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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-08-22 · N° 34. (22.8.1889) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 34. (22.8.1889)
Date
1889-08-22
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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— 134 gebildeten Juden, selbst einem solohen, der auf streug religiösem Standpunkte steht, Gustav Freitag’s ״Bilder aus der deutschen Vergangenheit" vor und daneben ״Erzählungen aus dem jüdischen Leben", 80 ist es unzweifelhaft, dass er zuerst nach Gustav Freitag’s ״Bilder" greifen und diese mit Theilnahme und regster Aufmerksamkeit lesen wird, denn als Deutscher ist er ein Schwärmer für den Gedanken an eine allgemeine Menschheit, als Jude ist er eben nur der Bekenner eines gewissen Glaubens. Und wenn auch sein Glaube, der jüdische Glaube, ihn lehrt, dass sicher einmal die Zeit für eine allgemeine und einige Menschheit kommen wird, so muss doch selbst der frömmste Jude anerkennen, dass ״Erzählungen aus dem jüdischen Leben" und wären sie selbst von Sacher-Masoch und einem Karl Emil Franzos geschrieben, weit weniger geeignet sind, den Glauben an eine allgemeine Menschheit zu fördern, als die ״Bilder aus der deutschen Vergangenheit“, in denen unsere deutschen Vorfahren im Kampfe mit einer anderen Welt geschildert werden, in denen das Germanenthum, Romanenthum und Slaventhum einander ihre Eigenheiten aufzuzwingen und sich zu einer einheitlichen Nation zu vereinigen suchen. — Aehnliche Stoffe müssen — wie bereits im ersten Theile dieser Darstellung des Näheren ausgeführt worden ist — auch die Erzählungen aus dem jüdischen Leben behandeln. — Genauer betrachtet, sind aber selbst die jüdischen Eigenheiten ״Halbasiens“ nur religiöse Gebräuche, die aus fälsch verstandenen Lehren der jüdischen Religion entstanden, und selbst dann auch auf diesem eigensten religiösen Gebiete — mit Erinnerungen und Sitten der umliegenden Völker oder der eigenen Landsleute, mit Erinnerungen an eine Jahrhunderte lange Geschichte zu einem unentwirrbaren Gemisch von Wahrheit und Dichtung, von Religion und Geschichte, von Nation und Bekenntniss geworden sind. — Das sind die Stoffe, welche selbst für den bedeutendsten Forscher der Kulturgeschichte würdig genug sind, um in ״Erzählungen aus dem jüdischen Leben“ behandelt zu werden — und Erzählungen, welche es versuchen, dieses Gemisch von Religion und Nation, von religiösen Gebräuchen und nationalen Eigenthümlichkeiten zu erklären und scharf auseinander zu halten, welche durch lebendige Zeugen dieses Hangen und Bangen zwischen den beiden Leitsternen aller Religion und Sittlichkeit veranschaulichen, dieses Hangen und Bangen zwischen Gott und Nation, dem Schwanken zwischen dem Gedanken an eine allgemeine einige Menschheit und der Fürsorge für unsere Brüder, mit denen wir durch das Geburtsland und dessen Geschichte, Sprache und Sitten eins geworden sind — solche Erzählungen haben sicher die allgemeinste Theilnahme für sich und finden die meisten Leser, denn sie spüren den Räthseln einer jeden Menschenbrust nach, dem Geheimnisse eines jeden Menschendaseins, das da ist: Die Einheit zwischen Herz und Geist, zwischen Gemüth und Verstand, zwischen Wollen und Vollbringen. Der Zweck dev jüdischen Erzählungen besteht aber auch darin, wie zu Eingang dieser Arbeit näher ausgeführt wurde, uns über die jüdische Geschichte, Religionsgebräuche und Sitten zu belehren. Daraus ergeben sich wieder andere Stoffe, die in den ״Erzälilungen aus dem jüdischen Leben“ behandelt werden können: Einzelheiten aus der Geschichte des israelitischen Volkes und zwar sowohl