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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-09-05 · N° 36. (5.9.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 36. (5.9.1889)
Date
1889-09-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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***: Jüdisches Litteratur ■Blatt. Zmr Bdl.Kht.ag allar Jidutli. aad Mo bttnlndai llttdr.rl.ch.. ■r• ichdla.agda aaf «(■t ödhldtd «dr Philo• .ophlc, GoKhlchto, Ithaographla, Thoooirld, Orld.tdll», Ezogddd, Houlldtlk, Utargik a. PMattogU. Heraasgegeben von Rabbiner l>r. Moritz Rahmar. 0lTCag3e6t«׳t^, 5. SeptctH60׳t 1S89. Blehdr «aroiaidhllglROB Llttoratar.waleh .dr Bodaotioa ntmadt w.rdoa, tadaa la dlotoai Blatt, dl.gdhdad. Bddprddhaag B.l Klai.adaag roa aw.l BdCda.toaa• Kx.apl.rd. erfulat diaaialla« kara. ar.tl.'la.drtloa. Dm »Jfldlsche Lltter*tmr-Bl»tt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteiatnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 16 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. T Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Jaden in Afrika Von Mara Cop Marl et. (Schluss.) — Ein Jade als Mitglied der Kaufmanns-Gilde zu Winchester 1268. Von Joseph Jacobs in London. — Das Targum zu dem Buche Kohelet. Verhältniss des edirten Textes desselben zu dem eines handschriftlichen Codex auf der Breslauer Stadtbibliothek, stammend aus dem 13. Jahrhundert. (Codex No. 11.) Von Dr. Jokob Re iss, Rabbiner in TCuttenplan (Böhmen.) — Litteraturbericht: Recension: Biblischer Commentar über die zwölf kleinen Propheten von Carl Friedrich Keil, Dr. und Prof, der Theologie. — 12FTD סדר הדרת, Gebetordnung zur heil. Weihe.— Lliterarische Notizen.— Inserate. Unbefugter Nachdruck bub diesem Blatte ist nicht gestattet. Die Juden in Afrika. Von Mara Cop Marlet. (Schluss.) In dem arabischen Stadtviertel der ״G a8b ah“ gleiohen die Jaden, die dort meist in offenen Läden auf dem Boden kauern und die Goldsohmiedekanst betreiben, ganz den geheimnisvollen Alohymistea des Mittelalters. Einer dieser oft greisen Schmelzer des werthvollsten Metalles besass ein Töchterlein, welches ich kannte. Draussen in einer giünumrankten Villa der Vorstadt St. Eugene, lag sie gewöhnlich träge im Fenster. Die Farbengluth, welche das Bild dieser Jüdin, die auf den Meeresspiegel hinausträumte, umfloss, ist unbeschreiblich. Man hätte sie für eine reiche, verwöhnte, die Vorübergehenden lookende Aspasia halten können, und doch war sie nur ein tugendhaftes Juden-Mädchen des Orients. Ihr Haar war röthlich-golden und mit Goldmünzen geschmückt, die Augen tiefschwarz, die Lippen dunkelroth, roth- und gelbseidene schwere Stoffe umschlossen die Büste, Goldspangen die nakten Arme. Interessant sind die Beziehungen der Jüdinnen zu den muselmanischen Arabern, wenn sie mit denselben eine Ehe eingehen. Bekanntlich gestattet der Koran den Islamiten die Ehe mit einer Muselmanin, Christin oder Jüdin (die Frau moslemischen Glaubens darf dagegen nur den Mohammedaner ehelichen.) Allerdings widerrathet der Marabout (islamische Priester) dieser Ehe mit einer ״Kittabhia“ anfangs energisch. Seine Gründe sind einleuchtend: Das ungläubige Weib könnte noch Wein trinken! (bekanntlieh eine Todsünde für den Araber,) ja sie könnte es sogar in der Zeit, wo sie Mutterfreudenentgegensieht. Der Gatte läuft also Gefahr, in einem Kusse \ einen Tropfen des verbotenen Rebensaftes von ihren! Lippen zu trinken und das Seelenheil des kleinen; Muselmannen, dem sie das Leben geben soll, ist; schon bei seiner Geburt gefährdet. Noch erschrecken- , der ist die Möglichkeit, dass die Jüdin in diesem gesegneten Zustande stirbt, denn dann begräbt man das Kind des rechtgläubigen Islamiten mit ihr auf dem Friedhofe der Ungläubigen, welcher ״die Grube in den Abgründen der Hölle“ ist. Sonst hat die Jüdin ihrem arabischen Gatten gegenüber alle Rechte gleich seinen anderen Frauen. Sie kann jedooh einen von den anderen Frauen abgesonderten Wohnraum für sich fordern. Das der moslemischen Gattin zufallende Reoht der ״Handana“, welches die Sorge für das leibliohe Wohl der Kinder der geistigen Fürsorge des Vaters streng gegenüberstellt, wird der Jüdin jedoch nioht gern gewährt. Die Hadana (wörtlich: Brutreoht) ist durch die grosse Wichtigkeit, die man ihr beilegt, ein Beweis für das Gefühlsleben in den islamisohen Familien. Es ist das eine förmliche, auf das Recht der Mutterliebe basirte Hierarchie. Die Hadina, welche das ״Brutrecht“ bei den Kindern ausübt, wird erst nach strenger Prüfung eingesetzt. Selbst, die eigene Mutter kann es nur sein, wenn sie tugendhaft, gläubig, ohne Laster und von liebendem, sanftem Charakter ist. In aufsteigender Ordnung können es die Grossmutter und Urgrossmutter und, sioh abzweigend, die Schwestern mütterlicherseits sein, erst dann kommen die weiblichen Verwandten der männlichen Linie in Betracht. Die Hadina darf weder zu jung, nooh zu alt sein. ״Denn — sagt der Araber wenig galant und sehr lakonisoh — junge Frauen sind leichtsinnig und alte egoistisoh!“ So begegnet man der schönen orientalischen Jüdin nicht allzu selten in dem arabisohen Harem bis ferne unter dem Zelte des braunen Fürsten der Sahara. In den europäischen Colonien dürfte diese Mischung nachlassen, denn auch die Tö chter Judäa’s sind ihrem Stamme treu, und es brachte sie nur die gesetzlose Willkür jener despotischen früheren Machthaber des afrikanischen Bodens in eine fremde Glaubens- und Lebenssphäre. Ueber die Herkunft der Juden und ihre Niederlassung in dem dunklen Welttheile erzählen Araber und Israeliten zwei verschiedene Legenden. Naoh der arabischen Version wären die Juden, als sie einst eine mit Schätzen für das Grab Mohammeds beladene Karawane gegen Mekka zu angriffen, vom Zorne Gottes ereilt worden, der alle männlichen Glieder des Stammes Israel auf der Stelle sterben liess. Da klagten aber die Frauen so herzzerreissend und flehten zu der Milde des Allmächtigen, sie nur eine Naoht ihre Gatten wiederseheu zu lassen, dass der Ewige nachgab und sie für wenige Stunden auferstehen liess. Von jener Nacht nun stammen die Juden in Algerien, denn die trauernden und gesegneten Frauen zogen in diesen Erdtheil.

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