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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-11-07 · N° 45. (7.11.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 45. (7.11.1889)
Date
1889-11-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnenten <ler ״Israelitischen Wochenschritt“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen S Mark zahlen, erbalten das ״Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. — laserate werden mit XI Pf. lür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ן( Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Einiges aus der ersten Zeit und über den Stifter der Jacobson-Schale. Vom L&adr&bb. Dr. Rülf in Braunschweig — Rabbi David Kimchi. Von Harry L. Lewis in London. — Litteraturbericht: Recensionen: Vogelstein, Dr. H. Der Kumpf zwisohen Priestern und Leviten seit den Tagen Ezechiei’s. — Rostowski,ספר מורה צדק צ״פ שטת הרמב״ם Wilna, 1888. 1 Inserate. Unbefugter Haehdruck aus diesem Blatte Ist nicht gestattet. Einiges aus der ersten Zeit und über den Stifter der Jacobson-Schule.*) Vom Landrabbiner Dr. Rülf in Braun schweig. ״Kleine Ursache, grosse Wirkung.“ kann man im Hinblick auf die Gründung der Jacobson-Schule in Seesen sagen. Ihre Stiftung verdanken wir dem Umstande, dass Jacobson am 1. Januar 1795 mit dem Amte seines Schwiegervaters, des Kammer-Agenten Herz Samson, auch dessen Würde eines Landrabbiners für den Weserdistrikt übertragen erhielt. Als solcher musste er ״die traurige Erfahrung machen, dass die jüdische Jugend in den Landstädten und Dörfern, theils aus Mangel an Mitteln und Gelegenheiten und theils selbst aus Hang der Eltern, bisher ausser st vernachlässigt wurde“. Er sann auf Abhülfe, und so wurde nicht lange nach Antritt seines Amtes schon der Wunsch in ihm rege, ftnach seinen Kräften etwas beizutragen, die Jugend der Juden auf dem Lande zu besseren sittlichen Menschen zu bilden und solchergestalt dem Staate, in dem sie wohnen, nützlicher zu machen und vorzüglich armen Kindern dazu Gelegenheit zu verschaffen.“ »)Da — so schreibt er am 10. Juni 1801 an seinen Herzog — mich Gott dazu durch einiges Vermögen in Stand gesetzt, so glaube ich für meine Glaubensgenossen etwas Gutes stiften und durch Anlegung eines auf meine Kosten zu begründenden Instituts Gelegenheit gehen zu sollen, armer Juden Kind *r, beiderlei Geschlecht«, deren Anzahl ich vor der Hand auf 10 bestimmt, sittlich und körperlich besser zu bilden.“ Einen treuen Berather und eifrigen Förderer seiner Plane fand Jacobson an dein Hofra'the Zincken in oeesen. Dessen Einliusse mag es denn wohl auch in erster Reihe zuzuschreiben sein, dass er gerade Seeseu für sein Institut nusersah. *) Der tstoii za der hier gegebenen Abhandlung int Urkünden entnommen, welche sich im Herzoglichen Ilauptarchive zu VV ollenbüttel befinden, in den Actenbiinaeln mit der Signatur P. 460. 32 P. 464. 55 u. P. 603. 74. Die Originale einiger der zum Abdrucke gelangenden Briete befinden sich im Archive der Jacobson-Schuie zu Seesen. Beide Männer entwarfen gemeinsam einen Plan und trafen in aller Stille die Vorbereitungen zur Ausführung desselben. Die Angelegenheit sollte 80 lange wie möglich geheim bleiben. Jacobson wollte wo möglich mit einer vollendeten Thatsache vor die Oeffentlichkeit treten. Er fürchtete mit Recht die Gegner, welche, wie alles Neue, sein Vorhaben finden könnte. Die Geheimhaltung gelang bis zum März 1801. Bis dahin war denn auch Alles, selbst bis zum Ankauf eines passenden Hauses, von Zincken vorbereitet worden. Der Biersteuer-Inspector Meyer zeigte sich willig, sein 1791 erbautes Haus für 1800 Thaler Jacobson zu überlassen. Auf diese Kunde hin kam dieser in Begleitung seines Freundes, des Hofraths Böders aus Braunschweig, nach Seesen, der Kauf kam zu Stande und das Grundstück wurde nach eingeholter landesherrlicher Genehmigung Jacobson gerichtlich aufgelassen Jetzt konnte die Sache allerdings nicht lange mehr geheim bleiben. Sie wurde in der Bürgerschaft bekannt, und wirklich suchte sich alsbald eine heftige Bewegung gegen das Projekt geltend zu machen. Der Führer in dieser Bewegung war der Stadtassessor Oesterreich. Derselbe wandte sich direct an den Herzog und schilderte die Nachtheile, welche die Stadt durch das zu gründende Institut erleiden müsse, besonders aber, wenn, wie das Gerücht gehe, Jacobson die Befugniss zugestanden werde, noch mehrere bürgerliche Grundstücke, als Aecker, Wiesen, Gärten etc. anzukaufen. Das Schriftstück schliesst mit der Bitte, vor einer etwaigen Verfügung dem Magistrate zur Berichterstattung Befehle ertheilen zu wollen. Von diesem Schritte hörte Jacobson und beschloss, seinen und, wie es scheint, nicht weniger Zinckens Gegnern nicht länger Zeit zu weiteren Wühlereien zu lassen. Am 2. Juni war des Stadtassessors Schreiben an den Herzog abgegangen und schon am 10. desselben Monats richtete Jacobson an den Landesherrn die Bitte um Gutheissung seines Planes. Der Herzog zögerte nicht mit der Antwort. Zwei Tage nach Einreichung des Gesuches erfolgte der Befehl zur Begutachtung, aber nicht an den Magistrat zu Seesen, wie man dort wünsente und erwartete, sondern au den Gerichtsschulzen Hofrath Zincken. Dieser vorurtheilsfreie, einsichtsvolle Mann, der in den beiden ersten Jahn a der Anstalt auch als Director Vorstand und ihrem Gedeihen seine Kräfte und Fälligkeiten in uneigennützig>ter Weise zu widmen jederzeit bereit war, sandte einen ausführlichen Bericht am 27. Juni ein, und schon am o. Juli erfolgte das Herzogliehe Rescript, welches dem Gesuche vollinhaltlich die landesherrliche Bestätigung schenkte.

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