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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-10-10 · N° 41-42. (10.10.1889) · p. Seite 166

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 41-42. (10.10.1889)
Date
1889-10-10
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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- 166 die Sammlung, welche wie hiermit aut’8 Wärmste empfohlen haben möchten. Ein Moment, das zur Würdigung der Geschiohte des span. Chasanuth beizutragen geeignet ist, darf hier nicht mit Stillschweigen übergangen werden, loh meine das der liebevollen Hingabe der Chacham’8 für die traditionelle Treue und Keusohheit ihres eigenartigen Gottesdienstes. Ja vielfach sind sie es gewesen, die die alten Melodien vor Untergang bewahrten. In einer Handschrift von 1650, auf die ich an einer andern Stelle ausführlicher zu sprechen kommen werde, findet sich ein Melodien-Verzeichniss, welches neben dem erwähnten Alohadav so manchen Namen von Klang als Verfasser von Synagogen-Melodien aufweist. Es seien hier nur genannt die Chacham’s Azarja Pichio (פינו, vergl. Berliner, hebr. Grabschriften in Italien No. 131), Curie), de Lyria, Joseph Alkelai (אלקילאעי, welcher Name heute noch in Belgrad vertreten ist) und Juda Altaras. Von den Chacham’s als traditionell sanctionirt und, wie aus dem angeführten Register zu ersehen, selbst verbreitet, haben die Melodien im Laufe der Jahre den Ruf hohen Alterthums erhalten, wie es ähnlich mit den deutschen rythmischen Melodien geschah. So fand ich die Quelle für die Melodie des אאפיד in einer um 1500 sehr verbreiteten ״Bergamasca“; aber wenn heute in Süddeutschland ein Chasan dasselbe nicht nach dieser j Melodie singt, so dürfte er als ein Ignorant bezeichnet werden. Um uns nunmehr vom Schir-Hakawod zu verabsohieden, sei noch erwähnt, dass die Ausstattung des Werkes, welches dem Präses der Gemeinde, Herrn Marcus M. Russo, gewidmet ist, und um dessen Veröffentlichung sich Herr Sal. Rüben Farcki durch Eröflnung einer Subscription besonders verdient gemacht hat, nichts zu wünschen übrig lässt. Dagegen dürfte es sich bei den zu erwartenden Fortsetzungen empfehlen, dass in Rücksicht auf die nichtseph. Leser im Inhaltsverzeichniss aut irgend ein seph. Machsor hingewiesen werde. ן Litterarische Notizen. I Durch die Anregung des Herrn L. Cohen in Nr. 39 dieses Bl. : komme ich auf die betreffende Stelle im Bosch haschono-Gebete nochmals zurück. In dem Gebete, worin der Herr angerufen wird. Seine Herrschaft in der ganzen Welt zur Geltung zu bringen, kommen drei Ausdrücke für .Welt“ vor: תבל und העולם, הארץ das erste Wort bedeutet ״Universum“, das zweite'unseren Planeten, die ״Erde" als Himmelskörper, das dritte die ökumenische (bewohnte) Erde, den Wohnsitz der Menschen und aller Wesen. Was das erstgenannte Wort betrifft, so ist dies erst im nachbiblischen Schrittthum heimisch; wenn wir demselben auch vereinzelt im Prediger (Kohel 3,11) begegnen. Was aber die beiden anderen Bezeichnungen betrifft, so ergiebt sich aus den Attributen Beider in Psalm 24,1 und Jesaj. I., 18,3 die Richtigkeit der von uns gemachten Unterscheidung. In den Psalmen steht bei dem Worte Erde ארץ״“ als Planeten ״ ומלאהwas die Erde füllt“ bei dem Worte תבל״“ aber וישבי בה ,,was die Erde (Welt) bewohnt“. Widerum ist in Jesaja dem Worte תבל das Prädikat ,לצב, dem Worte aber das Prädikat יעזבני vorgesetzt. ישב heisst ״sich dauernd niederlassen“, ״ שכןzeitweilig wohnen‘1. So heisst es von der wandelnden Stiftshütte: ״ ושכנתי בתוכםSie sollen mir ein Heiligthum errichten, in welchem Ich weilen werde (Exod. 25,8) Von der festen Tempelburg aber auf;den Höhen Zion’s singt, der Psalmi*t (P8. 132,14) ״Hier, spricht der Herr, will ich für immer wohnen (פה אשב)• Demnach war nicht die Assonanz der Worte für die Wahl derselben im heiligen Gebete ruassgebend, sondern die in intellektueller Hinsicht in aufsteigender; Linie sich vol'ziehende Progression. ״Herr regiere über das Weltall, (העולם), lass deine Würde walten über unseren Planeten (ד!ארץ) und in dem Himmelskörper der Erde über die bewohnte Welt (תבל)• Dieser dreifachen Form-Anwen* düng in Bezug auf den Raum, entspricht auch die dreifache Steigerung der erkennenden Wesen: פעול, יצור, כל אשר ״ נשמה באפוDie Creatur, das ausgebildete Geschöpf, das be-’ seelte Wesen,“ Alles fühle, begreife und rufe begeistert: Gott ist König. Das ist der Ausklang des Weltalls in der Einzelseele. Dr. N. London. Unter der Ueberschrift ״die Geschichte der Alpha* bete“ ist in der königlichen Bibliothek des ״British Museum“ eine Musterausstollung phönizischer, hebräischer und anderer semitischer Alphabete und Inschriften veranstaltet. Unter den Keilinschriften sind die ältesten die Ziegelsteininschritten aus Ur-Casdim gegen 2000 v. d. g. Z. Literarischer Anzeiger. 99* Angebote und Gesuche antiquarischer Bücher der jüdischen Litteratur von Ra b binern, Lehrern und Cultusbeamten werden zu ermässigtem Preise (die 4gesp. Zeile ä 10 Pf. baar) autgenommen. ־Raliiner'H hebr. Schulbücher empliehlt zum Semester- Soeben erschien: Henne Am Khyn: Die Freimaurer, deren Ursprung, Geschichte, Verfassung, Religion und Politik. Das eil' zig. Buch, welches erschöpfende Auskunft gibt. Ferner in zweiter Auflage: Die J esuiten, deren Geschichte, Verfassung, Moral, Politik, Religion und Wissenschaft. — Eine Warnungsschrift?reis ä 1,50 M. in allen Buchhandl. 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