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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-10-31 · N° 44. (31.10.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 44. (31.10.1889)
Date
1889-10-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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»*± Jüdisches Litteratur-Blatt. Bar Bdnchtaag aller Jadesthaai aad jade■ betreffende» lltterariaehea Kr- •ekelaangea »■f dem Gebiete der Philo- •ophlc, Heeehlehte, Ethaographle, Theoogle« Orleatalla, Kleeeee, Hoeilletlk, Lltarglk a. Pidagoglk. Herausgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz liahmer. 31. öcto&&x> 1389• Rflcher d*r *Iu*fhlii<I?en Mtter«tar, «reich der Bedfttt uu xu1:w«pdt «vente«, Aadea In dienern Blatte eincehende Keapreehaag Bei Klatieadun* ron imi Recenslona• Exemplaren *rfnljct einm.tlU« kurxe MratU-lnaertion. Daa ״JSdlsch• Lttteratnr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschritt“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen * Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. —!■*erste werden mit gl Pf. tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buohhftndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einseuden, erhalten 25 X Rabatt. Inhalt: L. Geiger als Kritiker der neuesten jüdischen GeschiehtschreibuDg. Von Dr. M. Güdemann, Rabbiner in Wien. Inserate. — Briefkasten. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. L. Geiger als Kritiker der »enesten jüdischen Geschiehtschreibang. Von Dr. M. Güdemann, Rabbiner in Wien. Das neueste Heft (Nr. 4 des 3. Bandes) der ״Zeitschrift für die Gesch. d. Juden in Deutschland“ enthält einen Aufsatz des Herausgebers Prof. Dr. L. Geiger, ,.Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschieht- Schreibung“, in welchem sich (von S. 371) an) eine Beurtheilung des 3. Bandes meiner ״Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der abendländischen Juden“ (Wien, Holder, 1888) findet. Die Beurtheilung, welche trotz verschiedener meiner ״ausserordentlichen Gelehrsamkeit“, meinem ״gründlichen Quellenstudium“ u. s. w. gewidmeten Komplimente unverholen als eine V er urtheilung nicht bloss des der Kritik unterzogenen Bandes, sondern meiner Geschichtschreibung überhaupt sich zu erkennen giebt, bereichert die Erkenntnis« des von mir behandelten Zeitraumes nicht um das Gerings te, sondern nergelt lediglich auf sieben langen Seiten an meiner Sinnesart, an meiner Schreibweise und an meiner Geschichtsauffassung, wobei Geiger an! Oberflächlichkeiten, Entstellungen, Unterstellungen und Verdrehungen das Möglichste leistet. Ich würde hiernach mich nicht veranlasst gefühlt haben, mich mit ihm zu beschäftigen, und selbst die Verdächtigung meiner schriftstellerischen Unparteilichkeit und meiner deutschen Gesinnung hätte mich kaum bestimmen können, ihm entgegenzutreten, da meine Schriften genügend bekannt sind, und mich hinlänglich gegen diese V erdächtigung schützen. Da er aber in lehrhaftem Tone der jüdischen Geschichtschreibung eine] Riehtschnür vorzuzeichnen sich herausnimmt, so erachte ich es lür geboten, seine Kritik bei Lichte zu besehn, seine Eignung zum Mentor der jüdischen Geschichtschreibung daran zu prüfen, und nach dem Ausfall dieser Unter- Buchung ihm den Standpunkt klar zu machen. G. erhebt gegen mich den Vorwurf, dass ich von ״bestimmten Tendenzen“, von ״gewissen vorgefassten Meinungen“ ausgehe und ״die sen zum Siege verhelfen will“, dass ich ferner zu diesem Zwecke Missbrauch mit meinen Quellen treibe. Insbesondere beschuldigt er mich, dass ich iu tendeuziöser Weise darauf ausgehe zu zeigen, dass ״die Juden 1uoralisch weit höher standen, als die Christen“ (Zeitschr. S. 383), und mit Bezug auf eine Behauptung in meinem Buche sagt er, dass dieselbe mir ״nur dazu dienen soll, die geistigen Bestrebungen der Deutschen zu verunglimpfen“ (das. S. 38<j). Letztere, durchaus nicht ungefährliche, Beschuldigung wird noch durch die Bemerkung verschärft: ״Es ist dieselbe Tendenz, die von demjenigen ausgeht, welcher der Geschichte der Juden eine grosse Anzahl Bücher gewidmet, der aber die Wissenschaft der Geschichte eher geschädigt als gefördert hat.“ Kenner werden wissen, dass dieser ungenannte ״Derjenige“ Prof. Dr. H. Grätz in Breslau ist. Sie werden auch zugeben, dass Geiger dadurch, dass er hei dieser Gelegenheit mich mit Grätz (in welchem ich übrigens meinen Lehrer verehre) zusammenstellt, mir alle Antisemitenblätter von Deutschland und Oesterreich auf den Hals hetzen kann, und Geiger selbst ist sich gewiss darüber völlig im Klaren. Die Zusammenstellung involvirt übrigens eine vollkommene Entstellung der thatsächlichen Verhältnisse. Was Grätz seiner Zeit vielfache Anfechtungen zuzog, das war seiue Geschichte des vorigen und jetzigen Jahrhunderts, welche also Aktualität besitzt Geiger muss wisseu, dass Treitschke, der zuerst Grätz’ Geschichtschreibung als Christen- und deutschenfeindlieh ׳weiteren Kreisen denunzirte, lediglich dessen elften Band, der eben den erwähnten Zeitraum behandelt, zu seinem Zwecke ausbeutete. Darin ist ja auch manches über Franzosen und Deutsche, und deren verschiedenes Verhalten gegen die Juden gesagt, was die Empfindlichkeit der Deutschen, zumal in der patriotischen Aufregung nach dem Siege über die Franzosen, unangenehm berühren konnte. Mein Buch dagegen behandelt einen Zeitraum, über welchem bereits seit drei .!;dirhunderten Gras gewachsen ist. Es besitzt also nicht die mindeste Aktualität. Das Mittelalter ist aber, wie auch Geiger zugeben wird, kein noli me tangere. Demnach leistet Geiger dadurch, dass er die Behauptung aul'stellt, in meinem Buche zeige sich dieselbe Tendenz, welche von Grätz ausgehe, einer Missdeutung Vorschub, lür welche es schon deshalb, weil es nur das Mittelalter behandelt, gar keine Handhabe bietet. Schon der Ausdruck, dass mir das, was ich sage, .,dazu diene, die geistigen Bestrebungen der Deutschen zu verunglimpfen“, ferner auch der letztere Ausdruck ist nur geeignet, jene Missdeutung zu bekräftigen. Mau wird aber sehen, dass für die von Geiger gegen mich erhobene Beschuldigung in meinen Aeusserungen nicht der geringste Anhaltspunkt sicli vorfindet, und ich weise sie, wie immer sie gemeint sein 11mg, mit aller mir zu Gebote stehenden Entrüstung zurück. Wenn J emand einem Geschichtschreiber Missbrauch seiner Quellen vorwirft, so sollte man voraussetzen, dass

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