Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 34. (22.8.1889)
- Date
- 1889-08-22
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36ו des ״Evangelischen kirchlichen Anzeigers der ״ Konservativen Korrespondenz“, der ״Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“, und mehrfache anderweitige offiziöse Aeussemngen gegenüber Das Yerhältniss der massgebenden ftegierungskreise zu Stöcker, bezw. dem Antisemitismus wird erörtert auf S. 15—17: hochoffiziöse Mittheilungen vom December 1880, enthaltend eine scharfe Missbilligung des Auftretens St.’s durch Bismarck, welches jedoch nicht dem Gesetz, wohl aber dem disziplinarischen Einschreiten des Kirchenregiments verfalle. S. 18. Die ״Nordd. Allg. Ztg.“ (1878) begrüsst freudig den zeitgemässen Schritt gegen den atheistisehen und antimonarchischen Sozialismus (sie wusste eben noch nicht, was alles der Mantel des ״Christlichsozialen“ deokte. Bef.) S. 18. Mündliche Aeusserung des Fürsten Bismarck, ausgesprochen Nov. 1881 zu Yarzin einem jüdischen Industriellen gegenüber, mit dem der Reichskanzler in gutsnachbarlichen und geschäftlichen Be- Ziehungen stand: ״Ich missbillige ganz entschieden diesen Kampf gegen die Juden, sei es, dass er auf konfessioneller, sei es, dass er gar auf der Grundlage der Abstammung sich bewege.“ (Schluss folgt.) Litterarische Notizen. 1. Auf die Fragen in No. 31 gmgen uns noch folgende Antworten zu: Es war eine schöne alte jüdische Sitte, dass jedes Kind ״seinen Possuk“ hatte,*) zu welchem Zwecke ein Bibelspruch gewählt wurde, welcher durch denAnfangs-u.Endbuchstaben seinesNamens sich als sein Eigenthum, als sein besonderer Bibelvers, charakterisirte, den es täglich zum Schlüsse der ״Tefilla“ unmittelbar nach dem Verse יהיו לר\1ץ wiederholte und sich vorführte, vermutblich um ausdrücklich hervorzuheben, dass Gott die Worte des betreffenden Beters wohlgefällig sein mögen, und mit der Hoffnung, dass Gott nahe ist Allen, die andächtig ihn anrufen, sollte der ,,Possuk“ als Wahlspruch fürs Leben dienen, um das Kind, d. h. den Israeliten, vor Abfall von der väterlichen Beligion und heilig reiner Sitte zu bewahren. In diesem Sinne wird auch heute noch in vielen Gemeinden dem jüd. Confirmanden am Schlüsse der Conürmation ein ״Possuk“ in deutschen Bibel- Versen mit dem Anfangs- und Endbuchstaben seines Namens *) Schon der Talmud kennt diese Sitte, mancher Kabbi fragte den aus der Schule heimkehrenden Knaben nach seinem Possuk: ״ פסול. לי פסוהן־sage mir deinen Bibelvers.“ R. mit auf die Lebensreise gegeben, wohl wissend, dass diese ״letzten“ Worte des Lehrers tief in’s Herz des Kindes dringen und ihm eine Quelle des Trostes, des Muthes und Vertrauens in allen Schicksalen und Wechselfälle des Lebens bleiben. Aschersleben. J a p h e t. 2. In Bezug auf die z weite Frage im Litt.-Bl. No. 31, warum unter den Lehrern des Talmud keiner den Namen Moses führt, erlaube ich mir zu bemerken, dass den Namen Moses ein Tulmudist allerdings führt, משה בר לצרי in Erachin 23 a und Baba bathra 174 b und bemerkt Juchasin (ed. Amsterdam 1717 S 73 b und ed׳ London 1857 S. 167), Mosche bar Ezri war der Vater des Rab Huna hakkohen zur Zeit Abaje’s. — Den Ausrut משה und משה שפיר לןאמרת (Sabbath 101 b, succa 39 a, Chulin 93 a) erklärt Baschi mit den Worten, נדול הדור תלמיד חכם■ Die Deutung Raschi’s (Beza 38b) בילרא למשה רא.