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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-11-14 · N° 46. (14.11.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 46. (14.11.1889)
Date
1889-11-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Lehrer, welche direot oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 % Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Einiges aus der ersten Zeit und über den Stifter der Jacobson-Schule. Vom Landrabb. Dr. Rülf in Braunschweig — Litteraturbericht: Recensionen: Vogelstein, Dr. H. Der Kampf zwischen Priestern und Leviten seit den Tagen Ezechiel’s. - Rostowski, D2״D־־n nö® צ!־ק צ״ס miÖ ספר Wilna, 1888. (Schluss.) Inserate. Usbefugtsr Nachdruck au» dl«»»n1 Blatte ist w i 0 h t!»tattet Einiges aus der ersten Zeit und über den Stifter der Jacobson-Schule. Vom Landrabbiner Dr. Rülf in Braunschweig. (Fortsetzung.) Jacobson trug sich aniangs mit dem Gedanken, seine Anstalt zu einer Industrie- und womöglich zugleich zu einer Ackerbauschule zu gestalten,״) in derselben einen Stamm von Landwirthen zu erziehen und so allmählich einen Theil seiner Glaubensgenossen wieder zu dem zu machen, was sie in ältester Zeit ausnahmslos alle gewesen, zu — Bauern. Zu diesem Zwecke kaufte er die Grundstücke des Hirsch, erwarb er das Haus des Steuereinnehmers Lieutenant Voelger nebst den dazu gehörigen Grundstücken für 6000 Thlr. und trat in Unterhandlungen, um noch verschiedene andere Gärten, "Wiesen und Ländereien anzukaufen oder zu pachten. Die Kunde von diesen Kaufabschlüssen und Unterhandlungen verursachte grosse Erregung in den Gemüthem der Kleinbürger Seesens. Sie sahen Alle nichts Geringeres als ihren Ruin vor Augen. Die Bürgerschaft — führten die Stadtdeputirten in einer Bittschrift vom 3. August 1801 aus — lebe grösstentheils vom Ackerbau und von Viehzucht, ihr müsse darum Alles daran liegen, Aecker und Wiesen um ein Billiges kaufen oder pachten zu können. Wenn aber der Kammer-Agent die Grundstücke zwiefach höher bezahle, als deren wahrer Werth und Ertrag erlaubt, und bei dem Voelger’schen Grundstücke sei dies offen- Dar der Fall, dann würden die Grundstücke nicht nur theurer werden, sondern jeglioher werde auch dem *) Das geht hervor aus seinen Landerwerbungeu, den Klagen eemer Gegner über die beabsichtigte ״ländliche Oekouomie“. semen häufig geäusserten Wünschen, dass Zöglinge seiner Anstalt sich der Landwirthschaft widmen möchten, seinen Be- •trebungen — siehe w. u. — denselben einen solchen Berut zu ermöglichen und aus dem Berichte des Hofraths Zincken; in demselben heisst es: ״des Kammer-Agenten Wunsch ist es, dass sich die Zöglinge ökonomische Kenntnisse vom Landbau, ,isa Garten und auf dem Felde erwerben.“ Kammer-Agenten und nicht dem geringere Preise zahlenden Bürger verkaufen oder verpachten wollen, und so werde sich bald ein grosser Theil der Feldmark in dessen Händen befinden. Die Furcht vor einer hei dem Institute einzurichtenden ״ländlichen Oeconomie“ hatte die Leute so verwirrt, dass sie sogar wegen der Lehrer und Zöglinge Besorgnisse hegten und in ihnen, aus deren Anwesenheit die Stadt doch nur Nutzen ziehen konnte, eine Gefahr erblickten. Der Magistrat fügte dem Gesuche ein Begleitschreiben hei, in welchem neben Klagen über den Hofrath Zincken, weil er die übrigen Rathsglieder von der Jurisdiction über die Anstalt auszuschliessen verstanden, ungefähr dasselbe noch einmal gesagt wird, mit dem Hinzufügen, in diesem speciellen Falle sei der Verkauf auch gegen das gemeine Recht. Das Voelger’sche Haus sei ein adelfreies und dürfe als solches keine bürgerlichen Grundstücke haben. Es sei also widerrechtlich vom Lieutnant Voelger, das Haas mit den Ländereien, die davon wieder getrennt werden müssten, zu verkaufen. Letztere Argumentation scheint gewirkt zu haben. Jacobson musste einen Lieblingswunsch aufgeben und ist, soweit bekannt, nicht ferner darauf zurückgekommen. Wie nicht anders zu erwarten war, liess sich der edeldenkende Fürst durch solche und ähnliche Lamentationen nicht beeinflussen. Er bewahrte der jungen Anstalt seine Gunst. Seine rege Theilnahme für ihr Gedeihen geht am besten daraus hervor, dass Hofrath Zincken wiederholt aufgefordert wurde, über den Stand der Schule zu berichten. — Der erste Bericht, den dieser einschickte, datirt vom 5. August 1802. Da aus jener Zeit über die Schule noch nichts veröffentlicht worden ist, so dürfte es wohl statthaft sein, diesen Bericht hier auszüglich wiederzugeben. ״Es sind, heisst es in demselben, alsbald 12 Kinder angenommen worden, und davon nur eines aus dem Auslande. Einige der Kinder versprechen viel für die Zukunft und können, aufrichtig zu gestehen, nach ihren Jahren den meisten Bürgerkindern zum Muster dienen.“ Es wurden 2 jüdische Lehrer angenommen, Heilbrun und Koppel. Letzterer, Collaborator und Schächter schlief zwischen den Kindern, welche in 2 durch eine offen stehende Thür verbundenen Kammern lagen, aber jedes in einem besonderen Bette. Zweimal wöchentlich hatten die Zöglinge auch im Wollkratzen und Spinnen Unterricht. Für jeden Sohüler wurde eiu Conduitenbuch geführt, das jeder Lehrer am Ende der Woche nach Rubriken auszufüllen und zu unterschreiben hatte, von dem Hofrathe jeden Monat nachgesehen und auch dem Stifter, 80 oft er hinkam, vorgelegt wurde. Ausserdem

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