aus der biblischen, wie aus der nachbiblischen Zeit. In solche geschiehtliehe Erzählungen könnte auch gleichzeitig eine Schilderung des heiligen Landes, des Lebens seiner Bewohner zur Zeit eines selbstständigen Staates hineingewebt werden, wenn sie eben die biblische Zeit betreffen. Welchen unendlichen Reiz würde z. B. eine Erzählung ״Salomo und die Königin von Saba“ bieten, in welcher all׳ der Glanz und die Praoht des salomonischen Hofes, der blühende Zustand des Landes, die Beschäftigung der Bewohner und das hohe Ansehen, das Israel damals in den Augen der Nachbarvölker besass, geschildert wird? Oder aus nachbiblischer Zeit eine Erzählung ״Juda der Makkabäer“? Und sind nicht gerade diese beiden Stoffe selbst in einer Oper (die Königin von Saba) und in einem Schauspiel (die Makkabäer) bereits bearbeitet worden, warum sollte dies nicht auch in Erzählungen möglich sein? Aehnliche Stoffe sind: Ruth, Esther, die Belagerung Jerusalems, das Chazarenreich u. a. m. Ja, hier bietet sich eine Fülle von herrlichen Stoffen für ״Erzählungen aus dem jüdischen Leben“, hier können die jüdischen Eigenheiten, die überall zur vollkommenen Erscheinung treten, so lange die Israeliten abgesondert lebten, oder wenigstens doch nicht als vollberechtigte Glieder der Nation ihres Adoptiv- Vaterlandes galten, auch thatsächlioh zur Erscheinung getreten. Solche Eigenheiten sind: Glaubenstreue, prüfender Sinn, Festigkeit und Muth, innige Theilnahme an dem Sohicksale der Brüder! — Diese jüdischen Eigenheiten, sie sind ja zum Theil auch schon den, mit uns in gleichem Laude lebenden Nationen, nach hartem Kampfe aufgezwungen worden und Jahrtausende vorher, ehe die sogenannte deutsche Treue, Tapferkeit und Gastfreundschaft durch Taoitus, den ersten Erzähler deutscher Geschichte bekannt wurde, hatten die Israeliten schon diese Tugenden als ״jüdische“, d. h. in diesem Falle rein menschliche ״Eigenheiten“ geübt. — Man vergleiche mit diesen gewaltigen grossartigen Stoffen die dürftigen Stoffe, welche in den meisten unserer sogenannten ״jüdischen Erzählungen“ behandelt werden und man wird sich nicht mehr über die geringe Theilnahme wundern, welche solche Erzählungen finden und noch weniger darüber, dass sich so wenig gute Bearbeiter soloher Stoffe finden. Denn an solche gewaltigen Stoffe wagt man sich nur nach gründlichen historischen, sprachlichen und kulturgeschichtlichen Vorstudien und ein ver• uünftiger und geistvoller Schriftsteller ist eben nur derjenige, der — nach Sokrates — weiss, dass er nicht viel weiss. Ich würde es aus diesem Grunde noch lange nicht wagen, solche Stoffe, wie die hier angedeateten, zu bearbeiten und verspräche mun mir auch ״goldene Berge“.!Schluss folgt.) Zur Chronologie. Von L. Cohen in ltees a. Rhein. (Fortsetzung.) . in m. s. Ghirondi’s ״תולדות נחלי ישראל״ Triest 1853*) ist zu berichtigen resp. zu bemerken: S. 13, No. 27: Elia Montalto starb ה* שע״ז (5377.) — Zunz hat den 10. Februar 1616. Nach Fin in כנסת ישראל S. 115 starb derselbe zu Tours in Frankreich und wurde am 16. Februar in Holland begraben. S. 116 heisst es nach המנח שנד, יי׳ א S. 309 wie folgt: דתהלך את האלהים ב׳ כ״ט שבט שנת שלום שצ״ו־>). Der 29. Schewat entspricht Mittwoch, dem 17. Februar. Aus diesen Widersprüchen ist kein Ausweg zu finden. , s. 36, No. 87: Abr. Luzzatto starb ברביעי למנחם ה׳ שמ״ג und seine Frau Jutlin ו׳ אדר שמ״ו. — Diese Daten entsprechen dem 23. Juli 1583 und 25. Februar 1586. Zunz hat den 2. August 1583 und 30 Monate *1 Was bedeuten auf dem Titelblatt« dieses Werkes unten die Worte איהן (das ה mit 3 über demselben stehenden Punkten?)

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