משתבע ist nach מלאכי T ®d. Berlin S 76 fehlerhaft ,und findet sich in einer correcten Talmudausgabe בילרא למשה רא משבח. l. u. London. Herr Anatole Leroy-Beaulieu, einer der Bussen“ veröffentlicht. Dieser Band handelt auch über Beligion und sind 30 Seiten in demselben den Juden in Bassland gewidmet Der Standpunkt des Verfassers dieser Frage gegenüber erhellet aus folgender Stelle: ,!Vor nicht langer Seit hörte man in West-Europa, sogar in Frankreich, Stimmen — ohne Zweitel auch ehrlich gemeint — in Betreff gesetzlicher Messregeln gegen die Juden. Wir leben in einem Reiche, wo diese einst allgemeinen Ausnahmegesetze noch heute bestehen Zu was haben sie geführt? Statt die Judenfrage zu beseitigen, haben sie nur nooh mehr Erbitterung hervorgerafen. Gesetze aus einer frühem Periode haben auoh die früheren Gewaltthütigkeiten wieder heraufbeschworen. Das Beispiel Busslands sollte genügen, Europa zur Wachsamkeit gegen die veralteten Vorurtheile der Antisemiten aafzurufen ‘ London, Wie wir erfahren, beschäftigt sich der Nationaldichter, Herr N. H. Imber, mit der Herausgabe eines Werkes unter dem Titel לגלות ספרל für die vierte Centenarfeier der Vertreibung der Juden aus Spanien und der Entdeckung Amerika’s durch Columbus. China. Eine interessante Entdeckung ist hier gemacht worden. Es ist das Manuscript eines hebräisch-chinesischen Wörterbuches, welches wahrscheinlich in Sohangai im Druck erscheinen wird. Kalendarisches. Von allen ICO- und 1000jährigen Kalendern dürfte wohl ausnahmsweise das ״Kalenderbuch von Dr. Theodor Friedleben“, Frankfurt a. M. 1840 eine zweite Auflage erlebt haben Da dasselbe den christlichen, jüdis 0 hen und türkischen Kalender enthält und der Gegenwart und nächsten Zukunft angehört, so sei auf folgende Jahre hingewiosen, welche die Oongruenz der jüdischen und christlichen Daten falsch angeben: 1710, 34, 35, 40, 43, 73, 1811, 19, 68, 76, 87, 1912, 31 und 63. Cohen-Bees a. Bhein. Literarischer Anzeiger. Angebote und Gesuche antiquarischer Bücher der jüdischen Litteratur von Babbinern, Lehrern und Cultusbeamten werden׳ zu ermässigtem Preise (die 4gesp. Zeile ä 10 Pf. baar) aufgenommen. Gelegentlich meines 8(1. Geburtstages'S.““ schulen das von mir s. Z. herausgegäbene Buch: ״Moralische Betrachtungen Aber jed.Wochen• abschnltt des Pentateuchs etc.“ 124 Bogen, eleg. broschirt, früher 3 Mk., zum Gebrauch beim Schulunterricht, für nur 75 Pf. verabfolgt Lohethal, [2^צ Breslau, Berlinerstr 69. 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Das Werk bildet nicht blos ein Handbuch für Prediger und Lehrer bej Behandlung aer Unsterblichkeitslehre, sondern kann auch in jeder gebildeten Familie als interessante und spannende Lektüre Verwendung finden, da in ihm Fragen zur Erörterung kommen, welche von jeher den denkenden Menschen beschäftigt, nirgends aber eine so eingehende Besprechung gefunden haben, wie es hier der Fall ist. Preis * Mk. Moritz Scherbel, Prediger. Gumbinnen. [2197 Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druok von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Bobert Friese, Leipzig.