, das bedarf keiner weiteren Ausführung. Er ist der Erste, weloher die jüdische Theologie auf Wissenschaftlicher Grundlage anfgebaut, der duroh seine Arbeiten aaf dem Gebiete des Talmuds, als Exeget und als Religionsphilosoph, den AnstosB za den Wissenschaftliehen Bestrebungen gegeben hat, die dann in den Sohöpfungen der spanisch-maurisohen Periode ihren Höhepunkt erreichen nnd dem Geistesleben innerhalb des Jadenthams einen Aufsohwung verliehen haben, der ans noch heute mit Stolz und Bewunderung erfüllt. Der tausendste Geburtstag eines solchen Mannes darf nioht vorübergehen, ohne einen belebenden und erweckenden Einfluss auf den heute leider so ermatteten Sinn für die Wissenschaft des Judenthums auszuüben. Wir wollen Saadia kein Denkmal von Erz und Stein errichten, sondern wollen getreu dem Geiste de8 Judenthums das Andenken dieses grossen Mannes duroh d.e Erneuerung seiner Werke feiern. Der um die orientalische Wissenschaft im Allgemeinen, wie um die Saadia-Forschung im Besonderen so hochverdiente Gelehrte, der greise und verehrungswürdige Professor Derenburg in Paris, auf den die Anregaag zu dieser Feier überhaupt zurückzufiihreu isf, hat die Absicht, eine Sammlung zu veranstalten, deren Ertrag, dazu dienen soll, die Schriften Saadia's, von denen viele noch niemals durch den Druck veröflentlicht worden sind, in einer dem Stande der heutigen Wissenschaft entsprechenden kritischen Ge - sammtausg&be herauszugeben. Ein darauf bezüglicher öffentlicher Aufruf soll demnächst erlassen werden. Möge derselbe schon im voraus der allgem einen Beachtung auf das Dringendste empfohlen sein Einiges aus der ersten Zeit und Uber den Stifter der Jacobson-Schule. Vom Landrabbiner Dr. Rillt in Braunschweig.*) (Fortsetzung.) Was Jacobsou in Seesen gelungen, das konnte er in der Hauptstadt nicht erreichen. Sein Sinn war auch hier nicht weniger als in Seesen auf das Allgemeine gerichtet. Ersuchte auch hier stets den Menschen und fand in der Wohlthiitigkeit nie eine Schranke an Abstammung, Geburt oder Religion. Wo eine bittende Haud sich ihm entgegenstreckte, da war die seinige geöffnet; unbeschenkt ging kein Armer aus seinem Hause. Welch’ grossen Segen sein mildes Wirken über Stadt und Land verbreitete,!las bezeugt nichts besser, als die Thatsache, dass seine jährlichen Ausgaben sich auf 30 000 Thaler beliefen, und davon nur 4000 Thaler für seinen eigenen Haushalt abgingen. — Mit 26,000 Thalern übte er Wohlthätigkeit. Eine Summe, die um so grösser ist, je bescheidener der Manu für sich selbst und die Seinigen in den Ansprüchen an’s Leben war. Jedoch dies Alles war nicht im Stande, seine Neider und Gegner zu besiegen, ihn vor kränkenden Angriffen zu bewahren. In der besitzlosen Bürgerschaft wird er wohl keinen Gegner gehabt haben. Die Armen und Gedrückten fanden in ihm allezeit den rettenden Freund, sie werden zweifellos in ihm auch ihren VVohlthüter verehrt haben. Die Gegner hatte er vielmehr in anderen Classeu der Gesellschaft, aber doch in Leuten, denen — wie wir noch erfahren werden — er nie im Wege gestanden, nie geschadet haben konnte. Irgend ein Vergeheu seinerseits kann ihm aucli nicht die Gegnerschaft eingetragen haben. Hätte aui ihm auch nur der Schatten irgend einer Schuld gelastet, so würde Herzog Karl Wilhelm Ferdinand der Letzte gewesen sein, der sich herbeigelassen, ihn bei jeder Gelegenheit seiner Achtnng und Freundschaft zu versichern**). Es wird mithin wohl so gewesen sein, wie Jacobson klagt, dass er sicli keiner Schuld bewusst sei, und wenn er sich noch so sehr prüfe, er nichts anderes wisse, das ihm Feinde * In vor. Nr.Z. löv.o ist 1״ iessen" u. Z.22,,legte“ zu lesen. **) Die B.iefe des Herzogs an Jacobson schliesseii last durchweg: ״Mit vieler Achtung verbleibe leb Ihr troundwül'g ergebener G. W. F.“